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Fabian Renz-Gabriel über die Supermarktkassen der Zukunft

Hier die Relaxten, da die Gestressten

Im Biomarkt meines Vertrauens gibt es einen neuen Kassierer, der jede Kundin und jeden Kunden freundlich und vor allem individuell begrüßt. „Sodele, wunderschönen Abend wünsch ich, dann legen wir mal los“, sagt er beim einen. „Hallo, Großeinkauf fürs Wochenende, sehr gut“, sagt er bei der anderen. Dann zieht er in eher gemächlichem Tempo die Waren über den Scanner, gefolgt von einem „Das war’s dann auch schon“. Sobald man die Karte ins Gerät stecken darf, sagt er: „Feuer frei!“

17.01.2018

Von Fabian Renz-Gabriel

An Tagen, an denen ich viel Zeit habe, finde ich das nett. Ich mache es dem Mann dann gleich und sage sowas wie „Wunderbar, dann steht dem gelungenen Abendessen ja nichts mehr im Weg“. Wenn ich es aber eilig habe, dann erwische ich mich dabei, wie ich lautlos vor mich hin flüstere: „Herrgott, mach hinne, wie langsam kann man sein?!“

Darum kam mir eine Idee. Man könnte in Supermärkten unterschiedliche Kassen für unterschiedliche Gemütszustände einrichten. Bestimmte Kassen wären dann für entspannte Shopper, die Zeit und Lust für ein Geplänkel haben. Die gerade vom Yoga kommen, nichts mehr vorhaben, richtig gut drauf sind. Dort würden sogar Gespräche mit anderen Kunden üblich werden. Man würde den Vordermann fragen, wie dieser Mandel-Tofu da schmeckt, und mit der Hinterfrau besprechen, wie das Ding heißt, das auf dem Band die Einkäufe trennt.

Wenn man dann drankäme, würde man die Kassiererin erst mal fragen, wie es ihr gehe und wie lange sie heute noch arbeiten müsse. Nach den passenden Münzen könnte man ganz entspannt suchen, auch beim Einpacken der Einkäufe würde man sich so viel Zeit nehmen, wie man bräuchte. Dann würde man lächelnd den anderen Kunden und der Kassiererin einen schönen Tag wünschen. Das wäre doch nett.

Andere Kassen wären für die Gestressten, die gleich zum nächsten Termin müssen. Die mies gelaunt sind. Die ungeduscht und in Jogginghose einfach nur schnell dieses verdammte Klopapier kaufen wollen. An diesen Kassen ginge es Discounter-mäßig zu. Zack, zack, zack flögen dort die Waren über den Scanner. Die Kassiererin würde die Kunden keines Blickes würdigen und die wären froh darüber. Der Blick der Kunden wiederum würde nur ungeduldig auf die Hände der Kassiererin gerichtet sein oder, um die nervige Wartezeit irgendwie zu überbrücken, aufs Smartphone. Die einzigen Worte, die gesprochen würden, wären „39,53“ und vielleicht noch „danke“ und „auf Wiedersehen“, das könnte man ja offen lassen. Mann, das wäre doch genial.

Sollte sich das System bewähren, könnte man es auf andere Lebensbereiche ausweiten. Auf den Straßenverkehr etwa, wo es eine Fahrspur für Drängler und Huper geben könnte und eine für Radiomitsinger und Nasenpopler. Auf dem Weihnachtsmarkt könnte es Tage geben für alle, die nur schnell ihre Geschenke zusammensammeln wollen und dann schnell weg sind. Andere Tage wären für diejenigen, die auch mal mitten auf der Gasse stehen bleiben wollen und sagen wollen: „Ach, ist das schön hier, guck mal, die Lichter da an den Fachwerkhäusern, herrlich!“

Die Welt wäre ein besserer Ort, für alle. Warum ist nur niemand früher darauf gekommen?

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Erstellt:
17. Januar 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Januar 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2018, 01:00 Uhr

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