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Hexen-Opfer war mit Beinen im Kessel
Buntes Treiben mit „Hexenkesseln“, wie hier in Waldkirch, gehört zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Kochendes Wasser wie in Eppingen ist aber in der Regel nicht im Topf. Foto: Hexentreiben wie hier in Waldkirch gehört zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht. In Eppingen ist es jetzt allerdings zu einem schrecklichen Unfall gekommen.Rolf Haid/dpaRolf Haid/dpa
Unfall

Hexen-Opfer war mit Beinen im Kessel

Die 18-Jährige liegt seit dem Eppinger Nachtumzug schwer verletzt in einer Spezialklinik und wird erstmals telefonisch befragt. Dass die Täter sich nicht melden, ruft Unverständnis hervor.

08.02.2018
  • HANS GEORG FRANK

Eppingen. Das Opfer des Hexenkessel-Unfalls von Eppingen ist so schwer verletzt worden, dass Ärzte eine Vernehmung durch die Polizei untersagt haben. Allerdings war ein telefonischer Kontakt mit der Patientin einer Stuttgarter Spezialklinik möglich. „Sie gibt an, dass ihre Beine im kochenden Wasser des Kessels waren“, fasste Polizeisprecher Frank Belz die Aussage der 18-Jährigen aus Rheinstetten zusammen. Bisher war nicht ausgeschlossen worden, dass Dampf die Verbrühungen verursacht haben könnte.

Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung. Ob auch unterlassene Hilfeleistung in Frage kommt, weil das schreiende Opfer zurückgelassen wurde, bezweifelt der Leiter des Eppinger Reviers, Jens Brockstedt: „Man konnte nicht unterscheiden, ob es Kreischen oder Schmerzensschreie waren, weil es dort sehr, sehr laut war.“ Brockstedt war an dem Abend selbst im Einsatz, er hatte die Gruppe mit dem Kessel entdeckt. Sie seien „ehrlich betroffen“ gewesen, als er sie mit dem Sachverhalt konfrontiert hatte. Der Kessel sei über die Hälfte mit Wasser gefüllt gewesen.

Eine Frage des Charakters

Oberbürgermeister Klaus Holaschke kennt die Narren aus der Nachbargemeinde Kraichtal im Kreis Karlsruhe. „Das sind alles unbescholtene Bürger, die ihren Spaß haben wollten, aber keine böse Absichten hatten“, sagte er der SÜDWEST PRESSE. Zwei der Mitglieder bekleideten „eine führende Position in Eppinger Unternehmen“. Für Unverständnis sorgt beim OB, dass sich noch immer kein Verursacher des „tragischen Ereignisses“ gemeldet habe: „Das würde für Charakter sprechen und allen helfen.“

Für die Ermittlungen ist die Staatsanwaltschaft Heilbronn zuständig. „Es gibt keine identifizierten Beschuldigten“, korrigierte Sprecherin Bettina Jörg anderslautende Pressemeldungen. Denn: „Wir wissen nicht, wer die Frau hochgehoben hat, die hatten ja alle Masken auf.“

Der „Bohbrigger Hexebroda“ lief nicht zum ersten Mal in Eppingen mit. „Die sind schon seit ein paar Jahren dabei“, bestätigte Zunftmeister Bernd Henke. Der Kessel mit dem namensgebenden „Hexenbraten“ habe auch früher zur Ausrüstung gehört: „Es ist bisher nie etwas passiert.“ Auch im Eppinger Stadtteil Richen hatten die Narren aus Bahnbrücken im letzten Jahr „ihren Kanonenofen im Schlepptau, in dem ein munteres Feuerchen flackerte“, berichtete die Lokalzeitung. Die Gruppierung ist in keinem Verband organisiert.

Der Umzug mit etwa 80 Gruppen hatte, laut Ankündigung, um „18.61 Uhr“ begonnen. Das „tragische Ereignis“, so Brockstedt, habe sich kurz nach 21 Uhr zugetragen. Die junge Frau sei von ihrer Clique „in Richtung der Hexen geschoben“ worden. Zwei Hexen hätten sie gepackt, eine dritte habe den Deckel über dem Kessel weggezogen.

Die Zukunft des Hexenumzugs in Eppingen steht auf der Kippe. Nach dem Ende der Ermittlungen wird entschieden, ob er weiter stattfinden darf. OB und Polizeichef haben den Gemeinderat am Dienstagabend informiert. Dabei sprachen beide von „einer Verkettung unglücklicher Umstände“. „Vorkommnisse“ seien bei solchen Großveranstaltungen nicht zu vermeiden, meinte OB Holaschke, aber ein solcher Unfall müsse ausgeschlossen werden. Deshalb solle „das Gefahrenpotenzial“ überprüft werden. Klar ist für den OB nur, dass ein solcher Masken-Korso auch wegen des „Charmes der Strecke“ nicht tagsüber durch die Stadt ziehen kann: „Der Nachtumzug ist ein kleines Alleinstellungsmerkmal.“

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08.02.2018, 06:00 Uhr
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