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„Weder erhärten noch entkräften“

Herta Müller fordert externen Sachverstand bei Aufklärung von Spitzelvorwürfen gegen Horst Fassel

Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller meldet sich wegen der Spitzel-Vorwürfe gegen den Tübinger Germanisten Horst Fassel zu Wort. Und auch Ex-Ehemann Richard Wagner legt noch einmal nach.

14.04.2010
  • Wilhelm Triebold

Herta Müller fordert externen Sachverstand bei Aufklärung von Spitzelvorwürfen gegen Horst Fassel
Herta Müller

Tübingen. Wiederum über ihren Hausverlag Hanser lässt Herta Müller nun mitteilen, nicht sie habe Horst Fasse „beschuldigt“, sondern „die Securitate bezog ihn in ihre Pläne ein. Wie weit das mit seinem Wissen geschah, geht aus meiner Akte nicht hervor.“ Sie habe mit den veröffentlichten Akten-Auszügen mit aufklären wollen, wie weit der Einfluss des rumänischen Geheimdienstes in Deutschland reichte. Fassel könne durch die Einsicht und Bekanntgabe der eigenen Securitate-Akten „dokumentieren, welche Rolle er in der Strategie der Securitate – wissend oder unwissentlich – spielte“, so Herta Müller. Sie selbst habe dagegen keinerlei Zugang zu seiner Akte in Bukarest und könne deshalb „den durch meine Akte entstandenen Verdacht weder erhärten noch entkräften.“ Das allerdings könne Fassel nur selbst leisten. „Er sagt, dass er nicht daran interessiert sei. Das allerdings kann man mir nicht vorwerfen.

Für Müller war Fassels Stiefvater Hans Mokka „ein wichtiger Zuträger der Securitate, der über alle Autoren der Aktionsgruppe Banat berichtet hat und häufig mit Aufträgen der Securitate aus Rumänien nach Deutschland kam.“ Dass Fassel Mokkas Spitzeltätigkeit einräume, sei bisher „sein einziger Beitrag zur Aufklärung der Securitateverwicklung rumäniendeutscher Autoren.“

Die Wirkung der Securitate in Deutschland lässt sich nach Herta Müllers Ansicht nur über eine „fundierte wissenschaftliche Analyse der in Bukarest und in den Archiven der Landsmannschaften der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen aufbewahrten Akten“ aufklären. „Eine solche Untersuchung hätte das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde schon seit Jahren in die Wege leiten können.“ Zwar begrüße sie „jede Anstrengung, die zur Aufklärung dieses Kapitels der rumänischen Diktatur“ beitrage, wundere sich aber andererseits „über die naive Suche nach offiziellen Schreiben der Securitate im Briefeingang des Instituts.“

Herta Müller hält es für unerlässlich, dass sich das donauschwäbische Institut für ein angestrebtes Forschungsvorhaben „um externen Sachverstand“ bemühe. In dieselbe Kerbe haut Herta Müllers einstiger Lebenspartner Richard Wagner. Der Kolumnist des Internet-Medienportals „Die Achse des Guten“ wundert sich allerdings dort: „Einen Forschungsantrag zu diesem Thema hat man in Bukarest bei der Aktenbehörde durch das Institut bisher nicht ins Auge gefasst. Wie will man denn diskutieren ohne die Akten, was will man ausstellen und worüber will man referieren? Vielleicht kommt demnächst auch die akademische Welt ganz ohne Fußnoten aus. Zumindest wenn es um ein so unangenehmes Thema geht wie die Zusammenarbeit mit der Securitate, und um einen so netten Kollegen. Wir freuen uns schon auf das einschlägige Tübinger Schrifttum.“

Wagner steuert auch zwei Fundstücke bei, die den Literaturwissenschaftler Fassel belasten sollen. So habe der 1986 in der „Banater Post“ über Herta Müller verbreitet, die rumäniendeutsche Autorin knüpfe mit ihren „trostlosen“ Texten an eine deutsche Tradition der „Vorliebe für Obszönitäten“ an, die Vergleiche zur Asphaltliteratur der Zwanzigerjahre, aber auch zu Günter Eich, Peter Weiß und Günter Grass (immerhin!) hervorriefen. Autoren wie Richard Wagner nannte Literaturkritiker Fassel dagegen „manieristisch versteift“.

Klar, dass das niemand gerne von sich liest oder auf sich sitzen lässt. Als Herausgeber verantwortete Fassel laut Wagner eigenwillige Urteile wie das eines Rezensenten, der über Müllers Erzählung „Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“ fabulierte: „Zu bewundern ist dieses Büchlein, sogar sehr zu bewundern: Mit welch geringen literarischen Mitteln ist doch die Klientel der Autorin zufriedenzustellen. Denn die dümmliche Geschichte ist eiskalt kalkuliert für die Ansprüche einer ideologisch fixierten Schicky-Micky Clique, deren Weltbild in Ordnung war, ist und sein wird, und welche die ideologische Öde ihrer Welt mit geschlossenen Augen und viel saurer Geilheit zu ertragen weiß.“

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