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Versprochen: Niemand friert

Hersteller: Zelthallen eignen sich auch im Winter als Unterkunft

Warm, trocken, sicher: Flüchtlinge können auch im Winter in speziellen Zelten leben. Die Provisorien mit festem Boden sind isoliert und beheizbar. Sie bieten auch mehr Intimsphäre als die überfüllten Hallen.

24.10.2015
  • HANS GEORG FRANK

Bad Rappenau "Die Leute sind glücklich, endlich sind sie im Warmen", meldete der Verkäufer aus Eisenhüttenstadt (Brandenburg) an seine Zentrale in Bad Rappenau bei Heilbronn. Die Firma Losberger hat an der Grenze zu Polen drei Zelte aufgestellt, die in der Branche "Unterbringungshallen" heißen. Auf dem Gelände der Bundespolizei sollen insgesamt 17 solcher Zwischenlösungen entstehen, damit 1000 Flüchtlinge einen sicheren Platz im Trockenen bekommen.

Bei Losberger, dem 1919 in Heilbronn gegründeten Zelt-Spezialisten, boomt das Geschäft. Doch Besteller - ob Rathäuser, Landratsämter oder Ministerien - müssen sich gedulden. "Sechs Wochen wird es bis zur Auslieferung dauern", erklärt Talisa Müller vom Vertrieb. Vordrängeln scheint nicht möglich zu sein: "Wer zuerst kommt, mahlt zu erst." Die Firma, die sich mit "Eventzelten" internationale Bekanntheit erarbeitete, hat rasch auf die Nachfrage nach Quartieren für Flüchtlinge reagiert. Neben doppelstöckigen Raummodulen und Wohncontainern bietet sie die "Hallen" an zum Stückpreis von 118 000 Euro, für den passenden Sanitärcontainer werden 215 000 Euro verlangt.

Für 60 Personen ist das Standardzelt - 12 auf 30 Meter - ausgelegt. Das Dach, das auch dem Gewicht von Schneelasten widerstehen soll, besteht aus einer doppelwandigen Thermoplane. Die Seitenwände sind gut isolierte Elemente in Sandwich-Bauweise. Türen aus Aluminium schließen die Einheit ab. Der Holzboden mit Belag wird auf Kanthölzern verlegt, dazwischen schützt Isolierwolle vor Kälte. In eine solche Halle können zwölf Raummodule (fünf mal fünf Meter) mit je eigenem Eingang gestellt werden, um ein unter diesen Umständen mögliches Maß an Intimsphäre zu gewährleisten. "Mit einer abgehängten Decke sieht es fast aus wie Zuhause", meint Talisa Müller. Jedes Zelt wird von außen mit Luft erwärmt, der Ofen funktioniert mit Heizöl. "Es friert niemand", versichert Christoph Häring, der Sprecher von Integrationsministerin Bilkay Öney.

"Fliegende Bauten" heißen die Zelte, Leichtbau- oder Traglufthallen bei den Experten, die das Flüchtlings-Herbergsproblem lösen muss. Hinter festen Mauern der Erstaufnahmeeinrichtungen in 21 Kommunen haben derzeit knapp 40 000 Menschen ein Obdach gefunden, in "fliegenden Bauten" leben 2800.

Lang wurde gehofft, dass die Provisorien vor dem Winter geräumt werden könnten. Daran glaubt heute kaum mehr jemand. Nadine Hilber vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, das auch für das Zeltlager in Neuenstadt bei Heilbronn verantwortlich ist, erklärt der SÜDWEST PRESSE: "Wir möchten so schnell wie möglich Zelte entbehrlich machen, das ist aber wegen des anhaltend hohen Flüchtlingsstroms kaum möglich." In einer früheren Straßenmeisterei stehen sieben Großzelte, die Platz bieten für je 100 Personen, aber nicht vollständig genutzt werden. Gestern Abend wollte das RP die Belegung auf weniger als 200 Personen reduziert haben: "Darüber freuen wir uns sehr."

Das Lager hatten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk Ende Juli kurzfristig aufgebaut, um die völlig überfüllte Erstaufnahme in Ellwangen zu entlasten. Die zuerst verwendeten leichten Zelte wurden nach wenigen Wochen durch winterfeste Modelle ersetzt, obwohl auch damals schon erklärt wurde, während der kalten Jahreszeit auf das Camp zu verzichten. Diese Hoffnung hat das Regierungspräsidium Stuttgart offiziell nicht aufgegeben. "Wir arbeiten durch die Erschließung neuer Unterbringungsmöglichkeiten in befestigten Gebäuden daran", betont Nadine Hilber. Die Suche nach geeigneten Immobilien laufe auf Hochtouren.

Das Integrationsministerium denkt schon weiter. "Ich kann nicht ausschließen, dass man über den Winter Menschen in solchen Zelten unterbringen muss", sagt Christoph Häring. Es sei auch denkbar, dass weitere Zelte an anderen Orten aufgestellt würden. Für Häring ist es "vielleicht eine kleine Verschnaufpause", wenn der Zustrom ein bisschen nachlässt. Kamen in Spitzenzeiten Anfang Oktober bis zu 1700 Menschen an einem Tag, waren es am Mittwoch 790.

Hersteller: Zelthallen eignen sich auch im Winter als Unterkunft
Die Freiburger Flüchtlingsunterkunft bietet bereits winterfeste Zelte als Unterkünfte an. Foto: dpa

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24.10.2015, 12:00 Uhr
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