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Stuttgart

Hermann: Havarie im Rheintal Weckruf für Stuttgart 21

Die Havarie auf der Rheintaltrasse sollte aus Sicht von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ein Weckruf für die Bahn auch beim Milliardenvorhaben Stuttgart 21 sein.

11.09.2017
  • dpa/lsw

Stuttgart. Es gelte die dabei eingegangenen Risiken, insbesondere beim Tunnelbau im quellfähigen Anhydrit, zu minimieren, sagte Hermann der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Er habe der Bahn signalisiert, dass er im nächsten Lenkungskreis der Stuttgart-21-Projektpartner einen Bericht erwarte, inwieweit vergleichbare Risiken bei der Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens bestünden, wie man diesen gegebenenfalls begegne und wie das Risikomanagement aussehe. «Je mehr Risiken man eingeht, desto wahrscheinlicher ist, dass eines eintritt.»

Das nächste Treffen des Lenkungskreises, zu dem neben Bahn und Land auch Stadt und Region Stuttgart sowie der Landesflughafen gehören, ist am 27. Oktober geplant. Anhydrit gilt als schwieriges Gestein, weil sich bei Berührung mit Wasser sein Volumen stark ausdehnt.

Hermann wird an diesem Dienstag im grün-schwarzen Kabinett über die Sperrung der wichtigen Nord-Süd-Achse bei Rastatt und ihre Folgen berichten. Er setze darauf, dass die Bahn als Bauherrin genau untersuche und am Ende aufkläre, wie es zu der Absenkung der Gleise kommen konnte. Er müsse alle Informationen erhalten, denn die Politik werde schließlich von den Bürgern in Verantwortung genommen.

Vor einem Monat hatten sich die Gleise bei Rastatt infolge von Tunnelbauarbeiten abgesenkt. Nach Angaben des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) ist die Ursache dafür, dass die dazu notwendige Vereisung des Bodens - anders als üblich - während der Nutzung der Strecke durch Züge vorgenommen worden sei. Deren Schwingungen hätten zu Instabilität geführt und zu Verschiebungen der Betonteile zur Auskleidung des Tunnels. So hätten Erdreich und Wasser in den Tunnel eindringen können, erläuterte VCD-Landesvorstand Matthias Lieb.

Grünen-Politiker Hermann sieht zahlreiche Klagen infolge der Sperrung voraus. Geschädigt sind vor allem Logistikfirmen, die Waren nicht fristgerecht bei Kunden abliefern konnten, sowie die davon betroffenen Endabnehmer. Lieb sprach von einer Größenordnung der Schäden im dreitstelligen Millionenbereich. Fraglich ist für Hermann, wer letztendlich zahlen müsse - die Bahn, die Baufirmen, der Bund oder Versicherungen. «Wenn es um Geld geht, gibt es immer viele die nicht schuldig sind.»

Ein Gutes sieht der Minister in der Panne: Obwohl die Absenkung der Gleise anfangs minimal war, sei sie dank Sensoren bemerkt worden. Die Strecke sei unmittelbar nach der ersten Veränderung gesperrt worden. «Gott sei Dank haben die Sicherungssysteme funktioniert und damit eine Katastrophe verhindert.» Den Termin für die Inbetriebnahme der reparierten Trasse am 7. Oktober hält er für realistisch.

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11.09.2017, 16:05 Uhr | geändert: 11.09.2017, 13:22 Uhr
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