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Perfektion mit Herzlichkeit

Hermann Bareiss führt mit seinem Sohn Hannes das Baiersbronner Luxushotel

Der Vater hat das Hotel Bareiss in Baiersbronn-Mitteltal an die Spitze geführt. Der Sohn möchte die Position nicht nur halten, sondern noch ausbauen. Wichtigstes Kapital dabei sind die Mitarbeiter.

09.03.2013

Von HANS GEORG FRANK

Baiersbronn Wenn Hermann Bareiss spricht, entstehen mitunter Sätze, die in Marmor gemeißelt werden können. "Für den Gast gibt es kein Nein", ist eines der unumstößlichen Gebote, die im Hotel Bareiss, einem Refugium der Spitzenklasse in Baiersbronn-Mitteltal, ewige Gültigkeit haben. Der Chef lebt vor, was alle Mitarbeiter verinnerlicht haben. Mag ein Wunsch noch so abwegig erscheinen, muss geprüft werden, wie er zu erfüllen ist. "Das ist unmöglich", darf als erste Reaktion nicht einmal gedacht werden. Die anspruchsvollen Gäste gelten als "wunderbare Menschen", die "totale Verwöhnung" erwarten.

Das optimal geschulte Team, vom Zimmermädchen bis zum Küchendirektor, verbindet Perfektion mit ehrlicher Herzlichkeit. Deshalb gilt ein weiterer Bareiss-Grundsatz: "Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital." Darauf können sich auch Mitbewerber verlassen. Wer in seinem Lebenslauf das noble Hotel mit Drei-Sterne-Restaurant aufführt, dem steht die Gastro-Welt offen.

Dann gibt es noch das dritte Gebot: "Die einzige Konstante ist die Veränderung." Seit 1951 die Försterwitwe Hermine Bareiss das "Kurhotel Mitteltal" mit zwölf Betten eröffnete, wurden 70 Baugesuche eingereicht, hinzu kamen Dutzende Modernisierungen. Als ihr Sohn, ein Koch, die Herberge 1973 übernahm, hat er die Kapazität auf 180 Betten verdoppelt. Heute finden 230 Gäste in 125 luxuriösen Zimmern einen Platz zum Entspannen.

Speziell für seinen Sohn Hannes hat Hermann Bareiss das vierte Prinzip formuliert: "Das gemachte Nest gibt es nicht." 2009 ist der Junior, gelernter Koch und Betriebswirt, in das Familienunternehmen als geschäftsführender Gesellschafter eingestiegen. Nach und nach hat der einstige Jesuitenzögling von St. Blasien wichtige Kompetenzen im Controlling übernommen. 2014, wenn er 70 wird, denkt der Senior an den Rückzug. "Da kann es durchaus sein, dass ich den operativen Bereich abgebe", hält er sich ein Hintertürchen des Einflusses offen.

"Ich mache nichts, was ihm nicht passt", versichert der Sohn. "Wir sind uns immer einig", bestätigt der Vater. Streit werde vermieden, "das bringt uns nicht wirklich weiter", meint Hannes Bareiss. Doch mitunter müsse lange diskutiert werden, bis eine Lösung gefunden sei. Hilfreich sei der gemeinsame Geschmack, beim Essen ebenso wie bei der Einrichtung. Der Landhausstil etwa bleibe, aber unter dem Junior zeichnet sich eine neue Tendenz ab: Weg von barocker Opulenz, hin zu reduzierter Klarheit.

Die Nachfolgelösung in Mitteltal gilt in der Branche als vorbildlich. Die beiden Bareiss-Söhne waren sich früh einig, wer daheim am Ruder stehen wird. Der Älteste, Christian (Jahrgang 1978), hat sich selbstständig gemacht als Gastronom in Düsseldorf. Seine Schwarzwaldstube weist starke Bezüge zur Heimat auf, wo auch gerne Personal rekrutiert wird. Dass keine Zerferei um Vaters Erbe aufkam, sieht auch dieser als "ein großes Glück" an. Im Schwarzwald, erzählt Hermann Bareiss, gebe es "30 zuvor erstklassig geführte Hotels, in denen die Nachfolge nicht geklappt hat".

Als Last versteht der mit dem Gastro-Gen gesegnete Juniorchef seine Aufgabe nicht. Noch keinen Tag, sagt er, habe er den Einstieg bereut. Also geht er auch gerne bei den Honneurs strahlend, nicht servil von Tisch zu Tisch: "Das wird erwartet."

Die betuchte Klientel - 80 Prozent Stammgäste - schätzt die persönliche Ansprache. Bevor Neuankömmlinge die Rezeption erreicht haben, wissen die Mitarbeiter, wen sie vor sich haben. Hilfreich ist die früh erkannte Autonummer. Namentliche Begrüßung ist der Auftakt zum Rundum-Wohlfühl-Programm.

In Dossiers stehen alle Vorlieben und Besonderheiten, vom Sitzplatz bis zum Kissen, von der Allergie bis zur harten Matratze. Die individuelle Fürsorge lässt sich sogar auf Umschlägen mit Post aus Mitteltal ablesen - Frankiermaschinen sind tabu, es muss eine richtige Briefmarke sein, "sonst geht der private Bareiss-Touch verloren", weiß der Seniorchef.

An den Essentials wird Hannes Bareiss nicht rütteln. Auch Erweiterungen hat er nicht ihm Sinn, lieber legt er Zimmer zu einer Raucher-lounge zusammen, baut ein Schwimmbad für Kinder, erweitert die Terrasse, vergrößert die Bibliothek und den Fitnessraum. Er denkt an einen bäuerlichen Streichelzoo, an eine weitere Wanderhütte und eine Foodmanufaktur. All dies fällt bei ihm unter die Kategorie "magic moments", verbunden mit einer Absage an "Trendsetterei ohne Nachhaltigkeit und Effizienz". Er vertraut auf den vom Vater gewährten Freiraum, seine Ideen umzusetzen und weiß daher: "Ich bin meines Glückes Schmied."

Hermann Bareiss und sein Sohn Hannes haben in ihrem Baiersbronner Hotel mehrere Lieblingsplätze, einer ist in den museal eingerichteten Dorfstuben.

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Erstellt:
9. März 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. März 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. März 2013, 12:00 Uhr

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