Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Eine große Hommage

Helen Schneider im ausverkauften Sudhaus

Tübingen. Musicalstar, Schauspielerin, Jazz- Blues- Country- und Rocksängerin, Kabarettistin – man könnte diese Liste noch weiter führen. Umso erstaunlicher, dass Helen Schneider mit einem so geschlossenen und monothematischen Bühnenprogramm unterwegs ist: „Juke Box Blues“ heißt es und ist eine Hommage an bedeutende Songwriterinnen der Fünfziger und sechziger Jahre. Es dauert seine Zeit, bis man das Gefühl loswird, der Titel täusche.

22.10.2012

Den Abwechslungsreichtum einer Jukebox hat das Programm zunächst nicht. Denn Helen Schneider ist eine Stunde lang June Carter, die Country-Größe, aus deren Feder viele Songs von Johnny Cash stammen. Als „Mrs. Johnny Cash“ spielt die in Deutschland sehr erfolgreiche Amerikanerin Stücke wie „Loosing you“ oder „Help me make it through the night“ in ungehörter Art – und es gelingt ihr sogar, aus den in gefühlt hundert Versionen bekannten Songs, etwa „Ring of Fire“, noch neue Facetten herauszuarbeiten.

Vom erzählerischen Ton bricht ihre Stimme in voluminöse Pracht aus. Die Country-Beats verfremdet die Band (Schlagzeug, Gitarre, Bass) mit Jazz- und Bluesklängen. Popmusik und der Pathos eines gesungenen Schauspiels mischen sich ebenfalls unter: Schneider streift die Grenze, an der es kitschig zu werden droht. In ihren Interpretationen entfalten sich all ihre Qualitäten: Das einzelne Lied im Gewand der Genrevielfalt einer ganzen Jukebox? Vielleicht kann man das so verstehen.

Lieber sollte die Musik

für sich sprechen

Sie wechselt stets zwischen Rolle und eigener Person: Helen Schneider ist eine großartige June Carter, Helen Schneider ist aber auch eine Helen Schneider: Ihre Anmoderationen dauern lange. Schon nach dem ersten Lied verliert sie sich in Erzählungen und Erläuterungen, die über den Kontext hinausgehen. Kurz bevor man geneigt ist, auszurufen „lass die Musik doch für sich sprechen!“, erahnt man die kabarettistische Qualität dieser Pausen. Etwa wenn sie von der Musikgeschichte abschweift: „Eure Sprache ist doof, wozu braucht ein Tisch ein Geschlecht?“ oder in der zweiten Hälfte sagt: „jetzt mache ich nur noch Musik, Ich habe schon zu viel geredet. Da wäre nur noch die eine Sache…“ Ja doch, das ist Kabarett!

Peggy Lee oder Joni Mitchell heißen die Frauen, denen sie in der zweiten Hälfte huldigt. Dazwischen bringt sie Songs von Bob Dylan, Leonard Cohen oder Simon and Garfunkel. Es macht Spaß, die Evergreens so emotional und höchst artifiziell zu hören, und auch wenn da die Puristen klagen – Gewalt tut sie den Stücken bestimmt keine an.moritz siebert

Drei von den Vieren: Sängerin Helen Schneider beachtet am Mikro gebührend das Solo des Gitarristen Jo Ambros, am Bass steht Mini Schulz. Nicht im Bild: der Schlagzeuger Obi Jenne. Bild: Metz

Zum Artikel

Erstellt:
22. Oktober 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2012, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+