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Olympia-Auftakt

Heiße Friedensfeier in Eiseskälte

Nord- und Südkorea bemühen vor dem Entzünden des Olympischen Feuers in der Arena von Pyeongchang zahlreiche Symbole. Doch am Rande der Eröffnungszeremonie gibt es auch politisch motivierte Störmanöver.

10.02.2018
  • MANUELA HARANT

Pyeongchang. Für einen kurzen Moment stand die Welt auf der koreanischen Halbinsel still: Als die Sportler aus dem Norden und Süden vereint in die olympische Arena einmarschierten, kullerten bei vielen Besuchern die Tränen. Das ansonsten eher zurückhaltende Publikum stieß spontan einen spitzen Schrei aus, gefolgt von begeisterten Beifallsstürmen. Pjöngjang und Seoul hatten für die XXIII. Olympischen Winterspiele eine gemeinsame Eröffnungsfeier versprochen – und sie wurde dem Titel „Peace in Motion“ (Frieden in Bewegung) gerecht.

Ob der Einmarsch Süd- und Nordkoreas mit einem vereinigten Fahnenträgerpaar, die Friedenstaube aus Lichtern oder der letzte Fackellauf eines Duos aus dem gemeinsamen Damen-Eishockeyteam: Unter dem Eindruck dieses fröhlich-friedlich-stimmungsvollen Festes schien fast vergessen, dass bis vor wenigen Wochen Eiszeit zwischen Seoul und Pjöngjang herrschte. Allerdings waren nicht alle Symbole neu: Schon 2006 in Turin war das geteilte Land mit der so genannten Einheitsflagge aufgetreten.

Wie stark die gesamte Feier politisch aufgeladen war, zeigte auch ein Schauspiel am Rand: Zwei täuschend echt aussehende Doubles von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un waren die heimlichen Stars der Party im Olympiastadion. Die beiden verbrüderten sich auf der Tribüne und konnten sich vor Selfie-Anfragen und Schulterklopfern kaum retten. Wenig später wurde das Duo jedoch vom Sicherheitsdienst allerdings auf direktem Weg aus dem Stadion begleitet.

Da geriet der Einmarsch der Nationen fast zur Nebensache – besonders für das Publikum, das nur beim Auftritt der befreundeten US-Amerikaner und beim eigenen Team begeistert jubelte. Deutschland zog mit insgesamt 162 Vertretern, darunter 90 Athleten ins Olympiastadion ein. „Daran werde ich mich mein Leben lang erinnern“, schwärmte Fahnenträger Eric Frenzel. „Es war beeindruckend, als Erster ins Stadion mit den Tausenden bunten Lämpchen laufen zu dürfen.“ Die Nachfrage nach den so genannten „Marching Pässen“ war weit größer als das Angebot. „Daher haben wir uns verstärkt für Olympia-Neulinge aus der Bertreuergruppe entschieden, für die das natürlich etwas ganz Besonderes ist“, erklärte Chef de Mission, Dirk Schimmelpfennig.

Den Temperaturen getrotzt

Trotz der Eiseskälte von gefühlten minus 15 Grad Celsius blieben die wenigsten deutschen Athleten nach ihrem Fünf-Minuten-Auftritt im Stadion sondern entschieden sich noch während der Feier für die Rückfahrt ins olympische Dorf. Einem waren die Temperaturen egal: Ein Raunen ging durch die Menge, als Tongas Langläufer Pita Taufatofua, ähnlich wie bei den Sommerspielen 2016 in Rio als Taekwondoka, mit freiem Oberkörper und Baströckchen einmarschierte. Da konnten selbst die Bermuda-Vertreter in ihren Shorts nicht mithalten.

Die Olympischen Athleten aus Russland stellen bei den Wettkämpfen der Spiele mit fast 170 gemeldeten Athleten zwar eine der größten Mannschaften, am Einmarsch der Nationen beteiligte sich jedoch nur ein Bruchteil. Ein koreanischer Volunteer trug die neutrale Flagge mit den olympischen Ringen. Die überwiegend weiblichen Sportler lächelten und winkten jedoch fröhlich ins 35 000 Zuschauer fassende Rund.

Bei so viel Historie, Symbolik und Pomp blieb dennoch der bittere Beigeschmack, dass es diesen vielleicht für die künftigen Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea so entscheidende Ort bald nicht mehr geben wird. Denn das Stadion, in dem die Flamme dieser so speziellen Winterspiele von Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Yuna Kim entzündet wurde, ist allein für Olympia 2018 provisorisch errichtet worden. Nach Ende der Spiele wird es dem Erdboden gleichgemacht.

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10.02.2018, 06:00 Uhr
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