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Heinz Kurz GmbH Medizintechnik vertreibt ihre Implantate weltweit
. . . und hier eine Totalprothese, die das Dußlinger Unternehmen zusammen mit der Tübinger HNO-Klinik entwickelt hat. Bilder: Kurz
Das Mittelohr als Goldgrube

Heinz Kurz GmbH Medizintechnik vertreibt ihre Implantate weltweit

Mit Nischenprodukten erobert ein Dußlinger Betrieb den Weltmarkt: Die Heinz Kurz GmbH Medizintechnik produziert in der Tübinger Straße Prothesen fürs Mittelohr.

29.12.2009
  • Matthias Reichert

Dußlingen. Ende der 1950er Jahre machte sich Firmengründer Heinz Kurz mit einem zahntechnischen Labor selbstständig. Zahntechnik ist bis heute ein Firmenzweig, rund 50 Mitarbeiter produzieren in Dußlingen hochwertigen Zahnersatz für ebenso viele Zahnärzte in der Region bis nach Stuttgart. 1993 gründeten Heinz Kurz und seine Tochter Traute die Kurz GmbH Medizintechnik. Traute Kurz-Butzki ist heute Geschäftsführerin, der 82-jährige Vater kommt aber immer noch regelmäßig in den Betrieb. Für Zahntechnik ist eine zweite, unabhängige GmbH zuständig, die ebenfalls von Traute Kurz-Butzki geführt wird. Beide Firmen sitzen in Dußlingen im selben Gebäude.

1976 startete Heinz Kurz die Produktion von so genannten „Paukenröhrchen“ – winzige Belüftungsröhrchen, die bei Mittelohrentzündung ins Trommelfell eingesetzt werden, wenn das Mittelohr nicht mehr ausreichend belüftet ist. Um die 150 000 dieser Fabrikate, die aussehen wie kleine, streichholzkopfgroße Fadenrollen, stellt die Kurz GmbH heute jedes Jahr her – aus vergoldetem Silber, Titan oder reinem Gold. Ende der 1980er Jahre entwickelte Heinz Kurz, zunächst mit einem Mitarbeiter, stecknadelkopfgroße Mittelohr-Prothesen. „Das war mehr oder weniger ein Zufall“, erinnert sich die Geschäftsführerin. Ihr Vater war befreundet mit Ärzten der Tübinger HNO-Klinik. Mit diesen entwickelte er Prothesen aus Feingold, sie wurden in Tübingen klinisch getestet. „Es gab damals zwar schon solche Prothesen, aber die Materialien waren noch nicht zufriedenstellend“, sagt Traute Kurz-Butzki.

Gold als Hauptmaterial für Kronen und Brücken kannte Heinz Kurz aus der Zahntechnik – und kam gemeinsam mit den Ärzten auf die Idee, dieses Material auch für Mittelohr-Implantate zu verwenden. Wie sich zeigte, war Gold hierfür gut verträglich.

Und so funktionieren die Prothesen: Bei chronischer Mittelohrentzündung wird nach und nach die Schleimhaut, mit der die drei Gehörknöchelchen überzogen sind, in Mitleidenschaft gezogen. Die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel leiten Schallwellen vom Trommelfell ins Mittelohr. Schließlich greift die Entzündung die Knöchelchen an, diese werden nach und nach abgebaut. Die Patienten hören schlechter, nach Monaten oder Jahren müssen die befallenen Knochen schließlich operativ entfernt werden, mit Teil- oder Totalprothesen ersetzt oder zumindest stückweise überbrückt werden.

Die Kurz GmbH entwickelt solche Prothesen mit einer Reihe von Kliniken, auch das Team der Tübinger Universitäts-HNO-Klinik um den Ärztlichen Direktor Prof. Hans Peter Zenner bleibt wichtiger Kooperationspartner. Heute werden die Implantate aus Titan gefertigt. „Wir waren 1994 weltweit der erste Betrieb, der Mittelohrprothesen aus Titan herstellte“, erinnert sich die Firmenchefin – sämtliche Mitbewerber hätten seither nachgezogen, heute sei das „bestens verträgliche“ Titan mit seinen akustischen Qualitäten Standard in der Mittelohrchirurgie. „Wir haben den Markt vorangetrieben.“

Hochspezialisiert – eine Nische in der Nische

Was für ein Implantat nötig ist, können die Ärzte auf dem Röntgenbild nicht erkennen. Das zeigt sich erst bei der Operation. Weltweit haben Ärzte außerdem unterschiedliche Behandlungstechniken entwickelt. Im angelsächsischen Bereich werden beispielsweise Prothesen mit Bügel für den Hammergriff eingesetzt. Im Lauf der Zeit hat die Kurz GmbH deshalb 20 unterschiedliche Modelle für Ohr-Implantate entwickelt. „Wir sind hochspezialisiert auf das Mittelohr“, sagt Traute Kurz-Butzki. Das sei „eine Nische in der Nische“. Außerdem fertigt die Dußlinger Firma Prothesen für Stimmlippen im Kehlkopf und Implantate, welche die Nasenklappe stabilisieren – diese werden gegen Störungen beim Einatmen eingesetzt.

Anfangs lief der Handel über Mund-zu-Mund-Propaganda. 1990 erschien der erste Katalog, seither vertrieb Kurz seine Prothesen bundesweit. Heute ist das Unternehmen nach eigenen Angaben mit über 70 Prozent Marktanteil deutscher Marktführer für Mittelohrimplantate. Allmählich erschloss man den Weltmarkt. Heute exportiert Kurz in mehr als 50 Länder. Im Jahr 2000 hat das Unternehmen die US-Tochter Kurz Medial Inc. gegründet, die den nordamerikanischen Markt bedient. In Dußlingen hat die Kurz Medizintechnik-GmbH 24 Mitarbeiter. 2009 wird ein Umsatz von 3,5 Millionen Euro erwartet – trotz Wirtschaftskrise zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Und was sind die Geschäftsfelder der Zukunft? Vielleicht Ankopplungssysteme für implantierbare Hörgeräte – winzige Minicomputer mit Mikrofon und Prozessor, glaubt Entwicklungsleiter Uwe Steinhardt. Weil die Behandlungsmethoden immer besser werden, werde die Medizin künftig möglicherweise weniger Paukenröhrchen und Mittelohrimplantate brauchen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Preis für variables Implantat

Kürzlich wurde die Heinz Kurz GmbH Medizintechnik in Stuttgart von FDP-Wirtschaftsminister Ernst Pfister mit dem Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Mit vier weiteren Unternehmen erhielt das Dußlinger Unternehmen den Rudolf-Eberle-Preis, die Kurz GmbH bekam 7500 Euro Preisgeld. Prämiert wurden ein längenvariables Mittelohrimplantat und eine multifunktionale „Sizer-Disk“ aus Kunststoff, beides mit der Tübinger Universitäts-HNO-Klinik entwickelt. Das Titan-Implantat wiegt vier Milligramm. Mit der so genannten „Sizer-Disk“ kann man die Prothese während der Operation dem Bedarf des Patienten anpassen. Ein Mikromechanismus ermöglicht es den Chirurgen, die Titanprothese innerhalb der Kunststoffplatte unter dem Mikroskop zu ermitteln und mit chirurgischen Instrumenten auf die gewünschte Länge und Position zu fixieren.

Heinz Kurz GmbH Medizintechnik vertreibt ihre Implantate weltweit
Qualitätskontrolle: Steffi Gottschling prüft ein Prothese. Bild: Kurz

Heinz Kurz GmbH Medizintechnik vertreibt ihre Implantate weltweit
Die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss (von links) und Steigbügel (rechts) verbinden das Trommelfell mit dem Mittelohr. Hier eine Partial-Prothese . . .

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29.12.2009, 12:00 Uhr
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