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Reisen

„Heimaturlaub lohnt sich“

Baden-Württemberg investiert so viel in den Tourismus wie nie zuvor. Laut Minister Guido Wolf überzeugt das Land durch seine kulinarischen Erlebnisse.

14.01.2020

Von MELISSA SEITZ

Gastronomen tragen laut Wolf zur Attraktivität des Landes bei. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Stuttgart. Baden-Württemberg ist das Land der Sterne, das Land der Michelin-Sterne. 90 Stück verteilt in 77 Restaurants findet man im Ländle. Wer Qualität und Feinkost liebt, muss den Süden von Deutschland besuchen. Das findet zumindest Tourismusminister Guido Wolf. Als „Top-Adresse für Feinschmecker“ bezeichnet er Baden-Württemberg bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Tourismustages auf der CMT in Stuttgart. Boef de Hohenlohe, Schwarzwälder Weiderind und Grünkern – all diese Produkte kommen aus der Region. „Da läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen“, sagt Wolf und lacht.

Der Minister ist der festen Überzeugung: „Ohne gute Gastronomie gibt es keinen funktionierenden Tourismus.“ Deswegen hat das Land im aktuellen Doppelhaushalt die Fördermittel für das Tourismusmarketing um mehr als vier Millionen Euro auf jährlich rund zehn Millionen Euro erhöht. In dieser Legislaturperiode wurden zudem die jährlichen Mittel des Tourismusinfrastrukturprogramms verdoppelt: von fünf Millionen im Jahr 2016 auf zehn Millionen Euro jährlich ab 2020. Die Maßnahmen sollen auch dazu beitragen, gegen das Gaststättensterben anzukämpfen, so Wolf. Baden-Württemberg investiere so viel wie noch nie zuvor in den Tourismus.

Bis einschließlich November hatte das Land rund 53,5 Millionen Übernachtungen und rund 22 Millionen Ankünfte zu verzeichnen. „Das sind Steigerungen von 4,2 Prozent bei den Übernachtungen und 3,6 Prozent bei den Ankünften“, berichtet Wolf. Alles sieht danach aus, dass 2019 das neunte Rekordjahr in Folge für den Tourismus in Baden-Württemberg ist.

Die wilde Seite zeigen

Wer eine Auszeit braucht, muss nicht weit reisen, findet Wolf: „Heimaturlaub lohnt sich“, sagt er. Auf der Touristik-Messe CMT in Stuttgart präsentiert sich Baden-Württemberg unter dem Motto „Wilder Süden“. Laut Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW), kann man im Land Wildnis hautnah erleben und Outdoor-Trends nachgehen. So gibt es Rangertouren auf der Schwäbischen Alb, Rafting-Angebote im Schwarzwald oder die Möglichkeit im Bodensee zu tauchen.

Wer es weniger actionreich mag, kann – wie der TMBW-Chef sagt – die Natur erschmecken und ertrinken. Viele Gin-Anbieter aus der Region verwenden bei der Produktion Kräuter, die vor der Haustür wachsen. Wein soll nicht nur ein Genussprodukt sein, er soll zum Erlebnis werden. Braun spricht von Veranstaltungen, die Wein und Architektur verbinden, oder Tagungen in Weingütern.

Einige Regionen im Land wurden 2019 touristisch neu erschlossen. „Im vergangenen Jahr eröffnete im Allgäu die Ferienpark-Kette Center Parcs“, berichtet der Tourismusminister. Wolf schätzt, dass über eine Million von den 53,5 Millionen Übernachtungen im Jahr 2019 allein vom neu eröffneten Center Parc kommen. „Wo neue Beherbergungsbetriebe entstehen, steigen eben die Übernachtungen.“

Hat man denn keine Angst vor „Overtourism“, wie es zum Beispiel in Venedig der Fall ist? Schließlich vermarktet man das Land mehr und mehr als Reiseziel. „Wir wollen ja nicht nur die Besucherzahlen steigern, sondern auch auf Nachhaltigkeit achten“, versichert Wolf. Sollten sich Regionen in Baden-Württemberg immer mehr zum Besuchermagneten entwickeln, wolle man versuchen, Verkehrsströme umzuleiten und mit lokalen und temporären Maßnahmen zu reagieren.

Dass es so weit kommt, vermutet der Minister aber nicht: „Baden-Württemberg leidet nicht unter Overtourism.“ Außerdem setze man sich bei der Ausarbeitung eines Tourismuskonzeptes immer mit allen Akteuren an einen Tisch – auch mit den Bürgern. „Wir holen alle mit ins Boot“, sagt TMBW-Chef Braun. Die Chance, dass irgendwann die Bewohner einer Stadt wegen Touristenströmen auf die Barrikaden gehen, sei demnach gering.

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Erstellt:
14. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 06:00 Uhr

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