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Denkmal

Heimatbund verlangt Sanierung des Pirschgangs

Im Schönbuch zerfällt eine historische Jagdanlage. Vom Bund als Eigentümer gibt es immer noch keine Zusage für konservatorische Arbeiten.

23.11.2016

Von RAIMUND WEIBLE

Eine Besuchergruppe besichtigt die Laufgänge der Pirschanlage im Böblinger Stadtwald. Foto: Reinhard Wolf

Reinhard Wolf ist es leid. Lange Jahre hat er sich für den Schwäbischen Heimatbund dafür eingesetzt, dass der denkmalgeschützte Pirschgang im Böblinger Stadtwald konserviert und saniert wird. Doch nichts hat sich getan. Das macht Wolf zornig. Würde die historische Jagdanlage auf dem Boden eines Privatmanns oder einer Kommune liegen, wären längst behördliche Auflagen zumindest zur Sicherung des Bestands ergangen, eventuell auch Bußgeldbescheide, schimpft der Vizepräsident des Schwäbischen Albvereins und Ehrenmitglied des Schwäbischen Heimatbunds.

Anstalt kümmert sich zu wenig

Das Grundstück, auf dem dieses Kulturdenkmal „von besonderer Bedeutung“ liegt, gehört dem Bund. Zuständig dafür ist die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten in Bonn, kurz Bima. Und diese Anstalt „kümmert sich zu wenig darum“, sagt auch Erich Kläger, früherer Kulturamtsleiter der Stadt Böblingen.

Die Auskünfte des Bima-Pressesprechers Thorsten Grützner sind vage. Nach seinen Angaben hat die Bima einen Gutachter beauftragt, der die Notwendigkeit der Sanierung bestätigt hat. Doch erst müsse die Finanzierung gesichert werden. Diskutiert werde ein Finanzierungsmodell, „das die Interessen und Verantwortlichkeiten aller Beteiligten angemessen berücksichtigt“. Das Ergebnis der Gespräche zwischen dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Böblingen und der Bima bleibe abzuwarten, teilte Grützner mit.

Damit steht eine rasche Lösung weiterhin aus. Allerdings hegen Wolf und andere Streiter für das Denkmal die leise Hoffnung, in die Sache könnte durch Johannes Schmalzl Bewegung kommen. Der FDP-Mann, bis Mai Stuttgarter Regierungspräsident, ist als Ministerialdirektor ins Bundesfinanzministerium gewechselt, wo ihm die Bima untersteht.

Nachteilig ist für die Pirschgänge, dass sie nicht im Rampenlicht stehen Das Jagddenkmal liegt an einem verborgenen Ort auf dem Areal der US-amerikanischen Panzerkaserne. Das zur Böblinger Gemarkung zählende Gelände ist umzäunt, und vor einer Besichtigung muss die Genehmigung der Streitkräfte eingeholt werden. Immerhin erlauben sie Gruppenführungen zu dem Tunnelsystem, etwa am Tag des offenen Denkmals.

Die Röhren führten einst unterirdisch auf einer Länge von etwa 630 Metern bis zu einem Platz im Gewann Plan, einem Einstand von Rotwild. Aber nur auf wenigen Metern sind die alten Gewölbe noch erhalten. Sie sind eingestürzt, vermutlich dienten die Bauwerke der Bevölkerung auch als Steinbruch. Manche ehemaligen Gewölbe sind nur noch als Gräben erkennbar. Seit 1936 wird das Gelände vom Militär genutzt. Soldaten übten in den Gängen das Schanzen. Das Gelände blieb allerdings offen, und später entdeckten Motocross-Fahrer das Schönbuch-Terrain.

Das war in den 1960er Jahren. Damals erst wurde die Bedeutung der Anlage erkannt. Das Land stufte das Relikt herzoglicher Jagdkultur 1986 als Denkmal von besonderer Bedeutung ein, und das Landesdenkmalamt sicherte die Anlage notdürftig mit 80?000 Mark (rund 40?000 Euro), wie sich Kläger erinnert. Die Stützen modern inzwischen vor sich hin.

Zuflucht für Fledermäuse

Weil sich nichts tat, engagierte sich der Schwäbische Heimatbund für den Pirschgang. Er initiierte eine Spendenaktion, musste sie aber mangels Resonanz einstellen. Wolf findet, dass die Bima jetzt endlich ihrer Pflicht nachkommen müsse. Nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes sind die Eigentümer des Grundstücks, auf dem ein Kulturdenkmal steht, dazu angehalten, es im Rahmen des Zumutbaren zu konservieren und pfleglich zu behandeln.

An der Wiederherstellung der einstigen Gewölbe sind auch Naturschützer interessiert. Fledermäuse überwintern in den Gängen. Würden zusammengebrochene Gewölbe rekonstruiert, fänden noch mehr der geschützten Flattertiere Platz.

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Erstellt:
23. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. November 2016, 06:00 Uhr

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