Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Heilung nicht in Sicht
Prof. Frank Kirchhoff hat 2009 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis bekommen. Foto: Privat
Aidsforscher Frank Kirchhoff: Weniger als die Hälfte der Infizierten bekommt eine Therapie

Heilung nicht in Sicht

Das Humane Immunschwächevirus (HIV) muss dank wirksamer Medikamente nicht mehr zum Ausbruch von Aids führen. Doch vollständig eliminieren lässt sich das Virus nicht, sagt Aidsforscher Frank Kirchhoff.

01.12.2015
  • IRIS HUMPENÖDER

Herr Professor Kirchhoff, aus der HIV-Forschung kommen immer wieder vielversprechende Nachrichten. Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Infektion mit dem Humanen Immunschwächevirus heilbar wird?

FRANK KIRCHHOFF: Wenn man unter Heilung die komplette Eliminierung des HI-Virus versteht, bin ich momentan eher skeptisch. Das Virus kann seine Erbinformation in langlebige Zellen einschleusen und ist in dieser Form für das Immunsystem nicht erkennbar. Optimistisch bin ich allerdings, dass Medikamente in absehbarer Zeit nicht mehr täglich, sondern vielleicht alle paar Monate eingenommen werden müssen und ohne große Nebenwirkungen die Viruslast unterdrücken.

Aber die derzeitigen Medikamente haben doch auch zum Teil Nebenwirkungen?

KIRCHHOFF: Dies ist richtig. Allerdings gibt es mittlerweile mehr als 30 zugelassene Medikamente gegen HIV, die natürlich individuell wirken. Es müsste also sozusagen für jeden eine Kombination dabei sein, die relativ gut vertragen wird. Ein größeres Problem ist es, wenn jemand vielleicht aufgrund von Nebenwirkungen Medikamente nicht regelmäßig einnimmt und es dann zur Entwicklung von resistenten Viren kommt.

Sind HIV-Medikamente immer noch sehr teuer, so dass sie nur einem Teil der Betroffenen zugutekommen?

KIRCHHOFF: Die Kosten einiger Medikamente sind in den letzten Jahren besonders in den Entwicklungsländern deutlich gesunken. Aber es stimmt: Weltweit werden immer noch weniger als die Hälfte aller HIV-Infizierten medikamentös behandelt. Das reicht nicht aus - insbesondere, weil die Therapie auch die Ausbreitung von HIV verhindert.

In den 80er Jahren hieß es, in wenigen Jahren werde es einen Impfstoff geben. Den gibt es immer noch nicht. . .

KIRCHHOFF: Es gibt beeindruckende Ansätze bei der Entdeckung und Charakterisierung von so genannten breit neutralisierenden Antikörpern. Allerdings weiß man nicht, wie man diese zuverlässig durch Impfstoffe induzieren kann. Eine Alternative ist es, diese Antikörper durch andere Viren produzieren zu lassen. Aber es stimmt natürlich schon: Noch steht keine Impfung bereit.

Sie selbst forschen ja auch auf dem Gebiet HIV. Woran?

KIRCHHOFF: Unsere Projekte betreffen eher den Grundlagenbereich. Wir wollen herausfinden, in welchen Zellen sich die HI-Viren wie verstecken. Weiterhin arbeiten wir an neuen Ansätzen, um alle HIV-infizierten Zellen für Immunzellen sichtbar zu machen. In einem weiteren Projekt geht es um die Frage der sexuellen Übertragbarkeit. Wie können wir die verhindern? Auf Mikrobizide, die Viren abtöten können, hat man große Hoffnung gesetzt. Wir haben herausgefunden, dass diese in Gegenwart von Sperma nur schlecht funktionieren. Auch da ist somit weitere Forschung notwendig.

Zur Person Der renommierte Aidsforscher Prof. Frank Kirchhoff (54) leitet das Institut für Molekulare Virologie der Uni Ulm.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular