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Das TAGBLATT-Wahlpodium in Hirrlingen

Heiko Kübler und Christoph Wild wetteiferten um die Gunst der Hirrlinger Wahlberechtigten

In den meisten kommunalpolitischen Fragen offenbarten die beiden am Montagabend auf dem TAGBLATT-Wahlpodium sitzenden Kandidaten Heiko Kübler und Christoph Wild ähnliche Vorstellungen. Am kommenden Sonntag, 21. Februar, ist Wahl.

17.02.2016
  • Gert Fleischer

Hirrlingen. An die 600 Leute füllten die Eichenberghalle beim einzigen direkten Aufeinandertreffen in diesem großen Rahmen innerhalb des Hirrlinger Wahlkampfs um den Posten des Bürgermeisters. Hete Henning und Ulrich Eisele, Redakteure der „Rottenburger Post“, moderierten den Abend. Gar nicht so Wenigen verhalf der gut zweieinhalbstündige Gesprächsabend zur Entscheidung. Als Henning am Anfang fragte, wer schon wisse, wen er am kommenden Sonntag wähle, streckten 20 bis 25 Leute. Am Ende waren es deutlich mehr als 100.

Wild, 38 und CDU-Mitglied, sowie Kübler, 42, parteilos, aber CDU-nahe, stellten zunächst ihren Lebenlauf vor und gaben Auskunft über ihre Motive, weshalb sie in Hirrlingen Bürgermeister werden wollen. Beide sind Juristen, beide sind musikalisch. Wild hat sowohl beruflich als auch ehrenamtlich eine prägende kommunalpolitische Vergangenheit. „Die Aufgabe als Bürgermeister ist die vielfältigste, die die Kommunalverwaltung zu bieten hat. Als Durchgangsposition auf dem Weg zu höheren Weihen, wie Ulrich Eisele gefragt hatte, sehe er Hirrlingen nicht. In Städten gehe es arbeitsteiliger zu. Der Reiz einer kleinen Gemeinde sei es, als Bürgermeister umfassend gestalten zu können, „mal aktiv rauszugehen und ein Problem zu lösen“.

Kübler hat keine eigene kommunalpolitische Erfahrung, kennt das Metier aber von seinem Vater her. Er setzte deshalb stark auf die Qualifikation, die er sich in seiner Berufslaufbahn erworben habe: Er sei bestens vernetzt, wisse, wo er die richtigen Ansprechpartner finde, und er sehe sich als jemand, der verschiedene Interessen zusammenführe, der Interessen durchsetzen könne, der Brücken baue und schlichte.

Henning und Eisele hatten die beiden Kandidaten gebeten, einen Gegenstand mitzubringen, der Symbolkraft habe für sie und für das, was sie anstreben. Christoph Wild kam mit einer innenraumverträglichen, gleichwohl flammenzüngelnden Fackel. Seine künstlerisch veranlagte Lebensgefährtin habe sie ihm gebastelt. Die Fackel stehe symbolisch für Hirrlingen: „Hirrlingen leuchtet.“ Sie werde weitergereicht vom Vorgänger Manfred Hofelich, damit er, Wild, „zusammen mit einem hoch motivierten Beratungs- und Verwaltungsteam und mit dem Gemeinderat weitermache. Wild: „Ich bin auf jeden Fall Feuer und Flamme für Hirrlingen.“ Dafür gab‘s den ersten spontanen Beifall vom Publikum.

Heiko Kübler hielt eine Puppe hoch, eine von denen, die aussehen wie ein echtes Baby. Laura heißt die Puppe, und er hatte sie sich bei seiner Tochter Désirée ausgeliehen. Die Puppe stehe für Kindergarten, für Schule, für Eltern, die berufstätig sind und ihre Kinder betreut haben möchten – mit anderen Worten: für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dass dies auch in Hirrlingen möglich ist, dafür wolle er als Bürgermeister sorgen. Die Puppe stehe aber auch für das Hineinwachsen ins weitere Leben, also für Ausbildungsplätze, Beschäftigung, für einen passenden Verein und, wenn Laura mal Falten bekommt, die Sicherstellung von Hilfe für Senioren. Kübler: „Das sind die Themen, die ich gern für Sie bearbeiten möchte.“

Welche Strategie haben die Kandidaten für die Ausweisung neuen Baulands, wollte Henning wissen. „Wenn wir Hirrlingen attraktiv halten wollen“, antwortete Kübler, „müssen wir Wohnraum schaffen.“ Das sei nur möglich, wenn die Gemeinde Baugrund zur Verfügung stelle. „Aber es darf keinesfalls so sein, dass die Gemeinde in Vorleistung geht und Geld verbuddelt, ohne dass eine entsprechende Nachfrage da ist.“

Wild gab Kübler „prinzipiell recht“. Die Gemeinde habe eine sehr gute Infrastruktur und eine gute Nahversorgung. Um diesen Stand zu halten, bedürfe es eines gewissen Wachstums. Viel Bedarf an Bauplätzen komme aus dem Ort selbst und von Leuten, die zurückziehen nach Hirrlingen. Das Thema Flächenverbrauch müsse ein Bürgermeister stets im Auge behalten.

Das Gewerbegebiet hält Wild derzeit für ausreichend, langfristig werde es jedoch eng. Allerdings gebe es einengende regionalplanerische Vorgaben. Hirrlingen liege nicht an einer bedeutenden Verkehrsachse, und Kleinzentrum sei das Dorf leider auch nicht geworden. Auch Kübler sagte, es gebe noch Gewerbegrundstücke, auch, weil sich die Gemeinde bei der Vergabe zurückgehalten habe – was er nachvollziehen könne. Er sprach sich für „ein solides Wachstum“ aus, das Arbeitsplätze bringe. Kübler: „Es fahren vier Mal so viel Leute raus zum Arbeiten wie reinkommen.“ Er wolle seine Beziehungen über den Mittelstandsbeirat für die Wirtschaftsförderung nutzen, „um alle Fördertöpfe anzuknabbern“.

Zur Ergänzung des Öffentlichen Nahverkehrs denkt Kübler an ein Bürgerauto nach dem Vorbild Oberreichenbachs. Dort ist es ein Elek tro-Auto. 20 bis 30 Ehrenamtliche machen den Fahrdienst, bis zu drei Euro kostet eine Fahrt. Wild sagte, da gebe es bereits bewährte Modelle, etwa in Kusterdingen. Nötig wäre so etwas, und sei es nur, um in den Supermarkt am Ortsrand zu gelangen. Er könne sich vorstellen, dass Sponsoren die Finanzierung für solch ein Bürgerauto übernehmen.

Beide Kandidaten bekannten sich zu solider Finanzpolitik. Der Bürgermeister schlage vor, sagte Kübler, der Gemeinderat entscheide. Er sei einer, der Geld sinnvoll angelegt haben will. Wild formulierte als seine Leitlinie: „Wie halte ich die Substanz zusammen – Finanzen sind für mich die Basis von allem“. Kübler wiederholte, er wolle sein Netzwerk nutzen, „um an Fördermittel zu kommen, die bisher nicht bekannt waren“. Das kommentierte sein Kontrahent so: „Das ist ja klar: Die optimale Generierung von Mitteln ist Ziel von Jedem.“

Fast überschwänglich lobten Wild und Kübler die Gemeinschaftsschule Rangendingen-Hirrlingen, obwohl, wie Ulrich Eisele anmerkte, die CDU „nicht so Freund von Gemeinschaftsschule“ sei. Wild will es „pragmatisch sehen“. Wichtig sei für ihn, „dass die Freiwilligkeit gewährleistet ist“. Hirrlingen habe „absolut richtig“ entschieden und somit die Gemeinde als Schulstandort erhalten. Die Schule erfreue sich „größter Beliebtheit“, und er werde sie, falls er Bürgermeister würde, „nach Kräften fördern“.

Kübler berichtete, er habe sich das Modell in der Schule direkt erklären lassen. „Das hat mich überzeugt; die Gemeinschaftsschule ist in Hirrlingen angekommen. Die Akzeptanz ist hier höher als sonst in der Gesellschaft.“ Kübler spendete „ein ganz großes Lob an die, die es geschafft haben, dicke Bretter zu bohren“.

80 Wähler hat Hirrlingen, die zwischen 16 und 18 Jahren alt sind, sagte Hete Henning. „Was versprechen Sie denen?“  Heiko Kübler lobte zunächst die Vereinsstruktur im Ort. Wer als Jugendlicher nicht in einem Verein sei, sei fast schon ein Außenseiter. Bei seinen Gesprächen mit Jugendraum und Jugendbüro habe er gehört, dass dort in der Vergangenheit nicht abgefragt worden sei, welche Bedürfnisse bestehen. Das würde er ändern und gemeinsam mit den Betroffenen etwas entwickeln. Christoph Wild äußerte sich beeindruckt, wie gut das Vereinswesen, aber auch der Jugendraum aufgestellt seien. Der Jugendraum habe bei ihm „einen starken Eindruck hinterlassen“.

Wild sprach sich dafür aus, über die Bushaltestellen hinaus weitere Einrichtungen barrierefrei zu gestalten. Er könne sich auch Inklusion im Altenheim vorstellen. Kübler stimmte dem zu, regte zudem Ortsrundgänge an, bei denen die Verwaltung auf Nachteile für Menschen mit Behinderung aufmerksam gemacht wird.

Für den Kreistag würden sich beide Kandidaten bewerben, aber erst, wenn Manfred Hofelich dort nicht mehr die Interessen Hirrlingens vertritt. Wild würde auf der CDU-Liste antreten, Kübler „wahrscheinlich“ für die Freien Wähler.

Nach einer Pause in der Eichenberghalle kamen die Hirrlinger/innen an die Reihe mit ihren Fragen. Zum Teil waren sie so speziell, dass beide Kandidaten mangels Detailkenntnis auf eine konkrete Antwort verzichten mussten. Weniger schwierig war die Frage nach der Konfession. Christoph Wild ist katholisch, war Ministrant und Oberministrant. Kübler würde es machen wie es Manfred Hofelich 32 Jahre tat: sich als Evangelischer in die mehrheitlich katholische Gemeinde integrieren. Gerüchten, er sei gar nicht evangelisch, erwiderte Kübler gestern auf TAGBLATT-Anfrage: „Ich bin evangelisch getauft, habe in einer evangelischen Kirche geheiratet getraut und werde wahrscheinlich auch mal evangelisch beerdigt.“

Diplomatisch reagierten Wild und Kübler auf Adalbert Biesingers Frage, ob sie als Bürgermeister für den Fußballclub einen Allwetterplatz bauen würden. Den Wunsch würden sie unterstützen, aber vorab keine feste Zusage geben. Auf Versprechungen, die sie nicht einhalten können, verzichteten sie auch bei Fragen nach Firmen- oder Geschäftsansiedlungen, schon weil dabei zu viele externe Einflüsse mitspielen.

Schwierig war Martin Mischnicks Frage an die beiden Bewerber. Er wollte wissen, ob sie ein Stück Natur opfern für eine Privatstraße, um die Hirrlinger Ortsdurchfahrt von den Lastwagen des Schotterwerks in Frommenhausen zu entlasten. Es gelte, sagte Wild dazu, in einem transparenten Verfahren die Interessen Hirrlingens zu vertreten, aber auch den Naturschutz und die Naherholung zu berücksichtigen. Heiko Kübler will Brücken bauen zwischen den Vertretern der unterschiedlichen Interessen und empfahl: „Schwätzet net übereinander, schwätzet miteinander.“

Karin Wellhäußer-Zug wollte wissen, wie die beiden mit Flüchtlingen umgehen würden: „Halten Sie es mit Ihrem Kollegen Palmer in Tübingen, der meiner Meinung nach Angst schürt, oder mit dem Kollegen Neher in Rottenburg, der unspektakulär die Probleme löst?“ Wild hat als Ordnungsamtsleiter in Trossingen konkrete Erfahrung mit der Anschlussunterbringung von Asylbewerbern. „Wichtig ist mir“, sagte er, „dass die Menschen, die in Hirrlingen ankommen, auch menschlich behandelt werden.“ Er setze aufs Ehrenamt. Zu entscheiden habe Hirrlingen als kleine Gemeinde nicht viel. Wenn es Ängste in der Bevölkerung gebe, wolle er sie aufnehmen und mit den Leuten reden.

„Flüchtlingspolitik wird nicht im Hirrlinger Rathaus gemacht“, sagte Kübler. Er setze auf „Integration durch Information“. Die Bevölkerung sei verunsichert, „weil der rote Faden fehlt“. In dieser Situation würden Gerüchte in die Welt gesetzt. Für ihn sei es das Wichtigste deshalb, Ängste abzubauen – dann gelingt auch die Integration“.

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17.02.2016, 01:00 Uhr
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