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Picassos Psychogramm auf Bütten

Heidenheimer Kunstmuseum zeigt bis Januar die "Suite Vollard"

Im Kunstmuseum Heidenheim ist jetzt Pablo Picassos grafisches Meisterwerk, die "Suite Vollard", zu sehen. Ein unübertrefflicher Hochgenuss.

07.10.2015

Von BURKHARD MEIER-GROLMAN

Heidenheim Nein, das ist keine gewöhnliche Selbstbefragung, hier kümmert sich eine Künstlerpersönlichkeit um ihr eigenes Psychogramm. Klar, dass das etwas anders ausfällt als bei Otto Normalverbraucher. Der Mann, der sich im Kunstmuseum Heidenheim den Spiegel vorhält und in seinem Inneren nach akzeptablen und weniger akzeptablen Eigenschaften sucht, ist kein geringerer als der immer wieder und nicht zu Unrecht als Jahrhundertgenie gepriesene Wahlfranzose Pablo Picasso. Der hat seinem Galeristen Ambroise Vollard nach sieben Jahren Selbsterforschung zwischen 1930 und 1937 keinen Leitzordner mit akademisch formulierten Diagnoseblättern auf den Schreibtisch gelegt. Sondern seine eigene Persönlichkeitsstruktur in einem einzigartigen Radier-Zyklus, der "Suite Vollard", auf 100 Bogen hochwertig handgeschöpften Büttenpapiers skizziert. Picassos Alter Ego geht darin nicht in 30er-Jahre-Kluft in sein Pariser Atelier, der Künstler bevorzugt ein Ambiente, das aus der Götter-und Mythenwelt der Antike gespeist wird. Des Malers damalige Geliebte Marie-Therese Walter erscheint auf den Blättern meist äußerst knapp bekleidet mit einem Blumenkranz im Haar. Auch der Bildhauer und Maler selbst scheint dem Nudismus zu huldigen. Beide lagern unter römischen Säulen und lustwandeln in bukolischen Gefilden. Aber darum geht es Picasso nicht. Er überprüft seine eigene Befindlichkeit, will wissen, ob sein Gegenüber ihm gleichwertige Partnerin ist, ob sie ihm Modell, Muse oder mehr ist, ob er seinen Sexualtrieb unter Kontrolle hat, ob er väterlicher Freund, zärtlicher Liebhaber ist, oder sich als brutales Zwitterwesen Minotaurus nimmt, was ihm nicht zusteht.

In Picassos meisterhaft gestrichelten antiken Erzählungen kommt vor allem der Liebeskampf, der Geschlechterkampf aufs Tapet. Dazu wird die Rolle des Künstlers durchdekliniert. Picasso bringt sogar Meisterradierer Rembrandt in die Suite Vollard, um aufzuzeigen, dass andere berühmte und bewunderte Zeichner und Maler ähnlich ticken wie er.

Für diese 100 exquisiten Leckerbissen im Heidenheimer Kunstmuseum muss man sich Zeit nehmen, man muss sie studieren, um in den vollen Kunst-Genuss zu kommen.

Den idealen Einstieg in diese Schau hat der Steinheimer Künstler Albrecht Briz abgeliefert: Er klaubte die Hauptmotive dieser Bilderfolge heraus und fasste sie via Computer in einer Großcollage zusammen. So steht der Besucher nun Picassos gesamtem Bildpersonal vom Maler und Modell bis zum Minotaurus auf Augenhöhe gegenüber. Eine Hommage, die das Museum nach Ausstellungsende wetterfest machen und draußen auf Dauer als perfekte Werbetafel für die Heidenheimer Picasso-Sammlung anbringen sollte.

Info Pablo Picassos "Suite Vollard" bis 10. Januar im Kunstmuseum Heidenheim, Marienstraße 4: Di-So 11-17 Uhr, Mi 13-19 Uhr; http://www.kunstmuseum-heidenheim.de

Der Steinheimer Künstler Albrecht Briz schuf eine Großcollage zu Picassos "Suite Vollard" im Kunstmuseum Heidenheim. Foto: Gerda Meier-Grolman

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Erstellt:
7. Oktober 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Oktober 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2015, 12:00 Uhr

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