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Unis liefern sich einen Wettkampf

Heidelberg und Tübingen streichen ihre Eignung als Standort für Imam-Ausbildung heraus

Heidelberg und Tübingen konkurrieren um ein Ausbildungszentrum für Imame und islamische Religionspädagogen. "Das beste Konzept soll sich durchsetzen", gibt sich der Tübinger Rektor Bernd Engler sportlich.

25.02.2010

Von RAIMUND WEIBLE

Tübingen Die Chancen, dass Baden-Württemberg ein Zentrum zur Ausbildung von islamischen Vorbetern (Imamen) und islamischen Religionspädagogen erhält, stehen gut. Wo aber soll es entstehen? Zwei Universitäten sehen sich gut gerüstet, die Aufgabe zu übernehmen: Heidelberg und Tübingen wetteifern miteinander. Beide Unis arbeiten an Konzepten, um den Zuschlag zu erhalten. "Wir wollen, dass sich das beste Konzept durchsetzt", sagt der Tübinger Rektor Bernd Engler.

Der Amerikanistik-Professor beruft sich auf die große Tradition der Eberhardo Carolina in den Islamwissenschaften und in der Orientalistik. In den beiden großen christlichen Theologiefakultäten sitzen ebenfalls ausgewiesene Fachleute, die gute Kontakte unterhalten mit islamischen Fakultäten von Hochschulen islamgeprägter Länder wie Bosnien-Herzegowina und der Türkei. Engler schützt jedoch vor: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die beiden großen Kirchen sich in das Islam-Zentrum einmischen." Tübingen verfügt außerdem über das Institut für Ökumenische Forschung. Das schon 1964 von Hans Küng gegründete Institut pflegt eine ökumenische Theologie, die auch auf andere als christliche Religionen gerichtet ist. Dazu kommt Hans Küngs Weltethos-Stiftung, welche die gemeinsamen Grundlagen der Religionen betont.

Die genauso traditionsreiche Universität Heidelberg stützt sich ebenfalls auf ein breites wissenschaftliches Umfeld, das eine gute Voraussetzung für den Standort eines islamisch-theologisches Zentrum sein kann. Zu diesem Umfeld zählen eine große Evangelisch-Theologische Fakultät, religionswissenschaftliche Lehrstühle, das Südasien- und Ostasienzentrum und Fachbereiche mit Ethnologen und Orientalisten. Außerdem besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule für jüdische Studien.

Was die Universität Heidelberg besonders herausstreicht, ist die Nähe zu Mannheim - die Stadt liegt nur 20 Kilometer entfernt. Neun Prozent der Mannheimer Stadtbevölkerung sind muslimischen Glaubens. Als Standort eines islamkundlichen Zentrums könnte Heidelberg damit auch noch eine seelsorgerische Komponente andienen. "Wir sind ein Ort, der sehr viel Sinn machen würde", sagte eine Sprecherin der Universität.

Ein Islam-Zentrum ist nicht so einfach aus dem Boden zu stampfen. Mit drei bis vier Jahren Vorbereitung wird gerechnet. In Tübingen will die Universität einen Beirat bilden, der den Aufbauprozess steuert. In den Beirat sollen auch Würdenträger aus der islamischen Welt eingebunden werden. "Es geht uns wesentlich darum, Vertrauen zu schaffen", sagt der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, der Kirchenrechtler Richard Puza.

Der Betrieb eines islamischen Zentrum birgt auch das Risiko von Konflikten. Geklärt werden muss, wie weit der Einfluss islamischer Verbände und Religionsgruppen gehen darf. Die Gefahr besteht, zwischen die Mühlen konkurrierender Islam-Richtungen zu geraten. Viel hängt davon ab, wie gut Sunniten und Schiiten unter dem Dach einer staatlichen Hochschule miteinander auskommen.

Laut Rektor Engler gibt es für ein Islamisches Forschungs- und Ausbildungszentrum mittelfristig einen Bedarf von mindestens fünf Professuren. Sehr früh müsse man auch daran denken, eine ordentliche Graduiertenausbildung anzubieten.

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Erstellt:
25. Februar 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Februar 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2010, 12:00 Uhr

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