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Hebammen verzweifelt gesucht
Bundesweit, aber auch im Südwesten fehlen Hebammen. Viele Krankenhäuser beklagen eine akute Personalnot. Foto: dpa
Wegen akuter Personalnot müssen immer mehr Kreißsäle schließen - Jedes fünfte Krankenhaus hat Probleme

Hebammen verzweifelt gesucht

Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch aus Personalnot: In vielen Kreißsälen im Land fehlen Hebammen. Jedes fünfte Krankenhaus bundesweit hat Probleme, Stellen zu besetzen.

14.12.2015
  • SANDRA CARTOLANO, DPA

Bühl. Die Wahl der passenden Entbindungsklinik ist vielen werdenden Eltern sehr wichtig. Und dann das: Der ausgewählte Kreißsaal hat geschlossen. Sylt im Norden, Oschatz im Osten oder Trier im Westen - fast überall in Deutschland machen Geburtsstationen dicht. Immer häufiger fehlt es an Fachpersonal. So wie jetzt in Bühl südlich von Karlsruhe: Seit Samstag ist dort für einen Monat der Kreißsaal geschlossen, weil es nicht genug Hebammen gibt.

Nach Zahlen des Deutschen Krankenhausinstituts hat bundesweit jedes fünfte Krankenhaus Probleme, festangestellte Hebammen zu finden. Viele von ihnen fühlen sich dem steigenden Druck nicht mehr gewachsen und befürchten, bei der Betreuung von bis zu sechs Geburten gleichzeitig folgenschwere Fehler zu machen. Die Krankenkassen winken jedoch ab: Es gebe genug Hebammen, heißt es. Für Schlagzeilen sorgten in letzter Zeit vor allem freiberufliche Hebammen, die wegen drastisch gestiegener Versicherungskosten vor dem Aus standen.

Sie hätte damit gerechnet, dass sich die Spezialistinnen von Kliniken anstellen lassen, aber nicht, dass sie den Beruf aufgeben, sagte eine Sprecherin der Krankenhausgesellschaft Baden-Württemberg. Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat keine Begründung für den Mangel an Klinikhebammen. "Das kann man nicht schlüssig erklären", meint ein Sprecher. Doch Festanstellungen in Krankenhäusern seien keine echte Alternative, kritisiert die Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg, Jutta Eichenauer.

Überstunden und Dauerstress sorgten bei vielen Klinikhebammen für Burnout und andere Krankheiten, die auf Überlastung zurückzuführen seien. Personalknappheit und gestiegene Anforderungen machten es ihnen fast unmöglich, Geburten noch sicher zu begleiten.

Eine Sprecherin des Bundeshebammenverbands berichtet, dass im Extremfall eine Hebamme für sechs Geburten gleichzeitig zuständig ist. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hält es für bedenklich, wenn Hebammen zu viele Geburten gleichzeitig betreuen müssen. Denkbar sei etwa, dass eine Sauerstoffunterversorgung des Kindes während der Geburt nicht rechtzeitig erkannt werde, sagte ein Sprecher.

Die AOK widerspricht: Laut den bundesweiten Daten für Entbindungen aus dem Jahr 2013 sei bei so ziemlich allen der rund 671 000 Geburten eine Hebamme zugegen gewesen, sagte ein Sprecher. Zwar könne es in Einzelfällen Unterbesetzungen geben, zumindest in Baden-Württemberg seien der AOK aber keine Beschwerden bekannt.

Ihm sei nicht bekannt, dass Personalnot die Qualität der Geburtshilfe mindere, sagte auch ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

In Bühl und Umgebung reagierten werdende Eltern nach Angaben der Kliniksprecherin gelassen auf die Kreißsaal-Schließung: Zehn Frauen hätten sich von Mitte Dezember bis Mitte Januar zur Geburt angemeldet. Sie müssen nun auf die beiden Krankenhäuser mit Geburtsstationen im Umkreis von 24 Kilometern ausweichen.

In weniger dicht besiedelten Regionen müssen werdende Eltern jedoch oft lange Wege zum nächsten Kreißsaal in Kauf nehmen. Gerade für kleinere Standorte auf dem Land sei es schwer, motivierte Hebammen zu finden, sagt Pflegedirektorin Elisabeth Born, die beim Klinikum Mittelbaden für die Häuser Baden-Baden und Bühl zuständig ist. Eichenauer berichtet von Kliniken, die sich wutentbrannt an ihren Verband wenden, weil sie keine Hebammen finden. "Ich kann nur sagen: Verbessern Sie die Arbeitsbedingungen", sagt sie. Dazu gehöre eine bessere Bezahlung - momentan verdienten die Frauen gerade mal etwas mehr als den Mindestlohn.

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14.12.2015, 08:30 Uhr
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