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„Hass ist keine Meinung“
Kommentare-Kommentier-Show: Marcel Roth, Lena Schwelling (rechts) und Leonie Wolf. Foto: Sreenshot
Grüne Jugend kämpft gegen Verrohung der Sprache im Netz – Oft Zielscheibe von Bedrohungen

„Hass ist keine Meinung“

Von Beleidigungen bis Morddrohungen: Die Grüne Jugend wird in sozialen Medien regelmäßig mit Hasskommentaren konfrontiert. Wie geht man damit um?

26.08.2016
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. „Liebe Freunde des Gutmenschentums“, begrüßt Marcel Roth die Zuschauer auf der Facebook-Seite der Grünen Jugend Baden-Württemberg mit ironischem Unterton. Über ihm baumelt ein Herz, auf dem „Mehr Liebe“ steht; in Händen hält er Zettel mit Botschaften, die vom Gegenteil zeugen: der Zunahme von Hass im Netz.

„Was ist das denn? Dauerjahrmarkt für Opfer der natürlichen Selektion? Erschießt, vergewaltigt und erhängt euch, falls ihr das hinkriegt. In dieser Reihenfolge“, liest Roth einen der Kommentare vor, mit denen die Grüne Jugend (GJ) in den sozialen Medien regelmäßig vollgekübelt wird. Die GJ-Landessprecherinnen Lena Schwelling und Leonie Wolf sind mit im Bild, und kommentieren in der Live-Sendung Hassbotschaften aus dem Netz. Schwelling zieht sich mal einen Eimer über den Kopf, um so den Online-Kommentar „Du Gesichtseimer“ zu karikieren.

Mit ihrer Kommentare-Kommentier-Show, Motto: „Hass ist keine Meinung“, wollen die ehrenamtlich tätigen Nachwuchspolitiker auf etwas aufmerksam machen, das sie immer mehr beschäftigt: das Phänomen, dass sich im Netz eine wachsende Anzahl gar nicht erst argumentativ mit anderen politischen Meinungen auseinandersetzt. Stattdessen wird der Gegner verbal herabgesetzt – oder ihm sogar das Lebensrecht abgesprochen.

„Hassbotschaften sind inzwischen fast alltäglich und gehen oft sehr ins Persönliche. Die Absender scheuen sich nicht, ihre Klarnamen zu nennen“, sagt Schwelling. „Oft sind das Leute, die öfter auf unsere Seite kommen und offenbar gezielt Dinge suchen, über die sie sich aufregen können“, erzählt Wolf. Vor zwei, drei Jahren habe es das so nicht gegeben.

Inzwischen ist die Grüne Jugend im Netz auch aktiver – und bietet so mehr Angriffsfläche. Mitunter ohne eigenes Zutun: Als die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz forderte, bei Spielen der Fußball-EM auf deutsche Fahnen zu verzichten, ging der folgende „Shitstorm“ auch auf die Baden-Württemberger nieder. Bei den Grünen habe sich offenbar „der Bodensatz der Zivilisation angesammelt: Pädophile, Junkies, Stricher, Geschlechtsfreaks, Inzestpropagandisten, Abzocker, pathologische Deutschlandhasser“, steht in einem Post. Schwelling sagt, in den meisten Fällen versuche sie, zu antworten, etwas dagegenzusetzen. „Auch im Netz gilt es, Zivilcourage zu zeigen.“ Sie könnten damit umgehen, ergänzt Wolf, aber die Hetze richte sich ja auch gegen Minderheiten, die darauf nicht vorbereitet seien. Wenn man den Pöblern die Kommentierung überlasse, fühlten sich die nur bestätigt – zugleich werde die schweigende Mehrheit abgeschreckt.

Trotz Bereitschaft zur gepflegten Gegenrede – manchmal sind die Nachwuchspolitiker machtlos. Im Landtagswahlkampf war ein GJ-Youtube-Video auf einschlägigen rechten Seiten im Netz geteilt worden. Am Ende musste Marcel Roth die Kommentarfunktion sperren. Besonders krasse Fälle wie Mordaufrufe bringt die GJ zur Anzeige – und hofft, dass die Behörden in Zukunft rascher reagieren. „Wir brauchen bessere und schnellere Möglichkeiten der Strafverfolgung. Da gibt es bei Polizei und Justiz noch Nachholbedarf“, sagt Schwelling. „Das Netz ist ein schnelles Medium, Lerneffekte gibt es da nur bei einer schnellen Reaktion.“

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26.08.2016, 06:00 Uhr
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