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Leitartikel · Autobranche

Harte Zeiten

Was des einen Freud' ist des anderen Leid': Während sich US-Kinostar Leonardo DiCaprio Filmrechte an dem Abgas-Skandal von Volkswagen sichert, zittert hierzulande die Autoindustrie vor den Folgen des millionenfachen Betrugs. Dunkle Wolken scheinen von Wolfsburg aus übers Land zu ziehen.

28.10.2015
  • Von Thomas Veitinger SWP

Erste Zulieferer spüren bereits die Auswirkungen von Einsparungen und verringerter Produktion und schlagen Alarm. VW will allem Anschein nach drei Milliarden Euro weniger zahlen an die Hersteller von Filtern, Elektronik, Ventilen und den vielen anderen Teilen, die ein Auto heute ausmachen. Politiker, Analysten und Wirtschaftswissenschaftler sehen Verderben und Not auf Fahrzeugunternehmen, ja, auf ganz Deutschland zukommen. Wird die VW-Krise das wirtschaftliche Standbein Autobranche wegtreten und so Made in Germany in den Dreck stoßen?

Nein. Die Autoindustrie ist zwar für jeden sechsten Job zwischen Flensburg und Oberstdorf verantwortlich und die Manipulation setzt ihrer Reputation zu. Aber es ist nur die Diesel-Technologie betroffen, der Skandal scheint bislang auf VW begrenzt zu sein. Die Wirtschaft wird nicht darunter leiden, der Ifo-Geschäftsklimaindex etwa ist nicht eingebrochen. Gleichzeitig bietet die Krise sogar Chancen.

Schon heute gilt: hart, härter, Autoindustrie. Die vielen tausend vor allem kleineren und mittelständischen Zulieferer werden regelmäßigen Spardiktaten durch ihre großen Auftraggeber unterzogen. Bevor BMW, Daimler, VW und Co. an der Entwicklung oder im eigenen Unternehmen sparen, setzen sie den Rotstift bei den Schwachen an, die sich nicht wehren können oder wollen, weil sie sich um ihre Zukunft sorgen. Braucht ein Autobauer georderte Teile nicht, bezahlt er sie oft nicht. Neuverhandlungen sind schwierig. Hersteller wollen lieber größere Partner, die ihnen gesamte Baugruppen und Service liefern. Schon bislang galt: Autobauer verdienen prächtig, kleine Zulieferer haben zu kämpfen. Für manche kleinere Unternehmen könnte jetzt das Totenglöckchen läuten, vor allem wenn sie sich in hohem Maße von VW abhängig gemacht haben.

Doch vor allem mittlere und größere Zulieferer sind nur wenig von VW abhängig. Sie können jetzt mit anderen Antriebsarten punkten, bei denen sie etwas zu bieten haben, wie der Batterietechnik. Ironischerweise liegt selbst im Diesel Potenzial: Die Möglichkeiten für einen saubereren Diesel sind da, in Zukunft werden sie wohl auch von Autoherstellern eingesetzt - negative Schlagzeilen will niemand mehr erleben. Neue Diesel-Motoren erfüllen selbst bei VW die Euro-6-Norm. Außerdem könnte die Politik bald Hintertürchen für Tricks verschließen, indem sie endlich reale Abgas- und Verbrauchstests vorschreibt.

Beim Käufer dürfte der Diesel-Motor nach wie vor beliebt sein. Denn an seinen Vorteilen hat sich nichts geändert: Er verbraucht weniger Treibstoff als ein Otto-Motor, stößt dadurch weniger Kohlendioxid aus und ist spritziger. Vor allem ist Diesel an der Tankstelle günstiger - wohl das Hauptargument.

Zwei Voraussetzungen sind allerdings nötig, damit der VW-Skandal die Branche - bis auf kleinere Zulieferer - nicht allzu sehr in wirtschaftliche Nöte stürzt: Dass nur VW betrogen hat und die Folgen nun professionell abwickelt, etwa durch ein Eintauschprogramm für betroffene Kunden. Und: Der Wolfsburger Konzern gerät nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten und muss massenhaft entlassen oder Marken verkaufen. Dann könnte die Autoindustrie mit einem blauen Auge davonkommen - wieder einmal.

Harte Zeiten

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28.10.2015, 12:00 Uhr
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