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Harry Ruf hat die "freistehende Gehstütze" erfunden - nicht seine erste erfolgreiche Tüftelei
Der Dormettinger Daniel Düsentrieb

Harry Ruf hat die "freistehende Gehstütze" erfunden - nicht seine erste erfolgreiche Tüftelei

Manchmal braucht es Kleinigkeiten, die das Leben einfacher machen. Harry Ruf aus dem Zollernalbkreis weiß das. Deshalb hat er die Gehstütze praxistauglicher gestaltet. Nicht seine erste erfolgreiche Tüftelei.

08.12.2015
  • DANIEL SEEBURGER

Dormettingen. "Freistehende Unterarmgehstütze", dieses Begriffsmonstrum umschreibt, was Harry Ruf (51) entwickelt hat. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, darf gern auch "Krücke" oder "Gehhilfe" sagen. Betroffene haben ihre liebe Not mit den beiden Stützen, die zwar Stabilität verleihen, aber ansonsten immer im Weg rumliegen. Das eigentliche Problem der Krücken beginnt, wenn man gemütlich im Sessel oder auf dem Stuhl sitzt: Sie lassen sich nicht richtig ablegen, sind immer im Weg, rutschen ab - und krachen auf den Boden. Spätestens dann hat man ein Problem.

Rufs Schwager hatte dieses Problem, denn er war für einige Zeit auf Gehhilfen angewiesen. "Mach dir doch mal Gedanken darüber, ob sich da nicht irgendetwas verbessern lässt", sagte er zu Ruf - wohl wissend, dass dieser ein Tüftler und Denker ist. Der 51-Jährige aus Dormettingen im Zollernalbkreis zog sich in seine Kellerwerkstatt zurück und grübelte, entwarf, probierte. So kam ihm eine verblüffend simple Idee: Er befestigte je einen Magneten an den beiden Krücken. Stellt man die eine auf den Kopf, bildet die Armstütze der einen und der Fuß der anderen eine "Dreipunktauflage", also eine Stellfläche. Durch die Magnete bleiben die Krücken aneinander haften. Sie können problemlos abgestellt werden, sogar bei leichtem Gefälle.

"Mein Schwager war Testläufer", sagt Ruf. Und der war zufrieden. Die Vorteile der Erfindung sind klar: Die "freistehende Unterarmgehstütze" lässt sich einfach und platzsparend abstellen und bleibt stets griffbereit. Der Nutzer ist nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen. Und niemand stolpert mehr über schrägstehende Krücken.

"Wieso ist da noch keiner draufgekommen", fragte sich der Dormettinger Daniel Düsentrieb. Das Steinbeis-Transferzentrum in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) war von der Erfindung begeistert. Mit Vertretern des Zentrums besuchte Ruf im Oktober die IENA-Messe in Nürnberg. Dort präsentierte er seine Idee Firmen und Betroffenen. "Die Menschen suchen nach Lösungen", sagt Ruf. Auch Ärzte, Fachleute und Physiotherapeuten seien verblüfft gewesen. Die Fachjury auf der IENA zeichnete Rufs Idee mit einer Bronzemedaille aus. Jetzt will er in die Produktion einsteigen. Einen Lieferanten für die Gehhilfen hat der 51-Jährige schon, die Endproduktion findet in Dormettingen statt.

Die Krücke ist nicht die erste erfolgreiche Erfindung des Tüftlers. Wenn der gelernte CNC-Programmierer Feierabend hat, verschwindet er oft im Keller und werkelt. Ruf ist der Inbegriff eines schwäbischen Tüftlers, wenn auch nicht jede Idee zündet. "Ich habe schon viel begonnen, was nachher dann doch nichts geworden ist", sagt er und schmunzelt.

Einiges aber ist von bleibendem Wert. Seine Schlauchführung für Gartenschläuche und Kabeltrommeln etwa. Das Schlauchgewirr beim Rasensprengen hat ihn genervt, so begann Ruf zu grübeln. Heraus kam eine Erfindung, die er zum Patent angemeldet hat. Der Gartengerätehersteller Gardena zeigte Interesse und hat einen Teil seiner Schlauchtrommeln mit der Ruf schen Erfindung ausgestattet. Erfolgreich ist auch Rufs An- und Ausziehhilfe für Kompressionsstrümpfe, die gerade ältere Menschen entlastet. Auch diese Erfindung wird zwischenzeitlich von einem Unternehmen vermarktet.

Weniger Erfolg hatte der Dormettinger mit seinen Schraubenmuttern mit wechselbaren Sicherungsring. Und das, obwohl die Erfindung gerade bei großen Muttern viel Geld sparen könnte. Bisher ist die Schraube nach einmaliger Benutzung Schrott, weil der Sicherungsring kaputt ist. Mit Rufs Idee ließe sich dieser auswechseln.

Wenn Ruf etwas ungeschickt vorkommt, will er es verbessern. Das sei "der erste Schritt des Entwicklungsprozesses". "Ich denke darüber nach, ich tüftle und manchmal habe ich einen Geistesblitz." Nachdem er das Problem von allen Seiten betrachtet habe, entwickle sich in seinem Kopf eine Grobstruktur, eine Grundidee, die er nach und nach bis ins Detail weiterentwickle. Schließlich steht der Prototyp in seiner Dormettinger Werkstatt.

So wie bei den selbststehenden Gehhilfen. "Einfach und genial", umschreibt Ruf seine eigene Erfindung. "Einfach und genial", so präsentierte es das Steinbeis-Transferzentrum. Und "Einfach genial", sagte ihm auch ein Betroffener auf der IENA. Und freute sich.

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08.12.2015, 08:30 Uhr
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