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Hans-Jochen Wagner mag‘s schwäbisch
In seiner beeindruckenden TV-Vita hat Hans-Jochen Wagner zwischen 2004 und 2014 immerhin schon in neun „Tatort“-Folgen mitgemischt. Oft als Opfer, mal als Mörder, und einmal sogar, neben Batic und Leitmayr, als deren Ermittler-„Kollege Lochbigl“. Jetzt steigt er selbst zum Hauptkommissar auf. Bild: Möhrke
Tatort-Lokalpatriot

Hans-Jochen Wagner mag‘s schwäbisch

Nun also auch er. Ein weiterer „Tatort“-Ermittler mit Tübinger Vergangenheit. Nach Gustl Bayrhammer (Kommissar Veigl), Dieter Pfaff (Kommissar Sperling), Ernst C. Sigrist (Kommissar Gertsch), Rufus Beck (Kurzzeit-Kommissar Stoll) oder Marie-Lou Sellem (Kommissarin Krämer) – früher allesamt am LTT beschäftigt. Oder, aktueller, wie der Ex-Tübinger Ulrich Tukur (als komplexer Sonderling Murot). Was zieht die Tübinger bloß in den gehobenen Polizeidienst?

31.12.2015
  • Wilhelm Triebold

Hans-Jochen Wagner ist, wie gestern deutschlandweit mit viel Tamtam vermeldet wurde, der nächste auf der Liste. Von Freiburg aus wird er als Hauptkommissar Friedemann Berg im dunklen Schwarzwald-Tann Verbrechern nachsetzen. Sein Vorgesetzter ist – das kann ja heiter werden – Kriminaloberrat Harald („Dirty Harry“) Schmidt.

Wagner hat ihm allerdings voraus, ein „lupenreiner“ Schwabe sein: Schmidt stammt aus Neu-Ulm, wuchs immerhin in Nürtingen auf. Kommissars-Kollegin Eva Löbau ist gebürtige Waiblingerin, hauptsächlich aber Österreicherin.

Wagner hingegen wurde im Dezember 1968 in Tübingen geboren und verbrachte die ersten 19 Jahre hier in der Gegend. Als mittlerer von drei Brüdern wuchs er zuerst in Reutlingen, wo die Mutter als anthroposophische Kunsttherapeutin arbeitete, und in Gönningen auf, wo er acht Jahre lang für die Jugendmannschaft der Turngemeinschaft im Tor stand.

„Ich muss wirklich sagen, wie sehr ich hier verwurzelt bin“, vertraute der Wahlberliner neulich auf Heimatbesuch dem SWR an. „Je älter ich werde, desto mehr Lokalpatriotismus bricht durch.“

Nach Abi und Zivildienst begann er in Tübingen Mathe und Geschichte zu studieren, wohnte im anthroposophisch angehauchten Fichte-Haus, inszenierte nebenbei. Hospitierte am LTT und und stand am Reutlinger Tonne-Theater als Regieassistent dem damaligen Intendanten Knut Weber bei Goethes „Tasso“ zur Seite. Das Mathestudium wurde ihm dann zu abstrakt, er bewarb sich an der Berliner Ernst-Busch-Schauspielschule, wurde genommen.

Es sei aber nicht so gewesen, dass er immer Schauspieler hätte werden wollen, sagte er in jenem Interview. „Ich hatte eher Schiss, auf die Bühne zu gehen“, weil er nämlich schüchtern gewesen sei.

Dafür kann sich seine Theaterkarriere aber sehen lassen. Wer startet schon am Wiener Burgtheater durch, einem der besten Häuser deutscher Zunge, und da auch noch in Inszenierungen von Hans Neuenfels, Hans Kresnik oder Matthias Hartmann? Es folgten Top-Bühnenadressen in Berlin (Deutsches Theater, Maxim Gorki), Freiburg und Düsseldorf.

Irgendwann klopfen dann zwangläufig Film und Fernsehen an. Viele Zuschauer werden sein Gesicht erkennen, ohne es im ersten Moment zuordnen zu können. Deshalb hier ein paar Erinnerungshilfen. Im TV-Drama „Der Rücktritt“ über Christian Wulffs unglücklichen Auf- und Abtritt als Bundespräsident gab Wagner den damals gefürchteten „Bild“-Journaillisten Kai Diekmann. Und wer die ZDF-Serie „Kommissarin Heller“ gesehen hat, kennt ihn längst in des Deutschen liebstem Genre – dem Krimi.

Interessanterweise gab der (bald) 48-Jährige vor knapp einem Jahr der „Osnabrücker Zeitung“ ein Interview, in dem zu lesen war: Er kenne niemanden, so Wagner, „der von sich sagt: Ich gucke regelmäßig abends Fernsehen – mit der Ausnahme ,Tatort‘.“ Und auf die Nachfrage, ob er „irgendwann im Leben“ selber mal „Tatort“-Kommissar werden wolle, antwortete er: „Ich würde das natürlich nicht ablehnen und wäre überhaupt nicht abgeneigt. Es hängt aber auch davon ab, was es dann letztlich wäre. Einen süddeutschen Kommissar würde ich sehr gerne spielen, mir fehlt beim ,Tatort‘ manchmal das Schwäbische. Aber es geht nicht darum, unbedingt irgendein ,Tatort‘-Kommissar zu werden und den Promi-Faktor zu steigern, sondern eine Arbeit zu machen, die ich interessant finde.“

Der Osnabrücker Journalist gab damals schon eine Steilvorlage mit dem Hinweis, im Süden werde bald eine Stelle frei, wenn der Bodensee-„Tatort“ auslaufe. Wagner darauf: „In der Regel ist es immer so, dass die Leute, die sich aufdrängen, die Rolle dann nicht kriegen. Als Schauspieler kann man immer nur Bereitschaft signalisieren und hoffen, dass mich jemand ins Gespräch bringt. Wenn ich selbst die Casterin anrufe und mich bewerbe, kriegt die einen Nervenzusammenbruch, weil ich vermutlich schon der Fünfzigste bin.“

Jemand muss ihn ins Gespräch gebracht haben. Denn nun hat‘s geklappt.

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31.12.2015, 23:59 Uhr
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