Barrierefrei auch am Strand

Hans-Joachim Fischers Hotel auf Teneriffa wurde ausgezeichnet

Die Sonnenliegen sind erhöht. Eine Pflegekraft ist immer erreichbar. Es gibt Rollstuhlsport, und Gehbehinderte kommen mit dem Lifter leicht in den Pool: Das Hotel des Pfäffingers Hans-Joachim Fischer auf Teneriffa ist barrierefrei. Jetzt wurde es vom spanischen Staat ausgezeichnet.

26.01.2012

Von Renate Angstmann-Koch

Pfäffingen. Die Hotelanlage „Mar y Sol“ (Meer und Sonne), die Hans-Joachim Fischer 1990 in Los Christianos eröffnete, hat den ganzen Ort geprägt. Holzdielen ebnen den Weg über den Strand zum Meer. Es gibt barrierefreie Duschen und Umkleiden, ebenso Amphibienfahrzeuge, damit auch Rollstuhlfahrer zum Baden ins Meer kommen. Gäste mit Behinderungen können auch Tauchen lernen, Golf spielen oder angeln.

Der Bürgermeister der Stadt Arona, zu der das ehemalige Fischerdorf Los Christianos gehört, der für Tourismus zuständige Stadtrat, der Vizepräsident der Kanaren: Sie alle kamen vergangene Woche zur Tourismus-Messe nach Madrid, um dabei zu sein, als Hans-Joachim Fischer die Anerkennung des spanischen Staates für das Hotel mit 230 Appartements erhielt. Die Asociación Española de Normalización y Certificación (AENOR) verlieh dem „Mar y sol“ das offizielle Zertifikat der Barrierefreiheit.

„Das war für alle Beteiligten von großer Bedeutung, eine Auszeichnung für die ganze Region“, berichtete der 71-Jährige tags darauf in der TAGBLATT-Redaktion. Der Hotelier war nach Deutschland zurückgekehrt, um ein paar Tage in seinem Haus in Pfäffingen zu verbringen und Besuche bei Angehörigen zu machen.

Hans-Joachim Fischer kommt ursprünglich aus Königsberg. Er zog 1962 nach Tübingen und arbeitete 25 Jahre lang als Elektrotechnik-Spezialist bei den Stadtwerken. Dann stieg er aus und eröffnete zusammen mit anderen Investoren 1990 das Hotel – hauptsächlich wegen der Krankheit seiner ersten Frau. Sie litt unter Multipler Sklerose, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Weil ihr das Klima auf der kanarischen Insel gut bekam, war das Ehepaar immer wieder dorthin gereist. Im „Mar y sol“ war Fischers frühere Frau jedoch nur einmal, ehe sie im November 1991 starb.

Er hatte nie gedacht, dass er das Hotel einmal selbst leiten würde. Doch als der Geschäftsführer manipulierte Berichte nach Deutschland schickte, musste Fischer „von einem Tag auf den anderen handeln und nach Teneriffa ziehen“. Das war 1995, auch seine zweite Frau Elli Baum-Fischer und die beiden kleinen Kinder kamen mit. Sie sind heute erwachsen und machen ihre Ausbildung in der Schweiz. Der 21-jährige Thomas besucht die Hotelfachschule, die 23-jährige Ina studiert Betriebswirtschaft und Tourismus. Sie wollen das Hotel, das 75 Beschäftigte hat, eines Tages übernehmen.

Zu der Hotelanlage gehört ein großes Therapie- und Rehazentrum, das von Elli-Baum-Fischer geleitet wird. Einer der Pools wird ganzjährig auf 32 Grad geheizt. Auf jeder Etage stehen neben dem Aufzug Rettungsstühle, damit Rollstuhlfahrer im Notfall rasch die Treppen hinunter gebracht werden können. Einmal im Monat gibt es Rettungsübungen für das Personal und die gerade anwesenden Gäste. Vor allem aber gibt es einen 24-Stunden-Notfallservice. Examinierte Krankenschwestern und Krankenpfleger sind immer erreichbar. „Ich möchte, dass auch Paare, bei denen ein Partner behindert und der andere mitbehindert ist, richtig ausspannen können“, sagt Fischer.

Der Hotelier ist ständig auf der Suche nach Neuerungen. Im vergangenen Jahr wurde eine Sporthalle mit einem Schwingboden eröffnet, den eine Mössinger Firma lieferte. Es gab bereits Basketball-, Rugby- und Boccia-Turniere. Längst nicht jedes Hotel, das sich so nennt, ist tatsächlich barrierefrei. Es sei ein Irrtum zu glauben, man könne angesichts der demografischen Entwicklung mit wenig Aufwand auf einen Trend aufspringen: „Das ist keine Geschäftsidee, mit der man Geld verdienen kann.“ Zumindest nicht, „wenn man wirklich den Menschen zugetan ist und ihnen eine gute Lebens- und Erholungsqualität bieten möchte“.

„Ich kämpfe immer noch an vorderster Front. Das hält frisch“, sagt Hans-Joachim Fischer, 71.Bild:Sommer

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Erstellt:
26. Januar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Januar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2012, 12:00 Uhr

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