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Zum Kakao ins Schloss

Hans Haug stellte sein Buch über die Königin Charlotte vor

Im Schloss Bebenhausen lebte viele Jahre eine Königin – Charlotte von Württemberg. In einem neuen Buch versucht Hans Haug, sie in ein anderes, freundlicheres Licht zu rücken, als es bisher der Fall war. Am Samstagnachmittag stellte er sein Buch im grünen Saal 150 Interessierten vor.

16.03.2015

Von Fabian Renz

Bebenhausen. Hans Haug ist eng mit der Geschichte des Schlosses Bebenhausen und seiner langjährigen Bewohnerin, der Königin Charlotte von Württemberg, verbunden. Sein Vater wurde 1932 Angestellter bei der Adligen, die bereits seit 1891 regelmäßig im Schloss residierte und es seit dem Tod ihres Gatten Wilhelm 1921 als Witwensitz nutzte. Auch der heute 73-jährige Hans Haug erlebte die Königin in seiner frühen Kindheit noch persönlich.

„Hier nebenan hat Königin Charlotte mir als Knaben den Hintern versohlt?, erzählte der Autor im Gespräch nebenbei, nachdem er am Samstagnachmittag sein neu erschienenes Buch vorgestellt hatte. 150 Leute hatten sich dafür in den grünen Saal gedrängt, der sonst für 86 Besucher vorgesehen ist. So saßen sie nun unmittelbar unter den Räumen, in denen Charlotte gelebt hatte, und unmittelbar über dem Luftschutzbunker, in den sie sich im Zweiten Weltkrieg immer wieder flüchten musste. Nach dem Vortrag hörten sie den Königin-Charlotte-Marsch auf genau jenem Hammerflügel, auf dem auch die Königin vor mehr als 100 Jahren bereits musiziert hatte.

Neue Erkenntnisse aus jüngst entdeckten Briefen

Den Geist der Geschichte, den die Räume im Schloss atmen, rief dann auch Haug in seinem Vortrag herbei. Unterstützt wurde er dabei vom langjährigen SWR-Moderator Wolfgang Bödiger, der mit seiner sonoren Stimme immer wieder Originalbelege einstreute. Einige davon sorgten für große Heiterkeit im Publikum, wie der Brief Wilhelms an einen Studienfreund, in dem er sein Verständnis für den anfänglichen Unwillen Charlottes, ihn zum Mann zu nehmen, zum Ausdruck brachte: „Charlotte, finde ich, hat recht, ich hätte mich auch nicht gewollt.?

Mit ihren anfänglichen Bedenken habe Charlotte wohl tatsächlich nicht ganz falsch gelegen, formulierte Haug vorsichtig. Wilhelm beschrieb die Ehe mit Charlotte, die bereits seine zweite war, als „Comödie, die ich vor der Welt aufführen muss?. Bald nach der Heirat wurde dem König eine Affäre nachgesagt, selbst von einem unehelichen Sohn war in Bebenhausen die Rede. Auch wenn sich dafür keine Belege finden lassen: Für Charlotte sei es wohl keine glückliche Ehe gewesen, sagte Haug.

Über die Aussagen Wilhelms hat Haug aus Briefen des Königs Zeugnis, die Albrecht Ernst vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart erst kürzlich entdeckt hat. Da Haug die neuen Erkenntnisse, die er aus diesen Briefen gewinnen konnte, in seine Darstellungen einarbeiten wollte, konnte das Buch auch nicht wie geplant bereits im letzten Jahr veröffentlicht werden, als in Bebenhausen der 150. Geburtstag Charlottes gefeiert wurde.

„Mit meinem Buch möchte ich Charlotte in ein anderes Licht tauchen, als das die bisherige Forschung getan hat?, sagte Haug. Ein schwäbischer Historiker beispielsweise beschrieb sie so: „Auf Distanz zum Volk bedacht, im Schwabenland eine Fremde geblieben, Württembergs ungeliebte Königin.?

Soziales Engagement statt Distanz zum Volk

„In meinem Buch werden Sie eine etwas andere Königin kennenlernen?, sagte Haug ? und erzählte vom sozialen Engagement Charlottes: Sie setzte sich für die Gründung des ersten humanistischen Mädchengymnasiums ein und für das Recht für Frauen, an württembergischen Universitäten zu studieren. Sie wurde Patin für den Württembergischen Malerinnen-Verein, war aktives Mitglied im Bebenhäuser Schützenverein und Ehrenmitglied in der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins. Einmal im Jahr lud sie die Kinder des Ortes ins Schloss und servierte ihnen Kakao und Hefezopf.

So mit neuen Erkenntnissen und musikalischen Klängen versorgt, gab es auch für die 150 Gäste noch Gebäck und etwas zu trinken ? statt Kakao wurde allerdings Rotwein serviert.

Eng mit der Geschichte des Schlosses und Charlotte verbunden: Hans Haug (rechts) stellte eine Königin vor, die er selbst als Kind noch erlebt hat. Unterstützt wurde er vom langjährigen SWR-Moderator Wolfgang Bödiger. Bild: Renz

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Erstellt:
16. März 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. März 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. März 2015, 12:00 Uhr

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