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Ein Wink von seinen Händen

Hanns-Friedrich Kunz nimmt Abschied vom Hymnus-Chor

Tübingen. Das gesamte Konzert über war die jahrelange Verbundenheit zwischen Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kunz und seinen Stuttgarter Hymnus-Chorknaben zu spüren: in jedem umsichtigen Wink, jedem Blickkontakt, jedem vertrauten Fingerzeig.

22.12.2009

Besonders spürbar war die wortlose Verständigung in dem kurzen Innehalten vor der dritten Kantate, als Kunz wartete, bis alle seiner jungen Choristen herausschauten, in einen gemeinsamen Atem gefunden hatten, um dann auswendig die rasanten Koloraturen in „Herrscher des Himmels? anzustimmen.

Bachs Weihnachtsoratorium am Vierten Advent in der ausverkauften Stiftskirche war Kunz' letzter Tübinger Auftritt mit dem Hymnus-Chor. Seit 1992 dessen künstlerischer Leiter, wird der Träger der baden-württembergischen Verdienstmedaille im kommenden März aus dem Amt scheiden. Sein Nachfolger Rainer Johannes Homburg kann sich glücklich schätzen, einen so professionell geschulten Knabenchor zu übernehmen.

Ein festlich gespanntes Weihnachtsoratorium in luxuriösem Glanz, ein großer dramatischer Zug durchs Ganze, direkte Anschlüsse ohne Pause. Wie zumeist bei „En-bloc-Aufführungen? des Weihnachtsoratoriums wurde auf die vierte Kantate verzichtet (die als einzige kostspielige Hörner erfordert und zudem musikalisch deutlich rückwärtsgewandter ist als die anderen fünf Kantaten). Kunz dirigierte die zwei Stunden hindurch vital und energetisch, hielt auch die raschen Tempi mit ruhiger Hand zusammen.

Selbst die jüngsten Hymnusianer meisterten die anspruchsvollen Koloraturen mit frappierender Mühelosigkeit, rhythmisch genau, lupenrein abphrasiert. Durch sanfte Impulse und weiche Akzente wirkten auch die raschen Tempi nicht zu schnell - ein druckloses, leichtfüßiges Konzertieren voll hörbarer Freude. Relativ rasch waren auch die Choräle, jede Zeile frisch gegriffen. Das Ensemble musica viva Stuttgart (Konzertmeisterin: Sabine Kraut) musizierte genauso festlich beschwingt, die Continuo-Gruppe war gegen die hellen Kinderstimmen kräftig und dunkel abgesetzt, mitreißend die Schubkraft der Trompeten. Luftig, leise insistierend, zart war die Hirtensinfonia, mit französischer Eleganz in die Nähe der Bach'schen Orchestersuiten gerückt.

Das Solistenquartett harmonierte klanglich mit dem Knabenchor: auch hier helle, leichte, bewegliche Stimmen. Einheitlich war auch die Tendenz zu freier, spontaner Auszierung. Altistin Annekathrin Laabs ließ mit wacher Verkündigungsfreude ihre zentrierten Glockentöne klingen. Evangelist Julius Pfeifer bestach mit markanter, klangstarker Höhe, ruhevoll entspannt war seine Tenorarie „Frohe Hirten?. Bariton Thomas Scharr fasste seine Koloraturen in tenoraler Klarheit. Mitunter etwas scharf, gab Sopranistin Fanie Antonelou zuletzt ihrer Arie „Nur ein Wink von seinen Händen? eine triumphierende Größe.

Nach dem Schlusschor herrschte einen Moment Stille, Kunz verharrte bewegt. Dann brach minutenlanger Beifall aus, mehr und mehr Zuhörer erhoben sich applaudierend, um Kunz für seine langjährigen Verdienste zu feiern.Achim Stricker

Hanns-Friedrich Kunz Archivbild: Faden

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Erstellt:
22. Dezember 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Dezember 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2009, 12:00 Uhr

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