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Astronomie

Handy lässt Raketen steigen

Mit dem Kinetarium hat das Planetarium Stuttgart eine Serie von interaktiven Spielen gestartet. Besucher können mit ihren Smartphones eingreifen.

18.05.2019

Von NADJA OTTERBACH

Die Raumschiffe der Besucher starten in der 13 Meter hohen Kuppel zu einer virtuellen Mission ins All. Foto: Ferdinando Iannone Foto: Ferdinando Iannone

Alles geht rasend schnell: Kaum hat der Moderator den Startschuss gegeben, ist der Himmel voller Raketen. Zwischen 70 und 80 Flugkörper liefern sich ein Rennen im All. Wer setzt die meisten Satelliten ab und wird Punktesieger? Es ist ein Szenario, das es im Planetarium Stuttgart so noch nie gegeben hat. Ubbo Grassmann, der stellvertretende Leiter, spricht gar von einer Weltneuheit.

Statt sich entspannt im Stoffsessel zurückzulehnen und Sternenbilder auf der 13 Meter hohen Kuppel zu betrachten, sind die Besucher aktiv. Sie lachen, rufen durcheinander, in den Händen halten sie Smartphones. Die dürfen – nein müssen – angeschaltet bleiben. Kinetarium nennt sich das interaktive Spiel (griechisch „Bewegung“), das von den Besuchern live mitgestaltet wird.

Mit den Handys rufen sie eine Website auf, ein Controller erscheint, mit dem bis zu 270 Teilnehmer gleichzeitig eine Rakete durchs All lenken können. In Phase eins geht es darum, möglichst viele Satelliten abzusetzen. In Phase zwei gilt es, Weltraumschrott auszuweichen, um diesen in Phase drei mit Hilfe von Netzen und Magneten einzusammeln.

Zeitweise herrscht Chaos unter der Kuppel. Gar nicht so leicht, sein nummeriertes Flugobjekt im Auge zu behalten und nicht mit einem anderen zu kollidieren – trotz der grenzenlosen Weiten des Alls. „Wo bin ich?“, hört man die Teilnehmer rufen. Um ihre Rakete wiederzufinden, können die Gäste sie leuchten oder erneut starten lassen.

Anderthalb Jahre hat das Stuttgarter Studio „Halbautomaten“ das Programm entwickelt, mit dem die Besucher nicht nur unterhalten, sondern auch informiert werden sollen. Michael Scholz und Sebastian König hatten die Idee: „Wir wollen den Menschen die Weltraumschrott-Thematik näherbringen. Die Raumfahrt wird zunehmend kommerzialisiert. Es kostet heute fast nichts mehr, einen Satelliten im Weltraum abzusetzen“, erläutert König. Der Orbit werde immer voller, das Risiko von Kollisionen steige.

Bei Ubbo Grassmann stießen sie auf offene Ohren. Er hatte sich bereits vor zehn Jahren in seiner Diplomarbeit mit interaktiven Spielen in Planetarien auseinandergesetzt. „Wenn ein Dialog stattfindet, bleibt nachweislich mehr hängen als beim Frontalunterricht“, sagt er.

Bei der Premiere sieht man überwiegend junge Erwachsene, vereinzelt auch Kinder. Laut den Programmierern ist das Kinetarium für jeden geeignet. Den Schwierigkeitsgrad wolle man bei der künftigen Entwicklung dynamisch anpassen. „Je nach dem, wie gut die Besucher mit ihrem Smartphone umgehen können, sind unsere Aufgaben schnell erledigt oder zu schwer.“

Spielphasen wechseln sich mit Wissensvermittlung ab. So erfahren die Spieler quasi nebenbei, dass aktuell knapp 1000 Satelliten im Orbit unterwegs sind, dass es sehr viel mehr Schrott als Satelliten gibt (500 000 Teile) und dass es weitreichende Folgen haben wird, wenn der Mensch nicht Verantwortung übernimmt. Am Ende gibt's ein Quiz für die Teilnehmer und als Zugabe ein Fußballspiel unter der Kuppel. Diesmal können die Besucher nicht Raketen, sondern Trikots fliegen lassen.

Steuerung ist schwierig

Nach einer Stunde ist die Premiere geschafft. Ein junges Paar sagt beim Rausgehen: „Die Steuerung war ein bisschen tricky, aber die Thematik interessant.“ Viktoria Schneider und Jochen Wangerowski sehen Verbesserungspotenzial. „Die Idee ist grundsätzlich gut, auf diese Weise auf Probleme hinzuweisen.“ Für das Steuern der Raketen hätten sie sich eine intensivere Einführung gewünscht, außerdem tiefer gehende Informationen.

Aktuell sehen sie vor allem eine junge Zielgruppe bedient. Die Geschwister Maja, 10, Justin, 12, und Janina, 15, haben mit dem eigenen Handy begeistert mitgesteuert. „In unserer Projektwoche in der Schule beschäftigen wir uns auch mit dem Weltraum“, sagt Maja, „ich würde das Spiel Freunden weiterempfehlen.“

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Erstellt:
18. Mai 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Mai 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2019, 06:00 Uhr

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