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Digitalisierung

Handwerk soll hoch hinaus

Um neue Strategien umzusetzen, erhalten Betriebe Unterstützung vom Land. Die Firma Adrex aus Horb profitiert bereits von der Förderung.

25.02.2020

Von MATHIAS HUCKERT

Die Firma Adrex aus Horb hat 2019 mehr als 250 Solaranlagen installert. Foto: Adrex Foto: Adrex

Auf dem Bildschirm vor Kerstin Lang ist ein Hausdach zu sehen. Die Mitarbeiterin der Firma Adrex aus Horb am Neckar braucht nur ein paar Klicks, dann befindet sich eine Photovoltaikanlage auf dem Haus des Kunden aus Mötzingen: Die Software zählt die Ziegel und vermisst das Dach. Eine Fotomontage zeigt danach die Solaranlage, wie sie dort in drei Monaten installiert sein könnte. Mitarbeiter von Adrex waren bereits vor Ort, machten Fotos, überprüften den Standort des Stromzählers und checkten die Wärmedämmung. Nach und nach trägt der Handwerksbetrieb jetzt alle Informationen zusammen. Spätestens nach einer Woche steht dann ein Angebot fest, das der Kunde über eine App einsehen kann.

Beispielhafter Betrieb

Adrex ist einer von über 4000 Betrieben, die von der Landesinitiative „Handwerk 2025“ profitieren. Das Angebot des Baden-Württembergischen Wirtschaftsministeriums und des Handwerkstags richtet sich an Unternehmen, die bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigen – und bei der Digitalisierung Schwierigkeiten haben. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut ließ sich mit Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold das Unternehmen zeigen. Für die Ministerin ist die Firma in Horb ein Vorzeigebetrieb: „Am Beispiel von Adrex kann man eindrucksvoll sehen, wozu eine Intensivberatung einen Betrieb befähigt.“

Die durch die Förderung geschaffene Abfrage nutzen laut Adrex-Geschäftsführer Pascal Bolsinger rund ein Viertel der Kunden. Die Firma installiert ihre Solarpanels überwiegend auf den Dächern von Privathäusern: Vergangenen Jahr waren es etwas mehr als 250 Anlagen, die Adrex einen Jahresumsatz von etwa 5 Mio. EUR bescherten. Die Angebotserstellung und die Kundenbetreuung laufen seit drei Monaten komplett digital.

Beratungen zur Modernisierung von Betrieben sind gefragt: 3900 Beratungstage gab es seit dem Start von „Handwerk 2025“ vor drei Jahren. Im Dezember wurde mit dem Doppelhaushalt 2020/2021 beschlossen, das Projekt mit weiteren 4 Mio. EUR zu fördern. Im Handwerk fehlen rund 40 000 Fachkräfte und 10 000 Lehrstellen sind zu besetzen. Zudem werden in Baden-Württemberg bald 20 000 Betriebe auf Nachfolger-Suche sein, wie Reichhold sagt. Digitale Plattformen sollen Betriebe enger vernetzen, damit Nachfolger gefunden werden – und das Handwerk nicht stirbt. Der Verband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes hat Vorarbeit geleistet: Das Portal „Wood Me Up“ wurde vom Förderprogramm finanziert und bringt Zimmerer aus mehr als 50 Betrieben in Baden-Württemberg mit Kunden zusammen.

Adrex-Chef Bolsinger würde das auch für seinen Bereich begrüßen. Der 31-Jährige stellt klar: „Der Elektriker um die Ecke ist nicht die Konkurrenz.“ Anbieter von Großbetrieben würden den Betrieb durch vermeintlich günstige Angebote im Internet die Kundschaft streitig machen. Das sei „ein Stück weit Täuschung“, weil es bei solchen Angeboten an „handwerklicher Kompetenz“ mangele und eine präzise Preisauskunft für eine Photovoltaikanlage erst nach der Überprüfung vor Ort möglich sei. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rät, dass sich Interessierte erst die Referenzen von Photovoltaik-Installateuren zeigen lassen, bevor sie auf ein Angebot eingehen.

Bei Adrex kostet die Erstellung eines Angebots die Firma 200 bis 300 EUR. Bevor es an die Kunden geht, wird das Angebot von Betriebsleiter Andreas Bruder überprüft. Der Elektrikermeister hat Erfahrung mit Landesfördermitteln: Bereits beim Ablegen seiner Meisterprüfung hat der 33-Jährige von einer Prämienzahlung profitiert. „Genau solche Leute brauchen wir“, sagte Ministerin Hoffmeister-Kraut beim Unternehmensbesuch.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut im Gespräch mit Adrex-Geschäftsführer Pascal Bolsinger. Foto: Karl-Heinz Kuball

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Erstellt:
25. Februar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Februar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2020, 06:00 Uhr

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