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Schon Überhitzung bei Sanierungs-Aufträgen / Geld vom Bund über fünf Jahre strecken

Handwerk als Konjunkturlok

Dank Konjunkturpaket und privater Aufträge ist die Stimmung im Kreishandwerk derzeit überwiegend gut. Bei manchen Betrieben brummt’s sogar so stark, dass sie bei Ausschreibungen keine Angebote mehr abgeben – oder nur mit deftigen Preisaufschlägen.

24.07.2009
  • Volker Rekittke

<strong>Tübingen.</strong> Noch im Februar war die Stimmung bei manchem Handwerker so richtig düster. Wirtschaftskrise, wenig Aufträge, dazu der lange Winter, der auf dem Neubau für Zwangspausen sorgte: „Viele Betriebe wussten nicht, wie’s weitergeht“, sagt Kreishandwerksmeister Gebhart Höritzer.

Vergebliche Suche

nach Facharbeitern

Fünf Monate und zwei Konjunkturprogramme später sieht mancher Betrieb wieder Licht am Horizont: Bei einer aktuellen Umfrage der Kreishandwerkerschaft bewerteten drei Viertel der Mitglieder ihre Situation als „sehr gut“ (9 Prozent), „gut“ (31 Prozent) oder „befriedigend“ (37 Prozent). Von 414 befragten Baubetrieben hatte knapp die Hälfte geantwortet.

„Der Optimismus ist da“, sagt Höritzer. „Im großen und ganzen geht’s dem Handwerk gut.“ Mehr noch: „Im Kreis ist das Handwerk gerade die Konjunkturlokomotive.“ Bislang gab’s keine konjunkturbedingten Entlassungen. Einige Betriebe suchen sogar händeringend nach Facharbeitern – meist vergeblich: „Es gibt so gut wie keine“, stellt Höritzer fest.

Der Boom hat mit der gestiegenen Modernisierungs-Nachfrage von Privat zu tun, Motto: Lieber kostenloses Warmwasser durch Solarzellen auf dem Dach, als Mini-Zinsen fürs Ersparte auf der Bank. Ebenso wichtig ist der Impuls durch das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung. Vor allem bei Glasern, vielen Stuckateur- und Sanitärbetrieben sind die Auftragsbücher derzeit voll – bei manchen sogar übervoll: „Die Firmen sind überlastet, die Preise steigen“, beobachtet Höritzer: „Das macht keinen Sinn.“ Nicht für die Handwerker, die nach 2010 – dann läuft das Konjunkturpaket II spätestens aus – wieder nach Aufträgen schauen müssen. Und auch nicht für die Kommunen, die wegen der Überhitzung des Marktes vor allem bei Energie-Sanierungen immer höhere Preise zahlen müssen – oder Projekte zurückstellen. Die Stadt wie auch der Kreis Tübingen haben bereits angekündigt, so Höritzer, das Vergabe-Tempo zu drosseln.

„Die Konjunktur-Gelder sollten über vier oder fünf Jahre gestreckt werden“, fordert denn auch Rüdiger Strobel, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Dann würden auch wesentlich mehr hiesige Handwerksbetriebe zum Zuge kommen, ist sich Strobel sicher. Bisher profitierte im Landkreis ein Viertel der über 400 Bau- und Ausbaubetriebe vom Konjunkturprogramm.

Weniger gut sieht’s derweil bei Handwerksbetrieben wie Feinwerkmechanikern aus, die für die Automobilindustrie oder den Maschinenbau zuliefern und teils auch selbst vom Export abhängen: „Bei einigen brachen die Aufträge um 60 bis 70 Prozent ein“, so Strobel, „die haben seit Monaten Kurzarbeit.“ Betroffen sind davon rund 30 der insgesamt 550 Mitgliedsbetriebe der Kreishandwerker.

Handwerker kritisieren

Schulpolitik des Landes

Eher zurückhaltend sind viele Handwerker beim Thema Ausbildung. Um zehn Prozent sank heuer das Lehrstellenangebot im Vergleich zum Vorjahr. „Viele Betriebe wissen nicht, wie’s in ein, zwei Jahren aussieht“, erklärt Höritzer die Zurückhaltung. Der andere Grund: Bei vielen Schulabgängern fehlten schlicht die Voraussetzungen zur Ausbildung. Weshalb die Kreishandwerker die Schulpolitik des Landes aufs Korn nehmen: „Die Werkrealschule muss auf eine Ebene mit der Realschule gebracht werden“, fordert Höritzer. „Im Moment sieht es so aus, als hätte die Hauptschule nur einen neuen Namen verpasst bekommen.“

Archivbilder: Metz

<div class='kasten_ueberschrift'> <div class='grundtext'> Mehr Bürgschaften, weniger Kündigungsschutz </div> </div> <div class='kasten_text'> <div class='grundtext'> Fünf Prüfsteine für die Parteien gibt’s von den Kreishandwerkern im Vorfeld der Bundestagswahlen – darunter die Forderungen nach Steuer-Erleichterungen und Bürokratieabbau. „In den letzten Jahren ist immer mehr Papierkram dazugekommen“, so Kreishandwerksmeister Gebhart Höritzer. Außerdem soll der Kündigungsschutz künftig nicht in Betrieben ab 11, sondern erst ab 31 Mitarbeitern gelten. Höritzer: „Die Firmen würden dann mehr reguläre Jobs schaffen und weniger Leiharbeiter einstellen.“ Außerdem fordert er Bürgschaften oder Kredite aus Sonderfonds für den Mittelstand: „Quelle und Opel kriegen Milliarden, ums Handwerk schert sich keiner.“ </div> </div>

Handwerk als Konjunkturlok
Gebhart Höritzer

Handwerk als Konjunkturlok
Rüdiger Strobel

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24.07.2009, 12:00 Uhr
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