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Hand in Hand zum Erfolg
Flüchtlinge machen sich auf dem Sportplatz in Egringen in Trikots warm, die Fußball-Zweitligist Freiburg spendete. Foto: dpa
Vereine in der Region punkten mit kreativen Konzepten bei der Flüchtlingsarbeit

Hand in Hand zum Erfolg

Der Sport spielt bei der Integration von Geflüchteten eine starke Rolle: Viele Vereine im Land punkten mit vorbildlichen Projekten. Es bedarf der Sensibilität, Kreativität, bei Rückschlägen der Frustrationstoleranz.

22.03.2016
  • KLAUS VESTEWIG

Ludwigsburg. "Wir haben noch keine Sekunde bereut, es angefangen zu haben", so versichert Atilla Böhm, der zweite Vorsitzende des Schwimmvereins Ludwigsburg. Und Steffen Erb, Vorstandsmitglied im TB Neckarhausen, ergänzt: "Wenn man Potenziale sucht und findet, führt das zu gegenseitiger Bereicherung." Die beiden Vereinsfunktionäre sprechen von ihren Erfahrungen mit Geflüchteten - beides Einschätzungen nicht von blauäugigen Träumern, sondern von bodenständigen Schaffern.

In der Tat hat sich beim Forum "Flüchtlingsarbeit im Sport", veranstaltet von der SportRegion Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Sportkreis Ludwigsburg und dem Stadtverband für Sport Ludwigsburg, auf bemerkenswerte Weise gezeigt, wie gut die Eingliederung von Flüchtlingen im baden-württembergischen Sport gelingen kann. Obwohl es zunächst manche Hemmnisse zu überwinden gilt und obwohl naturgemäß auch die eine oder andere Enttäuschung nicht ausbleibt.

Beispiel TB Neckarhausen: Der 1200-Mitglieder-Verein in einem Teilort Nürtingens lud die 40 Geflüchteten im Ort früh zu Jahresfeiern, Jugendnachmittagen und einem Sportfest ein. Als Sponsoren für die Ausrüstung wurden Unternehmer gewonnen. Als erster Verein im Land beschäftigt der Verein im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres seit September 2015 für ein Jahr den syrischen Flüchtling Firas Abu Khraish, der in Kindergärten und Schulen mit großer Zustimmung Kinder zum Sporttreiben animiert. "Anfangs haben wir uns gefragt: Wie kriegen wir den Ort hinter uns, man hat die große Verunsicherung gespürt. Wir haben es geschafft, dass die Vereinsmitglieder als Meinungsbildner und Multiplikatoren dahinter stehen", berichtet der im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Steffen Erb. Verbindlichkeit wird bei dem Projekt durchaus eingefordert. "Du warst angemeldet, warum warst Du nicht da?" Auch solche Rügen für Migranten fehlen nicht, wenn es mal an Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit fehlt.

Beispiel VfL Herrenberg: Wie der TB Neckarhausen hat der Verein, in dem 5000 Mitglieder Sport treiben, 2015 beim Stuttgarter Sportkongress den Innovationspreis für "Sport- und Bewegungsangebot für Flüchtlinge" erhalten. Mit Ahmed Shabal fand ein erstklassiger pakistanischer Badmintonspieler mit zwei Kollegen, die derzeit die Ausbildung zur C-Lizenz absolvieren, zum VfL. Shabal trainiert inzwischen hochengagiert die Jugendmannschaft. Bei der vom Verein besorgten Zimmermanns-Lehrstelle hat das allerdings nicht so gut mit ihm geklappt. Mitunter steht auch der Mannschaftsbus abfahrtsbereit da, die Geflüchteten aber fehlen noch. "Die ticken anders. Man darf sich aber nicht beirren lassen, wenn es nicht so läuft, wie wir es gewohnt sind hinsichtlich der Pünktlichkeit", macht Geschäftsführerin Stefanie Wunder deutlich.

Die Fußballabteilung wurde von 20 bis 30 Neuen geradezu überrollt. Und weil die jünger, fitter und schneller sind, ist das für die AH durchaus ein Problem. "Da krieg ich einen Herzinfarkt", hat ein eingesessener AH-Kicker geklagt. Gezeigt hat sich in Herrenberg auch, dass die Flüchtlinge anfangs nicht von allein kommen. Sie brauchen zunächst "Paten", die sie begleiten, um die erste Hürde zu überwinden. "Das kann der Sport allein nicht leisten", sagt Stefanie Wunder.

Beispiel Schwimmverein Ludwigsburg: Vorstandsmitglied Attila Böhm ist begeistert über den Lerneifer der Flüchtlingskinder beim angebotenen Schwimmkurs. Mancher Bericht über ihre Flucht ist ihm unter die Haut gegangen. Zum Beispiel wie sie 20 Tage und 20 Nächte voller Angst über das Meer gefahren sind und dabei das Ertrinken von Familienangehörigen mit ansehen mussten. Manche Männer seien sechs bis sieben Kilometer zur nächsten griechischen Insel geschwommen. Jetzt arbeitet der Wasserball-Zweitligist gerade daran, einen Schwimmkurs für Musliminnen aufzubauen, in dem diese vor männlichen Blicken geschützt sind.

Beispiel TSV Waldenbuch: In dem 1900-Mitglieder-Verein, der in diesem Jahr 125 Jahre alt wird, gibt es eine ganze Palette von Aktivitäten für Flüchtlinge, etwa Eltern-Kind-Turnen, Psychomotorik, Kindergartenferiensport oder einen Tanzkurs für Frauen. Ein Glücksfall ist, dass Flüchtlingsvater Ahmed ausgebildeter Sportlehrer ist. Bis Ostern hospitiert er bei zwei Übungsleitern, um mit den Gegebenheiten vertraut zu werden. "Er kann schnell Brücken bauen und Hindernisse überwinden", sagt die erste Vorsitzende, Manuela Kircher.

"Die Mitgliederzahlen stagnieren. Die Vereine wissen, dass sie sich öffnen müssen", so lautete das Resümee von Matthias Müller, Präsident des Sportkreises Ludwigsburg und Vorstandsmitglied der SportRegion Stuttgart. Die Botschaft von Werner Rilka, des ersten Vorsitzenden des VfL Herrenberg: "Ich kann anderen Vereinen nur empfehlen, sich schnell und intensiv mit dem Thema zu beschäftigen."

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22.03.2016, 08:30 Uhr
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