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Hailfingen in Narrenhand - 4000 kamen zum Umzug

Um Hailfingen machten Autofahrer am Samstag besser einen Bogen. Oder sie ließen den Wagen vorm Ort stehen, um im Dorfkern den Fasnetsumzug zu sehen. Gut 4000 Menschen standen Spalier.

25.01.2009
  • Michael Sturm

anz Hailfingen stand am Samstagnachmittag im Bann der Fasnet. Der große Umzug mit 45 Narrengruppen zog viele Zuschauer an. Tausende Menschen säumten beim Festumzug die Straßen des Fleckens. Deren Autos parkten schon weit vorm Hailfinger Ortsschild aus Richtung Seebronn. Bei herrlichem Wetter feierten die Zuschauer die zur Festhalle ziehenden Narren, ließen sich von diesen mit Konfetti beregnen und mit Bonbons bewerfen.

Hailfingens Zunftmeister Martin Breining war es am Vortag noch „himmelangst“, doch gutes Wetter und die „große Resonanz der Hästräger“ bewirkten einen üppigen Besuch beim Hailfinger Umzug. Dieser begann musikalisch. Die Vorhut bildeten die einheimischen Hoilfenger Geesger, angeführt von ihrer Lumpenkapelle. Die schickte ihre Töne weit voraus: Vor der Kreissparkasse schunkelten die Menschen lange ehe die Kapelle an ihnen vorbei kam. Die Musik überlagerte sich fast, denn auch die nachfolgenden Poltringer hatten ihre Kapelle dabei. Dazu kam der erste Traktor-gezogene Narrenwagen – in diesem Jahr hatte fast jede zweite Gruppe einen dabei. Die Poltringer hatten nicht nur einen Jägerzaun um ihren Traktor gegürtet. Von ihrem Wagen herunter verkauften sie auch Most. Jochen Schmid fungierte als Einpeitscher: Auf sein gebrülltes „Bock!“ hielt er ein Papier mit dem Wort „Most“ hoch – und das Publikum brüllte das Gewünschte laut zurück.

Die ebenfalls in Poltringen ansässigen Neckar-Hexen hinterließen ebenfalls bleibenden Eindruck: Von ihrem Wagen zog derart stinkender Rauch empor, dass sich der Hailfinger Joachim Will fragte: „Ja, ist denn Rauchen nicht verboten?“ Der Gestank konnte dem Obernauer Esel nichts anhaben – wohl weil die Obernauer mit etwas Abstand hinter den Neckar-Hexen her kamen.

Dann wurde es fast schon politisch: Eine Entringer Hexe fing sich ein verirrtes Poltringer Funkenmariechen und entführte es ein gutes Stück die Hadolfinger Straße hinauf. Gut eine Woche nach der Bürgermeisterwahl konnte man diese Aktion allerdings auch wohlwollend als Geste des Zusammenwachsens der Ammerbucher Teilgemeinden werten.

Etwas ärger erwischte es die beiden Remmingsheimer Teenager Natalie Klett und Viktoria Smolin, Sie wurden in einen schnell rotierenden Zuber gesteckt und litten offensichtlich an starkem Drehwurm, als wieder daraus entlassen wurden. „Da verbiegt‘s dir die Kutteln“, stöhnte ein vorbeigehender Beobachter der Szene. Etwas glimpflicher kamen die Opfer der Göttelfinger Hopfazopfler weg – da reichte ein Bad im mit Hopfendolden gefüllten Zuber. Weitere Göttelfinger kamen auf seltsamen motorisierten Gefährten angebraust, unter anderem einer ehemaligen Badewanne.


Mondäner waren die Hirrlinger: „Cool!“ meinte die neunjährige Vanessa Gärtner aus Hirschau, als der Hirrlinger Wagen vorbeifuhr: Dessen Aufbauten bestanden aus einer Nachbildung des Hirrlinger Schlosses. Der nachfolgende Bärenkäfig der Mettstettener Narren beeindruckte ebenso, wie der als Urzeithöhle gestaltete Wagen der „Steinis“ aus Tübingen. Dass Hexen nicht ausschließlich abstoßend maskiert sind, bewiesen die Hexen aus Tübingen sowie die gleichermaßen in edles Schwarz gewandete Susi Maier im mit Taft umwickelten Häs der Neuhausener Edel-Schlampe.

Am Schluss gab es noch rockige Töne: Die Herrenberger Rockband „Trölf“ spielte auf einem Vordach bei´der Gaststätte Hirsch. Instrumente und Anlage mussten sie über eine Holzleiter hoch wuchten. Bassist Tobias Rietmüller aus Altingen freute sich über das „Rooftop-Konzert – wie die Beatles.“

Es war ein langer, eineinhalb Stunden dauernder Umzug. Anfangs sei er spannender gewesen, meinte Daniela Kimmich aus Hailfingen, der etwas die „Action“ fehlte: „Keine der Gruppen hat eine Menschen-Pyramide gemacht.“ An Anderem wiederum herrschte kein Mangel: Die Hadolfinger Straße war auf Höhe des Rathauses kaum mehr zu erkennen, so viel Konfetti und Stroh lag dort verstreut. Weiter oben in der Straße hatte Egon Bay, Anwohner und Mitbegründer der Hailfinger Narrenzunft, bereits seinen Besen in den Händen: „Das ist schwäbische Gründlichkeit. Samstags wird gefegt.“

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25.01.2009, 12:00 Uhr
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