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Kfz-Gewerbe

Händler haben Existenzangst

Die Preise für gebrauchte Diesel-Pkw verfallen rapide. Daher fordern die Betriebe eine rasche Nachrüstung von Euro-5-Autos.

16.02.2018

Von DIETER KELLER

Dicht gedrängte Gebrauchtwagen beim Autohändler: Dieselfahrzeuge lassen sich nur noch schwer verkaufen. Foto: Patrick Seeger/dpa

Berlin. Mit gebrauchten Diesel-Pkw verdienen die Autohändler derzeit kein Geld – im Gegenteil: Sie befürchten „existenzbedrohende Wertverluste“. Die Autokäufer seien zutiefst verunsichert, klagt der Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), Jürgen Karpinski. „Drohende Fahrverbote in den Ballungsgebieten machen gebrauchte Diesel fast unverkäuflich“, sagte Karpinski in Berlin.

Der wirtschaftliche Schaden lässt sich leicht ermessen: Gebrauchte Diesel-Pkw stehen derzeit im Schnitt 100 Tage beim Händler auf dem Hof. Bei Benzinern sind es nur 80 Tage. Jeder Standtag kostet laut Karpinski 28?EUR. Bei 100 Tagen kommen also 2800 EUR pro Fahrzeug zusammen – plus der Wertverlust von einigen tausend Euro pro Auto.

Schon im August 2017 standen rund 300?000 Euro-5-Diesel-Pkw bei den Händlern. Inzwischen hat mehr als die Hälfte den Bestand weiter erhöht, ergab eine Umfrage unter 1600 Händlern. Unter anderem müssen sie laufend Diesel-Fahrzeuge aus Leasingverträgen zurücknehmen.

Daher fordert der ZDK schon fast flehentlich eine rasche Hardware-Nachrüstaktion für die rund 5 Mio. Autos mit Euro-5-Dieselmotor, die in Deutschland zugelassen sind. Karpinski hält 1500 bis 3000 EUR Nachrüstkosten pro Fahrzeug für realistisch. Da die Autohersteller sich weigerten, selbst aktiv zu werden, sollten sie die nötigen Daten den Zulieferern geben. „Es gibt fix und fertige Systeme“, ist er sich sicher. Die Kapazitäten zur Nachrüstung hätten die Autowerkstätten.

Von der Autoindustrie werden dagegen Kosten von 4500 EUR genannt. Selbst mit Subvention seien es noch 3000 EUR. Außerdem dauere es zwei Jahre, bis die Nachrüstsätze entwickelt und zugelassen seien. Daher will sie sich auf die Entwicklung der Autos von morgen konzentrieren.

Karpinski forderte von der Politik und vom Kraftfahrtbundesamt, das für die Genehmigungen zuständig ist, großzügig und unkonventionell zu handeln. Als positives Signal wertete er entsprechende Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag. Eine Nachrüstung könne dem Staat zusätzliche Mehrwertsteuer-Einnahmen von 1,9 Mrd. EUR bringen. Dies sei ein „guter Grundstock“ für einen Nachrüstfonds, in den auch die Hersteller freiwillig einzahlen sollten. Damit sollten nicht nur private Halter gefördert werden, sondern auch Firmenfahrzeuge. Der ZDK ist sich allerdings im Klaren, dass der Gesetzgeber kaum alle Hersteller zum Nachrüsten zwingen kann, insbesondere nicht die ausländischen.

Der ZDK-Präsident sieht bei den Autobesitzern durchaus Bereitschaft, aktiv zu werden: 40 Prozent hätten sich in Umfragen bereit erklärt, freiwillig zu investieren. Dies steigere den Wert des Fahrzeugs. Sie steckten auch viel Geld in Ausstattungsdetails wie Alufelgen.

Von den Autoherstellern fühlen sich die Händler ziemlich alleingelassen: 93 Prozent beklagten in der Umfrage, sie bekämen keine ausreichende Unterstützung. Von den Umtauschprämien spüren zwei Drittel der Verkäufer keine positiven Auswirkungen mehr.

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Erstellt:
16. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 06:00 Uhr

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