Tübinger Mittelalterfans waren wasserfest

Händler, Camper und Besucher hatten beim 4. Mittelaltermarkt trotz Regen und Matsch ihren Spaß

Von Fabian Renz

„Ach, im Mittelalter hat es ja auch geregnet.“ Dieses Zitat steht beispielhaft für die Mehrheit der Standbetreiber, Campbewohner und Besucher auf dem 4. Tübinger Mittelaltermarkt. Sie ließen sich die Laune durch das meist schlechte Wetter nicht vermiesen.

Händler, Camper und Besucher hatten beim 4. Mittelaltermarkt trotz Regen und Matsch ihren Spaß

Geht auch auf nassem Boden: Zwei Mittelalterfans der Gruppe „Die Leitwölfe“ messen sich im Schwertkampf. Bild: Sommer

Tübingen. Auf die Frage nach der Witterung zuckt Volker Brose nur mit den Achseln und grinst: „Bei schönem Wetter kann ja jeder.“ Dabei besteht das Gelände, auf dem er und die anderen Mitglieder des Mittelaltervereins „Apostata-Equitis“ das ganze Wochenende leben, fast nur noch aus Matsch. Freitagabend, Samstag, Sonntag: Immer wieder prasselt Regen auf den Mittelaltermarkt herab. „Dafür ist der Besucherandrang richtig gut“, lobt Brose, der auf dem Markt nur auf seinen Mittelalternamen Urs amme berg hört.

Schwertkämpfer sind da, Steinmetze, eine Falknerin

Dann erklärt Brose ausführlich, welche Helme, Schwerter, Schilde und Handschuhe sein Verein auf dem Markt vorstellt. Vier Jungen drängen sich sofort heran und hören wissbegierig zu, wie Brose erklärt, welches Schwert welchen Helm auf welche Art durchdringen kann. „Darf ich mal einen Helm aufziehen“, fragt einer. Er darf.

„Dieses Mal sollte der Markt etwas waffenlastiger werden“, erklärt Markt-Organisator Ulrich Helmel. Neben dem Waffenarsenal von „Apostata-Equitis“ gab es so auch jede Menge Schwertkämpfe zu sehen, an einem Stand konnte mit Pfeil und Bogen geschossen werden. Dazu gab es an den vielen Marktständen das gewohnt vielseitige Angebot: Seifen, Körbe, Schmuck, Holzbesteck, Kleidung, Krüge – meist aus eigener Herstellung. Die Falknerin Vanessa Müller aus Weil im Schönbuch ließ ihre Greifvögel über dem Gelände kreisen und im Sturzflug herabstürzen. Gestern Nachmittag, als kurzzeitig sogar die Sonne herauskam, schauten dabei auch mal 200 Leute gleichzeitig zu.

Zum ersten Mal in Tübingen dabei waren drei junge Steinmetze aus Stuttgart, Waiblingen und Simmozheim. Ihren Kursteilnehmern, so erzählt Emily Leifheit, die einzige Frau in der Gruppe, würden sie zeigen, wie man ein Schneckenfossil oder den Anfangsbuchstaben des eigenen Namens in Stein meißelt. Bei starkem Regen seien sie unter das Zeltdach gegangen, bei leichtem Regen hätten sie aber draußen weitergearbeitet: „Dem Stein macht der Regen nichts aus“, so Leifheit.

Beim Rundgang über das Gelände macht Organisator Helmel auf die vielen Besonderheiten aufmerksam: das Podest für die Feuershow, die Düfte der Seifen, die großformatigen Bilder von mittelalterlich gekleideten Menschen an den Toilettentüren. Helmel reibt sich als „Alleinkämpfer“, wie er selbst sagt, für seine Märkte auf. Über Berichterstattung, die von geringen Besucherzahlen spricht, kann er sich mächtig aufregen: „Beim Auftritt der Band Fuchsteufelswild war der Platz hier voll, alle loben die tolle Atmosphäre – da kann man sich doch nicht beklagen!“, findet er. Dass sie bei schönem Wetter mehr verkaufen würden, sagten einige Standbetreiber aber schon. Und dass sie nun nasse Zelte würden einpacken müssen, ärgerte gestern auch manchen Campbewohner.

Im Lager gibt es keinen Strom, aber Kniffel

Eine dieser Camperinnen ist Maria Ira Eimuth aus Rottenburg. Während sie im echten Leben als Referentin für Personalentwicklung arbeitet, taucht sie auf dem Markt für drei Tage ab in eine andere Welt. In ihrem Lager lebt sie dann mit ihrer Freundin Vanessa Kutscher aus München ohne Strom und ohne Kühlschrank, kocht über dem offenen Feuer, trinkt aus steinernen Bechern. Zum schlechten Wetter sagt sie nur: „Ach, im Mittelalter hat es ja auch geregnet.“

Die Zeit vertreiben sich die beiden Freundinnen mit Kniffeln. „Der Becher ist aus Leder und die Würfel sind aus Knochen!“, sagt Eimuth. Und der Block? „Ja ok, das ist der normale bedruckte Papierblock.“ Bei der Frage, wie sie sich kennengelernt haben, zögern die Frauen kurz. Dann geben sie zu: ganz unmittelalterlich über Facebook.

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17.04.2016 - 21:00 Uhr