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Kino

„Habe mein Bestes gegeben“

Moritz Bleibtreu über die Musical-Verfilmung „Ich war noch niemals in New York“ und seine Erfahrungen als Regisseur im Psychothriller „Cortex“.

15.10.2019

Von DIETER OSSWALD

Moritz Bleibtreu und Marlon Schramm in einer Szene des Films „Ich war noch niemals in New York“. Foto: -/Universal Pictures/dpa

Berlin. Er spielte schon den Terroristen Andreas Baader in „Der Baader Meinhof Komplex“ und Joseph Goebbels in „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. Und auch Hollywood ist auf den äußerst vielseitigen Schauspieler Moritz Bleibtreu aufmerksam geworden.Ob in Steven Spielbergs Polit-Drama „München“ oder in Actionstreifen wie „Speed Racer“ oder „World War Z“ mit Brad Pitt. Nun präsentiert sich Bleibtreu singend und tanzend zu den Songs von Udo Jürgens in der Verfilmung des Musicals „Ich war noch niemals in New York“, die in dieser Woche in die Kinos kommt.

Der Trailer verspricht den „Gute-Laune-Film des Jahres“. Wie gut war die Laune bei den Dreharbeiten?

Moritz Bleibtreu: Der Trailer liegt nicht falsch: Ich glaube, der Film kann den Menschen viel Freude bereiten. Uns Schauspielern ist das schon bei den Dreharbeiten so gegangen. Bei den meisten Filmen hat man nach einer Woche ein Gefühl dafür, ob die Sache lustig werden wird oder in eine falsche Richtung läuft. „Ich war noch niemals in New York“ stand von Anfang an klar unter einem guten Stern.

Sie haben schon Terroristen, Nazis und Kiffer gespielt. Ein Musical-Auftritt wirkt gleichwohl überraschend. Wie kam es dazu?

In meiner Karriere habe ich ja immer wieder Filme gemacht, bei denen ich versuchte, mich selbst zu überraschen. Das Ergebnis hat bisweilen auch andere überrascht – und dies ist wieder so ein Fall. (Lacht) Zunächst war ich skeptisch: Udo Jürgens ist ein Universum, mit dem ich bislang nicht so wahnsinnig viel zu tun hatte. Aber an diesem Projekt waren viele Leute beteiligt, die ich schätze und mag. Mit Regisseur Philipp Stölzl habe ich schon „Goethe!“ gedreht, da wusste ich, dass das etwas Besonders wird. Gerade, weil mir das Thema so fremd war, hat es mich gereizt.

Das Musical hat über sechs Millionen Zuschauer verbucht – je komplizierter die Zeiten, desto beliebter die heile Welt in der Kunst?

Das würde ich so gar nicht sagen. Musicals waren ja schon im deutschen Kino der 50er und 60er Jahre die großen Publikumslieblinge. Irgendwann geriet das Genre in Vergessenheit und wurde erst durch Erfolge wie von „Mamma Mia“ wiederentdeckt. Wenn unser Film daran anknüpfen kann, würde mich das persönlich sehr freuen, schließlich lebt Kino von der Genre-Vielfalt.

Wenn schon kein Fan von Udo Jürgens, wie sieht Ihr Verhältnis zum Schlager aus?

Wenn es um eigene Künstler geht, tun wir uns in Deutschland emotional immer noch ein bisschen schwer. Da wird ein Udo Jürgens schnell in die Schublade Schlager gesteckt, wo er völlig falsch aufgehoben ist. Jürgens ist im besten Sinn ein Chansonier, vergleichbar mit Ute Lemper oder Patricia Kaas. Diese Qualität wurde vielfach verkannt, auch von mir. Erst jetzt habe ich erkannt, dass es bei diesem Musiker viel mehr zu entdecken gibt. Mein Respekt und meine Achtung vor dem Künstler Udo Jürgens ist immens gestiegen. Schade, dass er diesen Film nicht mehr erleben konnte, er hätte sich bestimmt sehr gefreut.

Haben Sie mittlerweile einen Lieblingssong von Udo Jürgens?

„Merci, Cherie“, ich kann‘s nicht so gut wie Helene Fischer, aber ich habe mein Bestes gegeben.

Wie fühlten Sie sich in dem schrill blauen Pullover, den Sie im Film tragen?

Wir wussten von Anfang an, dass wir mit einer Überhöhung spielen. Es war völlig klar, dass wir Screwball-Elemente wie jenen blauen Pulli benötigen. In der richtigen Balance liegt die größte Herausforderung bei diesem Film: Man darf nicht zu sehr übertreiben, andrerseits soll eine Welt geboten werden, die jenseits der bekannten Normalität liegt.

Spielt der blaue Pullover auch im Psychothriller „Cortex“ mit, mit dem Sie Ihr Regiedebüt geben?

Keine Sorge: Mein blauer Pulli kommt nicht nochmals vor!

Wie war die Erfahrung auf dem Regiestuhl?

Beim Regieführen verhält es sich ganz ähnlich wie bei der Schauspielerei: Der Weg ist größtenteils das Ziel. Bei meinem ersten Film habe ich unheimlich viel gelernt. Jetzt freue ich mich darauf, hoffentlich weiter Filme zu machen, weiter zu lernen und vielleicht irgendwann auch als Regisseur ganz gut zu werden.

Was war die schönste Erfahrung im neuen Job als Regisseur?

Es gemacht zu haben! Diesen Gedanken, einmal selbst Regie zu führen, haben viele Schauspieler. Die meisten kennen aus Erfahrung jene Momente, in denen sie denken: Die Szene hätte ich jetzt ganz anders gemacht. Einmal die Möglichkeit zu haben, es zu tun, empfinde ich als riesengroßes Geschenk.

Wann gibt es „Cortex“ im Kino zu sehen?

Wir haben gerade den Rohschnitt fertiggestellt. Der Kinostart wird irgendwann im nächsten Jahr stattfinden, einen genauen Termin gibt es bislang noch nicht.

Im Unterschied zum Filmtitel waren Sie schon in New York – wie sind die Erinnerungen?

Ich habe in New York meine Schauspielschule gemacht und zwei Jahre dort gelebt, von ‘90 bis '92. Die Schauspielschulzeit war nicht so einfach, und ich habe leider Gottes die Stadt nicht genug genießen können, weil ich einfach zu viel mit anderen Sachen beschäftigt war. Aber es ist ein sehr wichtiger Ort innerhalb meines Lebens. Und das wird auch immer so sein.

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Erstellt:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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