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Gute Aussichten

Leitartikel zu den Folgen der Krise

Während die Welt stillsteht, fragen sich viele Menschen, wie es nach der Krise weitergehen wird.

26.03.2020

Von Igor Steinle

Milton Friedman, einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, sagte einst, nur eine Krise bringe echte Veränderungen hervor. Die meisten erwarten laut Umfragen momentan das Schlimmste. Dabei gibt es viele Gründe für Optimismus. Was könnte uns Sars-CoV-2 lehren?

Egal ob in Medizin, Bildung oder Beruf: Ein digitaler Ruck geht durch die Gesellschaft. Neue Unterrichtsformen und Online-Sprechstunden könnten sich jetzt, da ihr Mehrwert offensichtlich ist, endlich durchsetzen. Vor allem Familien könnten profitieren. In Zukunft dürfte es Vorgesetzten schwerer fallen, Müttern und Vätern den Wunsch zu verwehren, ab und an im Homeoffice zu arbeiten. Die momentane Situation zeigt, dass arbeiten auch von zuhause meist gut gelingt. Arbeitswege fallen weg, wodurch mehr Zeit für die Kinder bleibt.

Aber das ist nicht der einzige Effekt, den eine Tendenz hin zu mehr Heimarbeit haben könnte: die morgen- und abendlichen Verkehrsinfarkte könnten zumindest abgemildert werden. Der Stresspegel vieler Menschen würde sinken. Ganz zu schweigen von der Verbesserung der Luftqualität in den Städten, die auch die Volksgesundheit päppeln würde.

Ebenfalls abnehmen werden wohl Dienstreisen. Für viele international arbeitende Teams gehören Videokonferenzen schon jetzt zur täglichen Routine. Diese Arbeitsweise könnte sich nun weiter durchsetzen, mit der nötigen Technik ist das schon lange kein Problem. Jede anstrengende Dienstreise weniger ist dabei für Arbeitnehmer und Klima gleichermaßen ein Geschenk. Insgesamt könnte einer Epoche der ungezügelten Globalisierung ein kooperativeres internationales System folgen, das globale Krisen wie Pandemien und Klimawandel besser bewältigen kann. Und wenn die massiven staatlichen Investitionsprogramme, die nach der Krise kommen, nachhaltige Technologien im Blick haben, würde man nicht nur der Umwelt Gutes tun, sondern auch für neues, nachhaltiges Wachstum sorgen.

Als wenig nachhaltig hingegen hat sich das ökonomische Effizienzstreben in vielen Bereichen der Daseinsvorsorge erwiesen. Selbst den Beratern von Bertelsmann, McKinsey und Co. dürfte gerade auffallen, dass es gar nicht so schlecht ist, wenn hier und da lieber ein unrentables Krankenhausbett zu viel als zu wenig herumsteht. Man kann zudem nur hoffen, dass dauererschöpfte Pfleger und Krankenschwestern nicht mehr als Kostenfaktor, sondern als Leistungsträger angesehen werden. Genauso übrigens wie Verkäuferinnen, Polizisten, Lkw-Fahrer und all die anderen, die unseren Alltag am Laufen halten. Vielleicht sind die Chancen ja ein wenig gestiegen, dass systemrelevante Berufe in Zukunft auch systemrelevant bezahlt werden.

Utopisch? Mag sein. Doch Friedman sagte auch, in Krisen werde „das politisch Unmögliche politisch unvermeidlich“. Was geschehe, hinge von den Ideen ab, die gerade herumliegen. Nun, hier wären ein paar.

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Erstellt:
26. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 06:00 Uhr

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