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Eventus

Gutachten soll Vorwürfe klären

Ministerin Hoffmeister-Kraut sagt im Wirtschaftsausschuss zur insolventen Wohnungsbaugesellschaft aus. Es geht um Anlagebetrug und Fehler bei der Rechtsaufsicht.

19.04.2018

Von JÜRGEN SCHMIDT

Der einstige Firmensitz auf dem Stuttgarter Killesberg. Foto: Jürgen Schmidt

Stuttgart. Der Wirtschaftskrimi um die Stuttgarter Wohnungsgenossenschaft Eventus, die Anleger um mehr als 10 Mio. EUR betrogen haben soll, beschäftigt nun den Landtag. Auf Antrag mehrerer SPD-Abgeordneter musste sich Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gestern zu dem Fall im Wirtschaftsausschuss äußern. Denn das Ministerium hat die Rechtsaufsicht über den Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (VBW), der die Jahresabschlüsse der Genossenschaft geprüft hatte.

Die Opfer des mutmaßlichen Anlagebetrugs werfen dem VBW erhebliche Versäumnisse vor. Ob dies zutrifft, soll ein Gutachten der Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bansbach ermitteln, dass das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Auftrag gegeben hat, wie Hoffmeister-Kraut gestern parallel zur Ausschusssitzung in einer Presseerklärung mitteilen ließ.

Die Interessengemeinschaft Eventus, in der sich viele der bundesweit rund 450 Geschädigten zusammengeschlossen haben, wirft dem VBW vor, die Gründungssatzung der Eventus nicht geprüft zu haben und später zwar schwere Verstöße gegen das Genossenschaftsgesetz festgestellt, aber nicht darauf reagiert zu haben. So habe es der Prüfverband etwa versäumt, 2016 eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Damit hätten weitere Anleger davor bewahrt werden können, in die Genossenschaft zu investieren.

Auf die Reputation verlassen

So hatte ein Verein aus der Nähe von Stuttgart auf Empfehlung eines Vorstandsmitglied noch im März 2017 – ein knappes halbes Jahr vor der Insolvenz der Eventus – 50?000 EUR bei der Genossenschaft angelegt, erklärte ein Vereinsvertreter gestern am Rande der Wirtschaftsausschusssitzung. „Wir haben uns ganz auf die Reputation verlassen, die Genossenschaften eigentlich genießen“, sagte der Mann, der namentlich nicht genannt werden will.

Der VBW, der nach eigenen Angaben rund 300 Wohnungsunternehmen im Südwesten vertritt, darunter neben Genossenschaften auch viele kommunale Wohnbaugesellschaften, hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Ob der Prüfverband Fehler gemacht hat, wird wohl erst Ende des Jahres bekannt werden. Denn das Gutachten soll erst im 3. Quartal vorliegen und müsse dann noch intern geprüft werden, erklärte Hoffmeister-Kraut vor dem Wirtschaftsausschuss. Der SPD geht das Ganze deutlich zu langsam.

Offen ist auch wann die strafrechtlichen Ermittlungen wegen Betrugs gegen Verantwortliche und Mitarbeiter der Eventus zu einem Ende kommen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Gründer der Genossenschaft sitzt seit Herbst 2017 in Untersuchungshaft. Er hatte das Geschäftsmodell entwickelt.

Anders als normale Wohnungsgenossenschaften wollte das Unternehmen nie für die eigenen Mitglieder Wohnungen bauen und verwalten, sondern die Genossenschaft zum Geldanlage-Modell machen und versprach üppige Dividenden von bis zu 6 Prozent. Rund 10 Mio. EUR soll er auf diese Weise innerhalb von fünf Jahren eingesammelt haben. Übrig ist davon heute fast nichts mehr, wie der Insolvenzverwalter im Herbst erklärt hatte.

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Erstellt:
19. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. April 2018, 06:00 Uhr

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