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Apotheker-Gen im Blut

Günther Allmann ist Unternehmer, Berater und Arzneimixer in der dritten Generation

Günther Allmann ist Apotheker und schreckt vor innovativer Technik nicht zurück. Er liebt die Vielseitigkeit an seinem Beruf. Aber ihn drücken auch Sorgen.

11.08.2016
  • CAROLINE STRANG

Biberach. Der Einstieg ist fast immer gleich. „Hallo, ich hab da zwei Rezepte“, sagen die Kunden und strecken Günther Allmann rosafarbene Zettel entgegen. Der grüßt, lächelt und senkt den Blick auf den Bildschirm vor sich. Eigentlich mag er das gar nicht, sagt er. Da stehe der erwartungsvolle Kunde und er könne ihn nicht anschauen, sondern starre auf den Computer. „Aber wir müssen da einiges eingeben, das Medikament, die Krankenkasse und dann erst einmal schauen, welches wir rausgeben können.“

Allmann, Inhaber der Apotheke im ÄrzteHaus und der Allmanschen Apotheke in Biberach, mag den direkten Kontakt mit den Kunden. Seit 16 Jahren steht er hinter der Theke und kennt einige Kunden genau so lange. Da trifft es ihn durchaus, wenn eine oder einer ernsthaft krank wird. Er bekommt das ja alles mit, weiß, was gewisse Medikamente auf den rosa Zetteln bedeuten.

Er macht seinen Beruf gerne, sagt er. Er sei so vielseitig. Als Apotheker in der dritten Generation habe er den Beruf quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Sein Vater habe das sehr geschickt gemacht und ihn nie gedrängt, sagt der 41-Jährige. „Aber ich hab ihn immer bewundert in seinem weißen Kittel. Das sah gut aus zu den grauen Haaren.“ Er grinst. Der weiße Kittel ist Vergangenheit und wird nur noch im Labor benutzt. „Die weiße Hose ist nur noch eine Reminiszenz an den Kittel, damit man uns als Vertreter eines Gesundheitsberufs erkennt“, sagt er und lacht. Wann ein würdevoller grauer Haarschopf den Eindruck ergänzen wird, ist nicht klar, die Schläfen schimmern schon ein wenig heller. Sein neunjähriger Sohn wolle auch Apotheker werden, sagt er noch zur Familiengeschichte. „Mal sehen, ob er sich das in zehn Jahren noch vorstellen kann.“

Warum sein Job so vielseitig ist? Da ist der Kontakt mit den Kunden, die Beratungsgespräche, außerdem gibt es die Arbeit im Labor, auch wenn er das selbst nur noch selten macht. Dazu kommen die Aufgaben als selbstständiger Arbeitgeber, Buchhaltung, Personal, Marketing. Gerade das sei für viele Apotheker ein Problem, denn das Studium bis zur Approbation ist rein naturwissenschaftlich ausgerichtet. Das Wissen, wie man ein Unternehmen führt, müssen sich die Inhaber selbst aneignen. „Das merkt man, manche können einfach nicht rechnen“, sagt Allmann. 20 bis 30 Prozent der Apotheken, so schätzen Experten, rentieren sich nicht.

Damit seine Apotheke gut läuft, hat Allmann 100 000 EUR in ein automatisiertes Lager investiert. Die Pillenpackungen werden in einer Art Schrank vollautomatisch kategorisiert und eingeordnet – und wenn vorne an der Theke ein Mitarbeiter das Medikament per Computer anfordert, fällt es aus einem Ausgabeschlitz. Laut Allmann lohnt sich die Anschaffung. Das Ding sei ziemlich selten krank. Er wirkt zufrieden.

Zufrieden ist Allmann nicht mit allen Entwicklungen seine Branche. Die Aussage, Apotheker sollten sich nicht ständig beschweren, es gebe schließlich an jeder Ecke eine Apotheke, hält er schlicht für falsch. Man läge mit der Apothekendichte im europäischen Durchschnitt. Außerdem hätten alleine in Biberach in den vergangenen Jahren drei Apotheken dichtmachen müssen.

Nachwuchssorgen sieht der Apotheker vor allem bei den Filialleitern. Denn das Regierungspräsidium schreibt vor, dass ein Filialleiter zwei Drittel der Öffnungszeit in der Apotheke sein sollte. Das ergebe ungefähr eine 38-Stunden-Woche. Klingt unproblematisch, aber: „70 Prozent der approbierten Apotheker sind Frauen. Und wenn die Kinder kriegen, wollen sie oft keine 38 Stunden mehr arbeiten“, sagt er. Auf die Frage, ob er angesichts seiner oft niesenden und schnupfenden Kunden oft krank sei, antwortet er nicht ohne Stolz: „Ich habe noch keinen Tag wegen einer Erkältung gefehlt.“

Erst kürzlich habe er gelesen, dass Apotheker die Berufsgruppe mit den wenigsten Fehltagen sei. Woran das liegt? Man wisse, was man einnehmen kann. Er mag den Spruch, dass eine Erkältung mit und ohne Medikamente gleich lang dauert, nicht. Denn die Dauer sei nicht entscheidend. „Wichtig ist, wie es einem in dieser Woche geht, wie man sich fühlt.“ Und dabei könnte man mit Medikamenten durchaus einiges bewirken. Der Umgang mit Kranken härte ab, sagt er noch.

Der Vater dreier Kinder beschäftigt in seinen beiden Filialen sechs Apotheker und zwölf Pharmazeutisch-technische Assistenten. Er führt kurz ins Labor. Hier sieht es aus, wie es aussehen muss. Die dicken braunen Gläser mit Warnhinweisen, alles sonst steril und weiß. Oft ist er hier nicht mehr. Wo die Handschuhe sind, erfragt er von seiner Angestellten. Nur im Notdienst mixt er noch selbst.

Allmann kommt bei Weg zurück nicht an der Theke vorbei. Ein Kunde sieht ihn erwartungsvoll an, schon steht er wieder am Computer. „Ich hab da ein Rezept gekriegt“, sagt der Kunde. Allmann nickt und beugt sich über den Bildschirm. „Das kann ich Ihnen bestellen, es ist heute Abend da“, erklärt er. Dann kommt eine Mutter. Sie will eine Hautcreme fürs Kind. Aber nicht irgendeine. Sondern nur eine mit umfassender Beratung.

Gerade junge Mütter wollen oft ganz genau wissen, was ihrem Kind verabreicht wird, sagt Allmann. Besonderen Beratungsbedarf haben auch ältere Menschen. „Aber das hat dann ja auch eine soziale Komponente, das macht man gerne.“ Sagt's – und schon wartet der nächste Kunde mit rosa Zetteln in der Hand.

Wie wird man Apotheker?

Studium Apotheker wird man nach einem Studium der Pharmazie. Ein achtwöchiges Praktikum im Grundstudium vor dem ersten Staatsexamen ist Pflicht, wovon mindestens vier Wochen in einer Öffentlichen Apotheke absolviert werden müssen. Das zweite Praktikum findet ein Jahr nach dem zweiten und vor dem dritten Staatsexamen statt. Es dauert ein ganzes Jahr. Davon muss auch wieder die Hälfte in einer Apotheke absolviert werden und die andere Hälfte wahlweise in einer Apotheke oder einer anderen pharmazeutischen Einrichtung wie der Industrie, einem Krankenhaus oder einer Universität. Danach kommt das dritte Staatsexamen und bei Bestehen die Approbation als Apotheker bei der Behörde. ⇥cast

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11.08.2016, 06:00 Uhr
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