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Energie

Günstiges schwarzes Gold

Heizöl ist so günstig wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Preise könnten noch weiter fallen. Mit dem Kauf zu warten, ist nicht ohne Risiko.

15.05.2020

Von CAROLINE STRANG

Zwar kommen die niedrigen Öl-Preise nicht immer voll beim Kunden an, billiger ist das Öl derzeit aber in jedem Fall. Foto: Patrick Pleul/dpa Foto: Patrick Pleul/dpa

Ulm. Die Zahlen zeigen die Entwicklung deutlich: Der Durchschnittspreis für einen Liter Heizöl in Deutschland lag am gestrigen Donnerstag bei 48,1 Cent. Das ist 3 Prozent günstiger als am Mittwoch, 6,4 Prozent günstiger als vor einer Woche, 10,9 Prozent günstiger als vor einem Monat und 32,2 Prozent günstiger als vor einem Jahr. Im Mai 2019 lag der Preis damit gut 20 Cent über dem aktuellen Wert. Damit ist eine neue Preistiefmarke seit September 2016 gesetzt.

„Das sind Kaufpreise“, sagt Christina Wallraf, Energiemarktreferentin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Phase der sehr niedrigen Heizölpreise dauere nun schon zwei Monate an. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen.

Warum die Preise so günstig sind, erklärt Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands Deutschland (MWV): „Es spielen zwei Faktoren eine Rolle: Die Corona-Krise hat weltweit zu einem erheblichen Nachfragerückgang nach Öl geführt. Zum anderen besteht trotz der von der OPEC für Mai angekündigten Produktionskürzungen nach wie vor ein weltweit hohes Ölangebot.“ Geringe Nachfrage, großes Angebot – das drückt auf den Ölpreis und damit auch auf die Produktpreise.

Die günstigen Preise beim Produkt Heizöl wiederum führen gerade auch bei Privathaushalten zu einer hohen Nachfrage und teilweise zu regionalen Angebotsverknappungen und überhöhten Margen bei den Händlern, wie Verbraucherschützerin Wallraf berichtet. „Die niedrigen Preise kamen nicht vollständig bei den Verbrauchern an.“ Der Markt normalisiere sich langsam, aber teilweise könne es immer noch zu zu hohen Preisen kommen.

Eine gewisse Preisdifferenz zwischen Nord- und Süddeutschland sei dabei normal, „da der Norden logistisch durch die Häfen sehr gut an die Ölversorgung angeschlossen ist“. Nach Süddeutschland fallen daher höhere Transportkosten an. Zudem sind Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland heizölstärkere Regionen, ungefähr jeder Dritte heizt hier mit Öl, erklärt Wallraf. Zum Vergleich: In Brandenburg und Sachsen heizten 2019 rund 13 Prozent mit Öl, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern um die 17 Prozent. Daher könne es im Süden schneller zu einer kurzfristigen Angebotsverknappung kommen.

Doch sollten Ölheizungsbesitzer nun wirklich kaufen oder lieber noch ein wenig warten? Klar ist, dass viele derzeit zuschlagen. Das Branchenportal „Tecson“ schrieb gestern: „Boomartig ist die Bestellneigung der Verbraucher jetzt wieder hochgeschnellt.“

Selbst Experten sind unsicher, wie es mit dem Preise weitergeht. „Ob es mit den Preisen wieder ein bisschen anziehen oder ob es erneut Tiefstpreise an den Ölbörsen geben wird, ist nicht vorhersehbar“, sagt Christina Wallraf. Die Rohölpreise könnten sich langsam stabilisieren, wenn die weltweite Nachfrage wieder anzieht, vermutet sie. Auf der anderen Seite sei der internationale Ölmarkt weiter überversorgt, und es sei noch nicht klar, ob die Reduktion der Ölfördermengen ausreiche, um die Preise stabil zu halten. „Wenn die Rohöllager randvoll werden, könnte es erneut zu Preisabstürzen kommen – und damit auch zu noch niedrigeren Heizölpreisen.“ Sie fasst zusammen: „Wer jetzt tankt, tankt günstig – so günstig wie zuletzt vor drei Jahren. Es ist aber auch ein guter Zeitpunkt, um auf noch niedrigere Preise in den kommenden Wochen zu spekulieren.“ Christian Küchen spekuliert lieber nicht. Er sagt nur: „Am Ölmarkt gibt ist immer wieder Überraschungen.“

Sich wegen der niedrigen Preise nun eine Ölheizung anzuschaffen, hält Wallraf allerdings für unsinnig: „Nein, auf keinen Fall, weder aus finanziellen noch aus ökologischen Gesichtspunkten ist das eine gute Option.“

Die Entwicklung der Heizölpreise.

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Erstellt:
15. Mai 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Mai 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2020, 06:00 Uhr

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