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Beim zehnten Mössinger Mostseminar in der Kulturscheune kürten die Teilnehmer den besten Most des Steinlachtals

„Gülden wie Mittelstrahlurin“

Am besten sortenrein und bloß kein Mädlesmost: Rund 90 Liebhaber des säuerlichen Schwabentrunks probierten sich am Freitag durch 20 heimische Mostsorten.

20.04.2015

Von Susanne Mutschler

Mössingen.Es gebe Trinklieder über den Wein und Sauflieder über das Bier, aber in der ganzen klassischen Musikliteratur nichts über den Most, bedauert Michael Niethammer vom Verein Kulturcafé Chamäleon. Gemeinsam mit dem Mössinger Obst- und Gartenbauverein und dem Netzwerk Streuobst hatte das Café am Freitag zum Mostseminar eingeladen.

Diese musikalische Lücke sei nun endlich geschlossen, kündigte Niethammer an: Das Männer-Quartett „Chor der Mönche“ habe ein Lied über den alkoholischen Seelentröster aus vergorenen Äpfeln und Birnen komponiert. Zusammen mit Wolfgang Vogt, Herbert Carl und Volker Siegle besang Niethammer die Farbe des Mostes („gülden wie Mittelstrahlurin“) und seine zu den Schwaben passende Charaktereigenschaft („er schafft von ganz alleine“). In einem kleinen Fachvortrag erläuterte er, woher der Most seine herbe Süße bekommt – und warum sie manchmal fehlt. Die spärlichen Sonnenstunden im vergangenen August hätten verhindert, dass sich über die Photosynthese ausreichend Zucker in den Früchten speicherte. 2014 seien die Äpfel- und Birnen einfach nur „liedrich“ gewesen, zitierte Niethammer die Einschätzung des Mössinger Mostereibesitzers Hermann Streib.

Der knappe Zuckergehalt der vergangenen Ernte tat der Laune der Mostseminaristen keinen Abbruch. Zu jedem der vielstrophigen Lieder, die Christoph Hermann auf seinem Akkordeon spielte, versuchten die Tischrunden eine neue Sorte. „Ein ehrlicher Most sollte einem die Backen nach innen ziehen“, urteilte Jörg Wagner aus Belsen zufrieden bei einer besonders räsen Variante, bei der möglicherweise mit Zitronensäure nachgeholfen wurde. Wagner hat sich im vorigen Jahr seine eigene Mostpresse gebaut, mit der er sortenreinen Most herstellt. Einen mit Holunderblüten versetzten, an Muskattrauben erinnernden, zart moussierenden Most bezeichnete Hanne Wick aus Mössingen abfällig als „Mädlesmost“.

Noch gibt es für das Mosten keine Reinheitsgebote. Eine Mischung von Äpfeln und Birnen ist üblich, auch Quitten, die die Gerbsäure dämpfen sollen, sind erlaubt, und ein Schuss Rotwein darf die Farbe verstärken. Ein besonders feines Mostaroma sei ihr einmal durch die Zugabe von blauen Trauben gelungen, erzählt Wick. Die Publikums-Jury bewertete streng nach Farbe, Geruch und Geschmack. Die Einschätzung jedes Trinkers und jeder Trinkerin zählte. Prüfend schwenkten die Verkoster die gelbliche Flüssigkeit in ihren kleinen Gläsern, hielten sie gegen das Licht, schnüffelten gewissenhaft und ließen schließlich kleine Schlucke vorsichtig über die Zunge gleiten. Während Christoph Hermann Seemannslieder spielte, die Tiroler Holzhackerbuam schuhplatteln und die Bergvagabunden in schwindelnde Höhen klettern ließ, probierten sich die Mostfreunde tapfer durch alle 20 eingereichten Sorten.

In der Gesamtauswertung erreichte der Most von Wilhelm Eissler aus Talheim den dritten Platz. Am zweitbesten fand man den von Reiner Gaub aus Talheim. Die höchste Punktzahl bekam der Most von Willi Schmalz aus Gomaringen. Er habe nur vollreifes, sauberes und spätes Obst genommen, erklärte er. Vom Schönen des Mosts hält er nicht viel: „Dabei geht das Aroma verloren.“

Bewertung nach Farbe, Geruch und vor allem nach Geschmack: Brigitte Hahn vom Netzwerk Streuobst schenkt der kritischen Most-Jury in der Mössinger Kulturscheune nach. Bild: Mutschler

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Erstellt:
20. April 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. April 2015, 12:00 Uhr

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