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Umjubelter Kretschmann

Grünen-Spitzenkandidat mit Traumergebnis - Asylkompromiss verteidigt

So viel Einigkeit ist bei den Grünen selten: Mit 97 Prozent hat die Partei Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Spitzenkandidaten gekürt. Der verteilt auffallend viel Lob an den Koalitionspartner.

12.10.2015
  • ANDREAS BÖHME

Pforzheim Da muss er erstmal schlucken. Und sieht ganz nachdenklich aus, der Winfried Kretschmann. 97 Prozent? Mit diesem absoluten Traumresultat haben ihn die Grünen soeben erneut auf den Schild gehoben. Der Parteitag jubelt und klatscht und pfeift, aber der 67-Jährige fängt sich rasch und versucht, Journalisten gegenüber zu deeskalieren: "Das ist nur an einem Tag von Interesse, das wird überschätzt." Angesichts seiner grünen Lebenserfahrung sei eine derartige Zustimmung zwar ungewohnt, doch die Partei habe halt zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten, hinter den sie sich stellen kann. Und dann, fast schüchtern: "Aber schön ist es."

Zuvor hatte Kretschmann mehr als eine Stunde Bilanz gezogen. Besonders breiten Raum nahm die aktuelle Flüchtlingspolitik ein. Damit habe er seiner Partei viel zugemutet: "Ich weiß, dass es manchem von Euch nicht leicht fällt, Bestandteile der Kompromisse mitzutragen, die ich mit der Kanzlerin und anderen Ministerpräsidenten ausgehandelt habe." Aber gemeinsames Handeln gehe vor parteipolitischer Profilierung. Der Konsens der Demokraten sei ein Wert an sich, "und dafür ist der Geist der Kompromissbereitschaft unerlässlich." Was es allerdings nicht gebe, sind "einfache, schnelle Lösungen".

Mit Kritik an der CDU hält sich Kretschmann zurück, deutlicher wird Thekla Walker, die Landesvorsitzende: Sie lobt einerseits die "klare und menschliche Haltung Angela Merkels"; der CDU-Herausforderer Guido Wolf andererseits bewege sich nahe am "Pegida-Sound". Die Geister, die er rufe, werde die Union nicht mehr los, warnte Walker, da müsse man sich nur die Umfragewerte der AfD anschauen. Demoskopen sehen die Rechtspopulisten derzeit deutlich über fünf Prozent. Der Bundesvorsitzende Cem Özdemir nannte als "abschreckendes Beispiel das Nachbarland Österreich, wo demokratische Parteien ebenfalls die Sprache der Rechten übernehmen".

Dem derzeit schwächelnden Koalitionspartner nimmt sich Kretschmann hingegen in besonderer Weise an: Er bedankt sich namentlich nicht nur bei den grünen, sondern auch den SPD-Ministern - Politik sei ja schließlich ein Mannschaftssport. Seinen Vize lobt er ganz besonders: "Herzlichen Dank, lieber Nils Schmid, Du bist der erfolgreichste Finanz- und Wirtschaftsminister, den Baden-Württemberg je hatte."

Unterstützung findet Kretschmanns erneute Alleinkandidatur auf vielen Seiten: "Wir brauchen mehr Politiker aus dem Holz, aus dem man bei uns Ministerpräsidenten schnitzt", sagt der Realo Özdemir, der seinen Wahlkreis in Stuttgart hat. "Wir regieren mit Augenmaß, dafür stehst Du als Person", befindet der Landesvorsitzende Oliver Hildenbrand vom linken Flügel.

Und in Stuttgarter Honoratiorenschwäbisch näselt OB Fritz Kuhn: "Mir wär's scho arg räecht, wenn dr näggschde Minischterpräsident Winfried Kretschmann hoißt. Des isch dr rächte Maa in dr Staatskanzlei." Edith Sitzmann schließlich, auf die Kretschmann große Stücke hält, bilanziert die Leidenschaft, mit der Kretschmann seit 35 Jahren dicke Bretter bohre. Erfolgreich, findet die grüne Fraktionschefin: "Ich bin froh, dass nicht nur wir Grüne mit Winfried Kretschmann zufrieden sind, sondern auch die Bürger." Aktuellen Umfragen zufolge goutieren zwei Drittel der Baden-Württemberger Kretschmanns Politik.

Grünen-Spitzenkandidat mit Traumergebnis - Asylkompromiss verteidigt
Anpacken statt Parteipolitik: Winfried Kretschmann warb dafür, manche grüne Überzeugung dem Konsens der Demokraten unterzuordnen. Foto: dpa

Partei Thekla Walker und Oliver Hildenbrand bleiben Landesvorsitzende der Südwest-Grünen. Der Landesparteitag in Pforzheim bestätigte beide am Samstag in ihren Ämtern. Die 46 Jahre alte Walker, die zum realpolitischen Flügel der Partei zählt, erhielt 87,3 Prozent und verschlechterte sich damit leicht im Vergleich zu 2013 (88 Prozent). Hildenbrand (27), ein Parteilinker, erreichte 92,6 Prozent und verbesserte damit sein Ergebnis von 2013 (81,5 Prozent). dpa

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12.10.2015, 12:00 Uhr
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