Fair Trade auch für Grabsteine

Grüne wollen Friedhofssatzung ändern

Fair Trade soll auch für Grabsteine gelten. Die Grünen fordern daher eine neue Regelung in der Friedhofssatzung. Kinderarbeit soll verhindert werden.

04.01.2013

Von SEB

Stuttgart Auch auf den Friedhöfen in der Landeshauptstadt hat die Globalisierung Einzug gehalten. Viele Granitblöcke für Grabsteine stammen aus Brasilien, China oder Indien. Um sicherzustellen, dass die hiesigen Steinmetze - auch unwissentlich - keine Kinderarbeit unterstützen, fordern die Grünen eine Änderung der städtischen Friedhofssatzung. Ihr Ziel ist es, dass nur noch fair produzierte Grabsteine verwendet werden dürfen.

Nachdem der Landtag von Baden-Württemberg die Änderung des Bestattungsgesetzes grundsätzlich ermöglicht hat, soll das sogenannte Fair Trade auch auf Stuttgarts Friedhöfen eingeführt werden. Sprich Grabsteine und Grabeinfassungen müssten infolge dessen aus fairem Handel stammen. Den Nachweis, dass sie ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der Konvention 182 der internationalen Arbeitsorganisation gefertigt werden, soll laut Grünen-Stadtrat Peter Pätzold gültige Zertifikate erbringen. Eine entsprechende Liste soll vom Städtetag gemeinsam mit dem Bundesinnungsverband der Steinbildhauer, dem Spitzenverband der Deutschen Natursteinwirtschaft und Nichtregierungsorganisationen erarbeitet werden.

Hagen Dilling vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt gibt dem Antrag grundsätzlich grünes Licht. "Wir stehen der Forderung, die schon häufiger diskutiert wurde, aufgeschlossen gegenüber und rechnen damit, die Vorlage im Laufe des Jahres an den Gemeinderat übergeben zu können." Bis dahin gelte es noch die Umsetzung, entsprechende gesetzliche Regelungen und Richtlinien sowie Detailfragen zu prüfen.

Steinmetzmeister Dieter Häberle aus Steinhaldenfeld und sein Kollege Thomas Breier aus Untertürkheim begrüßen eine mögliche Satzungsänderung ebenfalls, sind jedoch skeptisch, ob Fair Trade wirklich kontrolliert werden kann. "Den Nachweis von Lieferanten und Großhändlern, dass die Steine ohne Kinderarbeit hergestellt werden, können wir heute schon unaufgefordert vorlegen." Was aber wirklich in Ländern wie Indien oder China passiere, sei nur schwer zu überprüfen. Kinder würden zwar sicher nicht an den großen Maschinen beim Zuschnitt der Granitblöcke eingesetzt, dafür aber in Steinbrüchen. "Und davon gibt es Tausende." Auch die anschließenden Transportwege zu den Fabriken seien verzweigt und nur schwer zu überschauen.

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Erstellt:
4. Januar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Januar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Januar 2013, 12:00 Uhr

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