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Sind Tübinger Tierversuche unerlässlich?

Grüne fordern eine strengere Prüfung der Affenversuche

Den Ausstieg aus Tierversuchen mit Primaten schrieben die Grünen in ihrem Wahlprogramm zur Landtagswahl fest. Weil ein generelles Verbot rechtlich nicht möglich sei, soll stattdessen im Genehmigungsverfahren intensiver geprüft werden, fordern der Tübinger Abgeordnete Daniel Lede Abal und andere Grüne im Landtag.

11.02.2014

Von Angelika Bachmann

Tübingen. An drei Tübinger Instituten wird mit Primaten geforscht und experimentiert. Die Wissenschaftler vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik sind mittlerweile nicht nur im Visier von Tierschützern. Auch Politiker haben sich immer wieder bei den Wissenschaftlern erkundigt: Woran wird geforscht? Unter welchen Bedingungen werden die Tiere gehalten? Und: Sind die Versuche wirklich unerlässlich?

Auch die Grünen haben sich Anfang 2013 von den Tübinger Forschern deren Arbeit erläutern lassen. Der Tübinger Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal hat nun zusammen mit anderen Grünen-Vertretern der Arbeitskreise Ländlicher Raum (Tierschutz) und Wissenschaft ein Positionspapier erarbeitet. Darin wird eine intensivere Prüfung von Tierversuchen im Genehmigungsverfahren gefordert. Das Positionspapier wurde am Dienstagabend bei einem tierschutzpolitischen Treffen erstmals öffentlich vorgestellt.

Die Belastung besser dokumentieren

Ein generelles Verbot von Tierversuchen mit Primaten für die neurologische Grundlagenforschung sei derzeit rechtlich nicht möglich, sagte Lede Abal im Gespräch mit dem TAGBLATT. Deshalb richtet man das Augenmerk auf das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium. Die Behörde muss zur Genehmigung bereits bisher den möglichen wissenschaftlichen Nutzen gegen die Belastung der Tiere abwägen und hat zu diesem Zweck eine Ethik-Kommission eingesetzt. In diesem Verfahrensschritt sieht Lede Abal noch „Defizite“.

Es sei bislang viel zu wenig dokumentiert, welchen Belastungen die Tiere während der Versuche und auch in der Tierhaltung ausgesetzt seien, so Lede Abal. Zudem sollte es eine „Nutzenabschätzung“ der Tübinger Versuche geben. Nicht nur Tierschützer, sondern auch Wissenschaftler stellten immer wieder infrage, dass die Ergebnisse der Primatenversuche auf den Menschen übertragbar seien.

Die Grünen-Initiative unterstützt deshalb die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger in ihrer Forderung nach einem „Fachforum Primaten“. Dieses soll die ethische Vertretbarkeit der Tübinger Tierversuche und ihre Unerlässlichkeit „kritisch prüfen“. Unterstützt werden könnte ein solches Fachforum durch externe Gutachten.

Bei einer Grünen-Anhörung zum Thema Tierversuch im November 2012 hatte der Konstanzer Neuropsychologe Thomas Elbert einen generellen Verzicht auf Tierversuche mit Primaten aus ethischen Gründen gefordert. Auch wenn ein solcher Verzicht immer auch einen Verlust an Wissen mit sich bringe: Der Erkenntnisverlust sei nicht so dramatisch, als dass er die Forschung an Primaten rechtfertigen würde.

Dem hält der Leiter des Tübinger Exzellenz-Clusters in den Neurowissenschaften, Prof. Peter Thier entgegen: Alternative Methoden zu Tierversuchen seien hochwillkommen. „Trotzdem müssen wir auch akzeptieren, dass Fragen zu komplexen systemischen Eigenschaften eines Organismus noch nicht an isolierten Geweben oder mit Hilfe von Computersimulationen untersucht werden können.“ Ohne Tierversuche könne das Potenzial der biomedizinischen Forschung nicht umgesetzt werden.

Eine neue Dimension erhielten Tierversuche, seit es der Wissenschaft möglich ist, transgene Tiere zu züchten. Dabei werden die Erbanlagen etwa von Mäusen oder Schweinen gezielt verändert. So entwickeln zum Beispiel genetisch veränderte Mäuse Diabetes oder andere Stoffwechselerkrankungen oder Ratten werden demenzkrank, erklärt die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. Die Möglichkeiten, solche Tiere zu züchten, animierten natürlich dazu, an diesen Tieren zu forschen. Auch so sei die permanente Zunahme von Tierversuchen zu erklären. In der Wissenschaft werden diese Versuchstiere häufig als „Tiermodell“ bezeichnet. Ein Begriff, den Jäger problematisch findet: „Es verdinglicht das Lebewesen und bringt uns weg davon, empathisch zu sein.“ Tübingen : Tierversuchsgegner distanzieren sich von Anfeindungen gegen Forscher 07.05.2015 Hunderte Wissenschaftler haben schon unterzeichnet : Internetaufruf: Solidarität mit Hirnforscher Logothetis 07.05.2015 Tübingen : Wissenschaftler stellen sich hinter Hirnforscher 06.05.2015 Kein Ende der Versuche: Affenversuche könnten nach 2019 weitergehen / Max-Planck-Institut stoppt Umbau 06.05.2015 Tübingen: Versuche an Affen sind weiter möglich 06.05.2015 Kommentar · Tierversuche: Von Primaten und Formaten 05.05.2015 Stuttgart: Ministerin Bauer: Tierversuche weiter nötig 05.05.2015 München/Tübingen: Max-Planck-Gesellschaft will an Affenversuchen festhalten 04.05.2015 Tübinger Forscher stellen Affenversuche ein: Künftig Experimente nur noch mit Nagetieren - OB Palmer bedauert Entscheidung 04.05.2015 Hirnforscher Nikos Logothetis beendet seine Arbeit mit Affen: Max-Planck-Direktor will nur noch Versuche mit Nagetieren machen 01.05.2015 Soko Tierschutz: Material wurde anonym zugespielt: Weitere Bilder zu Affenversuchen veröffentlicht 17.12.2014 Tübingen : Behörde: Ergebnisse zu Affenversuchen erst im Januar 16.12.2014 Umschauen verboten: Gegen Drohnen und Tierversuche - 30 Teilnehmer bei Demonstration vor dem MPI 05.10.2014 Kriterien für Tierversuche: Kuratorium des Max-Planck-Instituts nennt Bedingungen und verteidigt Forscher 04.10.2014 Selten so schockiert: Primatenforscherin Goodall zu MPI-Experimenten 29.09.2014 Tübingen : Behörden prüfen Stellungnahme zu Tierversuchen am Max-Planck-Institut 24.09.2014 Krähe mit Steckdose: Tierschützer kritisieren Forschung an der Uni 24.09.2014 Schockierende Bilder: Palmer gab im Gemeinderat eine Stellungnahme zu den Affenversuchen ab 24.09.2014 Polizei sucht den Täter: Steinwurf auf Palmer bei Tübinger Demo gegen Tierversuche 22.09.2014 Sirenengeheul gegen Affenversuche: Tierschützer mobilisierten 1000 Teilnehmer für Demo - Auch Tübinger Grüne protestierten mit 21.09.2014 Kommentar Demo: Aggressionen schaden dem Tierschutz 21.09.2014 Stein trifft Palmer: Tierschützer bedrohen OB und MPI 21.09.2014 Laut Polizei nur Verkehrsbehinderungen bei Tierschützer-Demo - OB berichtet von Steinewerfer: Bis zu 1200 Teilnehmer bei der Kundgebung gegen Tierversuche 20.09.2014 Tierschützer bemängeln die Aufklärung: Stratmann und Palmer weisen Vorwürfe zurück / Bericht soll bald ans Regierungspräsidium gehen 19.09.2014 Kommentar Tierversuche: Normalzustand: Implantat im Kopf 20.09.2014 Konstanzer Professor im Interview zu den Tübinger Tierversuchen: Schluss mit der Augenwischerei 19.09.2014 Umstrittene Affenversuche: Tübinger Max-Planck-Institut beantragt vorerst keine Primaten-Experimente mehr 19.09.2014 Viel Augenwischerei: Der Biologe Marcel Leist zur Debatte um Affenversuche 19.09.2014 Keine neuen Versuche am Tübinger Max-Planck-Institut: Erste Folgen der Debatte um Forschung an Affen 18.09.2014 Kurzfristige Kontrolle: Debatte um MPI-Versuchsaffen geht weiter 18.09.2014 Keine Hinweise auf Verstöße: Stefan Treue zur Situation der Versuchstiere am Max-Planck-Institut 17.09.2014 Gutachter soll Vorwürfe gegen Max-Planck-Institut für Kybernetik klären: OB Palmer in der Kritik bei der Tierversuchs-Debatte 15.09.2014 Regierungspräsidium fordert Auskunft über Affenversuche: Fragenkatalog ans Max-Planck-Institut geschickt 15.09.2014 Viele Fragen zu Affen-Versuchen: Regierungspräsidium lud Max-Planck-Institut zum Gespräch 13.09.2014 Grüne stellen Tübinger Affenversuche grundsätzlich infrage: Parteivorsitzende fordert Aufklärung vom Max-Planck-Institut 12.09.2014 Versuchstiere gefilmt: Tierschützer schleuste sich im Tübinger Max-Planck-Institut ein 11.09.2014 Hochschule erntet Kritik: Uni Hohenheim will zwei neue Labore für Tierversuche bauen 11.08.2014 Stuttgart: Neun Prozent weniger Tierversuche 09.08.2014 Stuttgart : Seit 2011 gut 15 Prozent weniger Tierversuche im Land 07.08.2014 Enormer Aufwand: Haller-Haid: Tierversuche sind notwendig 13.02.2014 Sind Tübinger Tierversuche unerlässlich? : Grüne fordern eine strengere Prüfung der Affenversuche 11.02.2014 Kommentar: Troia und der Streit um Tierversuche 12.02.2014 Forschen mit weniger Qual: Wissenschaftler sucht Alternativen zu Tests mit lebenden Tieren 04.02.2014 Tierrechte vor Wissenschaft: 200 Tierschützer demonstrierten gegen Affenversuche 06.05.2013

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Erstellt:
11. Februar 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Februar 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2014, 12:00 Uhr

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