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TÜBINGEN

Grüne: Streit wegen Arminia

(ran). Gereizte Stimmung bei den Grünen: Landtagsfraktions-Chef Winfried Kretschmann spricht heute Abend bei der Straßburger Burschenschaft Arminia – obwohl der Partei-Nachwuchs und die Tübinger Basis gegen den Auftritt Sturm laufen. Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid äußerte sich gestern empört.

23.11.2006

„Kehrt die Gesellschaft der Politik den Rücken? Parteien-, Politik- oder Staatsverdrossenheit?“ ist das Thema des Vortrags, den der Grünen-Fraktions-Chef heute von 20 Uhr an im Verbindungshaus in der Gartenstraße hält. „Entweder Kretschmann ist völlig uninformiert, oder er übertreibt es mit der schwarz-grünen Annäherung“, tadelt Rita Haller-Haid, der es „kalt den Rücken runter“ läuft, wenn sie sich die Web-Sites der Arminia oder ihres Dachverbandes, der „Deutschen Burschenschaft“, anschaut.

Die Grüne Jugend Baden-Württemberg stuft die Straßburger Arminia als „rechtskonservative bis rechtsnationale Burschenschaft“ ein. Fechtwettkämpfe und Wettbesäufnisse gehörten „zur gängigen Praxis“, der Dachverband sei dem nationalistischen Spektrum zuzuordnen. Zwar müssten sich Demokraten bemühen, extremistische Gesinnung auch in Diskussionen zu bekämpfen. Es gehe aber zu weit, Vereine, in denen „kein Platz für zentrale demokratische Werte“ sei, durch Besuche von Spitzenpolitikern aufzuwerten. Auch die Tübinger Grünen-Hochschulgruppe und der Kreisverband fürchten, „Bereitschaft zum kritischen Dialog“ werde ausgenutzt, um sich „einen harmlosen, demokratischen Anstrich zu verpassen“.

Kretschmann selbst hält die Arminia für rechtskonservativ, aber nicht rechtsradikal. Um jemanden aus der „demokratischen Diskursgemeinschaft“ auszuschließen, müssten „ganz schwerwiegende Gründe“ vorliegen. Er hielte es für unverantwortlich, die Verbindung in eine extremistische Ecke zu stellen – möge sie auch „merkwürdige Sachen“ vertreten. Ihre „atavistisch anmutenden männerbündlerischen Riten“ findet der Landtagsfraktions-Chef „eher skurril“.

Boris Palmer lehnte es vergangenes Jahr ab, bei der Burschenschaft aufzutreten. Grund war der Wunsch einer Kreismitgliederversammlung – aber auch das Thema. Er hätte mit Wissenschaftsminister Peter Frankenberg über Studiengebühren diskutieren sollen – kein grünes Kernanliegen. „Wenn ich eingeladen worden wäre, um mit der CDU-Umweltministerin zu diskutieren, wäre ich trotz des Basis-Votums hingegangen“, sagt Palmer. Es dürfe „keine demokratie- und argumentefreien Räume geben“, die Arminia sei zwar „ein kritikwürdiger Verein, aber kein demokratiefeindlicher oder neonazistischer“.

Grüne: Streit wegen Arminia
W. Kretschmann

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23.11.2006, 12:00 Uhr
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