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Ohne Team kein Zauber

Großillusionisten ließen schon einen Bus erscheinen

Eigentlich sind Marc & Alex zu acht. Denn so viele Leute braucht es mindestens, um die aufwändigen Zaubershows auf die Bühne zu bekommen.

04.05.2011

Von frank rumpel

Rottenburg. Die aus Wurmlingen stammenden Großillusionisten Marc und Alex lassen Frauen erscheinen und verschwinden, lassen sie schweben und unversehrt aus einer Kiste steigen, die sie zuvor mit Speeren durchbohrten. Einmal zauberten sie einen großen Reisebus auf die Bühne, ein ander- mal ließen sie einen Motorradfahrer samt seiner Ducati Richtung Bühnenhimmel entschwinden und zwei Sekunden später durch das Haupttor der Halle wieder hereinfahren. Sie setzen auf Geschwindigkeit, packen schon mal acht Illusionen in siebeneinhalb Minuten. Genau so lange dauerte ihr Auftritt vor fünf Jahren bei der Weltmeisterschaft in Stockholm, wo sie den dritten Platz machten.

Doch all diese Illusionen funktionieren nur mit einem eingespielten Team, von dem ein Teil im Verborgenen hinter der Bühne schuftet, im richtigen Augenblick die Pyrotechnik zündet, Requisiten umbaut und vorbereitet. „Genau das ist der Job: dass man uns nicht sieht“, sagt Andreas Schultz, der bei den Auftritten für die Regie zuständig ist und schränkt auch gleich ein: „Wir haben nicht unbedingt das Bedürfnis, mit auf der Bühne zu stehen. Man braucht auch keinen unmittelbaren Publikumskontakt, um das gute Gefühl nach einem gelungenen Auftritt mitzubekommen.“ Sein Backstage-Kollege Jochen Gruber ergänzt: „Für mich ist es immer komisch, wenn ich mal nach vorne muss.“

Zumal es während einer Show hinten reichlich zu tun gibt. „Da geht es ziemlich hektisch zu“, sagt Gruber. „Da darf nichts und niemand im Weg stehen.“ Denn damit vorne auf der Bühne alles perfekt passt, muss der Ablauf dahinter ebenso genau abgestimmt sein. „Wenn ich eine brennende Fackel zur Seitenbühne werfe, weiß ich, dass da einer steht und sie auffängt“, macht der 35-jährige René Leger, alias Marc deutlich, wie genau das Zuspiel sein muss.

Damit es so gut funktioniert, proben die Illusionisten mit ihrer Crew mindestens einmal pro Woche, vor großen Auftritten auch mehrfach - trotzdem alle berufstätig sind. Die Zauberei ist nach wie vor ein Hobby, wenngleich ein aufwändiges. Sich mit einem so großen Team selbstständig zu machen würde ohne festes Engagement gar nicht funktionieren, sagt Marc, ein gelernter Bankkaufmann. Und sein 36 Jahre alter Bühnenkollege und gelernter Zimmermann Matthias Neu, alias Alex, sagt: „Für ein Hobby ist es eigentlich zu groß und um davon zu leben, zu wenig.“

Marc und Alex bauen all ihre Illusionen gemeinsam mit dem Backstage-Team selbst. „Wir setzen da viel eigene Ideen um“, sagt Marc. Einige der Illusionen gäbe es, zumindest so ähnlich, zwar auch von der Stange. „Aber das wollen wir nicht.“ Auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten muss es sein, zumal sich eine Nummer im Lauf der Jahre verändert. So zeigten Marc und Alex, die im Vorjahr ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feierten, bei ihrer ersten Show eine auf den Entfesslungskünstler Houdini zurückgehende Fluchtkiste: Der eine steigt hinein und Sekunden später der andere heraus. Diesen Personentausch haben die beiden noch heute im Programm, doch hat die Kiste nichts mehr mit der von damals gemein. „Mittlerweile gehören wir bei diesem Trick weltweit zu den Schnellsten“, sagt Alex.

Mittlerweile füllen die Requisiten eine 400 Quadratmeter große Halle, in der auch geprobt wird. Wenn Marc und Alex bei einer großen Gala auftreten, brauchen sie fünf Lastwagen, um die Requisiten zu transportieren. Wobei die technischen Tricks das Eine sind. „Was einen von den Kollegen absetzt, ist die Show“, sagt Marc. Von der lassen sich auch die Akteure selbst nach wie vor verzaubern. „Für uns ist es das Ausleben einer Leidenschaft und die nutzt sich genau so wenig ab, wie das Lampenfieber vor einem Auftritt“, sagt Alex. Die Assistentin Rosine Boisgerault, die auch für die Choreographie und die Kostüme zuständig ist, findet es auch nach über zehn Jahren „ein Wahnsinnsgefühl bei einer Illusion auf der Bühne zu schweben“. Dabei liegt sie unter einem Tuch vier Meter über dem Bühnenboden in der Luft. Wenn Marc das Tuch wegzieht, ist auch die Assistentin verschwunden. „Solchen Augenblicken fiebert man als Illusionist entgegen“, sagt Marc. „Da kriege ich auf der Bühne noch jedes Mal eine Gänsehaut.“

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Erstellt:
4. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Mai 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Mai 2011, 12:00 Uhr

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