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Leitartikel · Brexit

Großes Theater

Vieles im Brexit-Theater erinnert an „Ende gut, alles gut“ – eine Shakespeare-Komödie voller Täuschungen, Intrigen und doppeltem Spiel.

30.03.2017
  • HENDRIK BEBBER

Der grobe Abriss der bisherigen Handlung: David Cameron ist Herrscher in einem Königreich, das vor langer Zeit ein Zweckbündnis mit anderen Ländern in Europa eingegangen ist. Sein Land stieg dank der Mitgliedschaft zu einer der führenden Wirtschaftsmächte der Welt auf. Um jedoch die hohen Staatsschulden zu senken, zwingt Camerons Regierung den Bürgern harte Sparmaßnahmen auf. Dies schafft viel Ärger, den eine Partei rechtspopulistischer Rattenfänger ausnutzt. Die Ukip macht die EU für alle Gebrechen Großbritanniens verantwortlich. Die großen Parteien fürchten, dass die Populisten ihnen weiter Stimmen abjagen und tüfteln einen raffinierten Plan aus: In einem Referendum sollen die Briten selbst entscheiden, ob sie wirklich die Gans schlachten wollen, die ihnen so lange goldene Eier gelegt hat. Der Volksentscheid geht zu aller Überraschung kräftig daneben. Eine Mehrheit fällt auf die Lügen und Verdrehungen der „Brexiteers“ herein.

Theresa May führt nun den Kampf gegen die Bürokraten in Brüssel. Sie selbst war vor dem Referendum wie die meisten ihrer Abgeordneten vehement gegen den Austritt. Dann versteckte sie ihre Skrupel hinter der markigen Losung „Brexit bedeutet Brexit“. Die Parole war wohl auch Ausdruck einer gewissen Verkalkung, die das „Mutterland der Demokratie“ urplötzlich befiel. Erst nach Niederlagen vor den höchsten Gerichten bequemte sich die Regierung, das Parlament einzubeziehen. Die meisten Abgeordneten gaben letztlich gegen besseres Wissen und Gewissen May grünes Licht, den Startschuss für den Austritt zu geben. Es war ein gutes Beispiel für die Wähler-Behauptung, dass man Politikern einfach nicht mehr trauen kann.

Wie die Komödie der Wirrungen endet, wird sich erst herausstellen, wenn bei den Austrittsgesprächen der Vorhang fällt. Monatelang hat die Regierung bei der Frage gepasst, was sie eigentlich in Brüssel verhandeln will. Sie möchte sich nicht in die Karten schauen lassen. Welche Trümpfe die Briten spielen werden, hängt auch davon ab, was die Gegenspieler auf den Tisch legen. Die britischen Karten reichen von einer „neuen herzlichen Verbindung in einer Freihandelszone“ bis zum totalen Bruch mit Binnenmarkt und Zollunion. Bevor die Handlung richtig in Gang kommen kann, verlangt die EU aber erst einmal Eintrittsgeld in Form von Rückständen und Zahlungsverpflichtungen, was London in arge Verlegenheit bringt.

Überhaupt ist der erste Auftritt der Briten nicht gerade stark. Schottland und Nordirland möchten am liebsten, dass die Tragikomödie abgesetzt wird, womöglich wollen sie gar die Bühne wechseln. Und an die 100 000 Demonstranten zeigten am Wochenende, wie sehr der Brexit die Nation gespalten hat. „Ende gut, alles gut“? Bevor es dazu kommen könnte, werden die Zuschauer mindestens noch zwei Jahre lang in Atem gehalten und die wirklichen Probleme Großbritanniens auf die Nebenbühne verbannt.

leitartikel@swp.de

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30.03.2017, 06:00 Uhr
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