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Deutsche Unternehmen schätzen Lage und Zukunftsaussichten sehr positiv ein

Großer Optimismus trotz Unsicherheiten

Trotz aller internationalen Probleme und den Turbulenzen an den Aktienmärkten beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftslage so gut wie noch nie. Auch in die nächsten Monate gehen sie mit Zuversicht.

11.02.2016

Von DIETER KELLER

Berlin. Derzeit droht in Deutschland kein Konjunktureinbruch, obwohl die Börsen seit Jahresanfang deutlich abgestürzt sind. Da ist sich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, sicher. Denn die jüngste DIHK-Umfrage, an der sich mehr als 27 000 Unternehmen beteiligten, zeigt zwar wie schon seit einiger Zeit eine gewisse Verunsicherung in der Wirtschaft. Aber sie schlägt nicht auf die Geschäftserwartungen in den nächsten zwölf Monaten durch.

Daher rechnet der DIHK in diesem Jahr unverändert mit 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum. Damit ist er zwar etwas vorsichtiger als die Bundesregierung, die 1,7 Prozent erwartet, oder der Bundesverband der Deutschen Industrie, der fast 2 Prozent für möglich hält. Aber für Wansleben wäre es immer noch "eine solide Entwicklung, wenn auch nicht mehr so dynamisch wie im vergangenen Jahr mit 1,7 Prozent". Gegen ein stärkeres Wachstum sprechen nach seiner Ansicht zu viele internationale und nationale Risiken. Zudem könnten Ölpreis und Dollar nicht erneut so stark sinken wie 2015: "Die Dosis des Dopings wird weniger." Etwa 0,3 Prozentpunkte dürfte die Versorgung der Flüchtlinge zum Wirtschaftswachstum beitragen.

Bei der Beschäftigung hat Wansleben an Zuversicht gewonnen: Sie dürfte um 220 000 Stellen zunehmen. Im Herbst hatte er nur mit 200 000 gerechnet. Viele Betriebe in Industrie, Handel und Bau sowie Dienstleister planen Neueinstellungen. Es gibt aber auch Branchen wie den Fahrzeugbau oder das Finanzgewerbe, die auf der Bremse stehen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte wegen der Flüchtlinge steigen; eine genauere Prognose wagte er nicht.

Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten die Unternehmen so gut wie noch nie, zeigt die Umfrage, die seit 2000 dreimal im Jahr durchgeführt wird. Vor allem Handel, Dienstleister und Bau machen derzeit gute Geschäfte, also alle Branchen, die stark vom Inlandsmarkt leben. In der Industrie dagegen wird die Lage bei weitem nicht so gut eingeschätzt wie in den Boomjahren vor 2008. Dazu entwickeln sich die Exporte in viele Schwellenländer zu schwach.

Dagegen gewinnt gerade die Industrie für die nächsten zwölf Monate an Zuversicht, sogar im Auslandsgeschäft. Allerdings fallen die Erwartungen im Export für 2016 mit 3 Prozent Wachstum niedriger aus in den letzten Jahren. Zudem wurde die deutliche Eintrübung der Geschäftserwartungen im vergangenen Herbst noch nicht wieder ganz aufgeholt. Wansleben begründete dies in erster Linie mit der Wirtschaftspolitik als "Konjunkturrisiko Nr. 1". Sorgen bereiten nicht nur die vielen internationalen Konflikte, sondern auch die heimische Wirtschaftspolitik. Da umfasst seine Klageliste viele Punkte vom drohenden Entgelt-Transparenzgesetz über geplante Beschränkungen bei Zeitarbeit und Werkverträgen bis zur immer noch nicht gelösten Reform der Erbschaftsteuer.

Regional steht der Süden unverändert am besten da. "Die Unternehmen bewerten ihre Lage und ihre Erwartungen weiterhin besser als der Bundesdurchschnitt, und sie planen auch expansiver", so die Analyse des DIHK für Baden-Württemberg und Bayern. Vor allem die Industrie steht gut da, während das Baugewerbe nicht ganz so stark dasteht wie in anderen Regionen.

In Baden-Württemberg schätzen nur 5 Prozent der Unternehmen ihre Lage als schlecht ein. Jedes zehnte rechnet in den nächsten Monaten mit einer Verschlechterung. Diese Zuversicht stützt sich insbesondere auf optimistische Exporterwartungen, wobei gerade die Industrie im Südwesten auf kräftige Impulse aus den USA und dem Euroraum setzt. Bei den Investitionen sind die Unternehmen allerdings vorsichtig: Im Vergleich zum Herbst planen weniger, ihr Budget aufzustocken, und mehr, es zu reduzieren. Beim Personal sehen die Pläne positiver aus: 24 Prozent wollen die Belegschaft vergrößern, nur 13 Prozent planen einen Abbau.

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Erstellt:
11. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
11. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2016, 08:30 Uhr

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