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Jubiläum

Große Namen im Museum der Bürger

Vor 150 Jahren wurde die Hamburger Kunsthalle eröffnet, die heute Exponate aus acht Jahrhunderten präsentiert. Zu ihrer Geschichte gehören ein prägender erster Direktor und ein spektakulärer Diebstahl.

21.08.2019

Von THOMAS MORELL

In der Rotunde der Hamburger Kunsthalle wird eine Skulpturensammlung präsentiert. Im Mai 1919 wurde der auf Betreiben des ersten Direktors Alfred Lichtwark entstandene Neubau eingeweiht. Foto: Stephan Wallocha/epd

Es waren vor allem Hamburger Kaufleute, die den Senat 1856 drängten, den Bau eines Kunstmuseums in Angriff zu nehmen. Anders als etwa in Berlin, München oder Stuttgart hatte die Hansestadt keine Königsfamilie als Mäzen. Vor 150 Jahren, am 30. August 1869, wurde dann die Hamburger Kunsthalle eröffnet – eines der wenigen deutschen Museen, das acht Jahrhunderte Kunstgeschichte präsentiert.

Caspar David Friedrich, Edouard Manet, Edvard Munch – die Kunsthalle kann mit großen Namen aufwarten: Albrecht Dürer, Rembrandt und Leonardo da Vinci stehen für die Alten Meister, Emil Nolde, Max Beckmann und Paula Modersohn-Becker für die Klassische Moderne. Die Gegenwartskunst vertreten unter anderen Sigmar Polke, Gerhard Richter und Joseph Beuys. Rund 3500 Gemälde besitzt das Museum, davon sind etwa 1000 ausgestellt. Dazu kommen 350 Installationen und 140 000 Zeichnungen und Drucke aus dem Kupferstichkabinett.

Die Anfänge der Kunsthalle liegen, wie es sich für eine Kaufmannstadt gehört, in der Börse: 1850 eröffnete der Kunstverein in den Arkaden der Börse die „Öffentliche städtische Gemäldegalerie“ mit 40 Gemälden, die großen Anklang fand. Auf Drängen einflussreicher Bürger wurde daraufhin der Bau einer Kunsthalle im Stil der italienischen Neo-Renaissance beschlossen.

Großzügige Spender

Die für den Backsteinbau erforderlichen mehr als 600 000 Mark kamen überwiegend aus Spenden zusammen. Auch der jüngste Umbau wurde durch einen Unternehmer ermöglicht: Die Dorit & Alexander Otto Stiftung zahlte für die 2016 abgeschlossene Modernisierung 15 von insgesamt 22 Millionen Euro.

Als Glücksgriff erwies sich der erste Kunsthallen-Direktor Alfred Lichtwark (1852-1914), der das Museum von 1886 bis 1914 leitete. Er machte sich für die Kunst der Romantik stark und kaufte erste Werke der aufkommenden Moderne. Er habe Schwerpunkte gesetzt, „die bis heute den Wert und Charakter der Hamburger Sammlung ausmachen“, urteilte später der SPD-Politiker Helmut Schmidt. Lichtwark bemühte sich zudem, zeitgenössische Künstler in die Hansestadt zu locken. Nebenher trieb er einen Neubau voran, dessen Einweihung im Mai 1919 er allerdings nicht mehr erlebte. Als Kontrast zum Backstein des Altbaus wurde grauer Muschelkalk gewählt. Charakteristikum der neuen Kunsthalle wurde der Rundbau mit der markanten Kuppel, die sich bis heute als Werbeträger für aktuelle Ausstellungen bewährt hat.

Drittes und jüngstes Bauwerk des Ensembles ist die „Galerie der Gegenwart“ zur Binnenalster hin, einer der bundesweit größten Bauten für zeitgenössische Kunst. 1997 wurde der weiße Kubus eröffnet, der auf einem Sockel aus rotem Stein thront.

Zahlreiche „schwarze Stunden“ hat die Kunsthalle erleben müssen. Am 6. Juni 1931 brannte der Münchner Glaspalast nieder, das Feuer zerstörte auch 17 Gemälde aus Hamburg, die für eine Romantik-Ausstellung ausgeliehen worden waren. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten im Juli 1937 insgesamt 72 Gemälde als „entartete Kunst“, darunter Oskar Kokoschkas „Die Windsbraut“, „Der Mandrill“ von Franz Marc, die „Eingeschlafene Trinkerin“ von Pablo Picasso sowie Werke von Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs aber überstand das Museum einigermaßen unbeschadet. Die Sammlungen lagerten in Bunkern. In der Nacht auf den 30. Juli 1978 wurde die Kunsthalle Opfer eines spektakulären Kunstraubs: 23 Gemälde, darunter Werke von Edgar Degas und Auguste Renoir, wurden mit einem Teppichmesser aus ihren Rahmen geschnitten. Der später verurteilte Täter hatte sich einschließen lassen und nachts das Museum durch ein Fenster verlassen – die veraltete Alarmanlage war abgestellt.

Glück hatte die Kunsthalle mit ihrem Hausmeister Wilhelm Werner (1886-1975), der fast 40 Jahre lang in dem Museum tätig war. Es löschte nicht nur im Zweiten Weltkrieg Brandbomben auf dem Dach der Kunsthalle. Der kunstbegeisterte Handwerker war auch Sammler, besaß mehr als 500 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen. Oft erhielt er die Werke von befreundeten Künstlern, für die er Rahmen tischlerte. 2011 ehrte ihn die Kunsthalle mit einer eigenen Ausstellung. Thomas Morell

Fest und vier neue Ausstellungen

Am 23. August öffnet die Ausstellung „Beständig.Kontrovers.Neu. Blicke auf 150 Jahre“ über die Geschichte der Kunsthalle (bis 10. November). Das Jubiläum wird mit einem Museumsfest am letzten August-Wochenende mit freiem Eintritt und vier neuen Ausstellungen gefeiert: „Unfinished Stories“ (bis 30. August 2020), „Rembrandt. Meisterwerke aus der Sammlung“ (bis 5. Januar 2020), „100 Jahre Hamburgische Sezession“ (bis 5. Januar 2020) zur Erinnerung an die erste Ausstellung der Sezession in der Kunsthalle 1919. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Eintritt 14 Euro, ermäßigt 8 Euro, Kinder und Jugendliche frei.

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Erstellt:
21. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 06:00 Uhr

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