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Größtes Dachwehr Europas wird saniert

Das größte Sommerferienprogramm veranstalten in diesem Jahr die Stadtwerke (SWR): Sie lassen das 42 Jahre alte untere Neckarwehr runderneuern. Da gibt es für große und kleine Kinder manches zu sehen.

01.08.2009
  • Ulrich Eisele

Das größte Sommerferienprogramm veranstalten in diesem Jahr die Stadtwerke (SWR): Sie lassen das 42 Jahre alte untere Neckarwehr runderneuern. Da gibt es für große und kleine Kinder manches zu sehen.

Rottenburg. Auf dem oberen Bild, das TAGBLATT-Fotograf Manfred Grohe aus der Luft gemacht hat, ist die ganze Baustelle drauf: Oberhalb des Wehres haben die Bauarbeiter einen Damm aufgeschüttet. Der Neckar wird während der Wehrsanierung – etwa vier bis sechs Wochen – durch einen Kanal (in Flussrichtung rechts) umgeleitet. Wenn viel Wasser kommt, wird der Damm einfach überspült. Beim ersten Versuch, vor zwei Wochen, wurde der Damm von den Wassermassen gleich wieder weggerissen.

Drei, vier Tage auf dem Trockenen

Auch unterhalb des Wehres wurde ein Damm aufgeschüttet. Das Wehr muss jetzt drei bis vier Tage im Trockenen liegen, damit die Bauarbeiter die Holzbretter aus den beiden Wehrklappen heraussägen können. Danach wird das Stahlgerippe in vier Teile zerlegt und auf Tiefladern nach Mannheim geschafft. Dort werden die beiden Wehrklappen sandgestrahlt und ausgebessert – falls nötig. In drei bis vier Wochen werden sie wieder eingebaut.

Dann müssen die neuen Holzbretter in den Rahmen eingesetzt werden. Ein Rottenburger Forstfachhochschul-Professor hat dafür besonders geeignetes Tannenholz aus dem Rottenburger Stadtwald ausgesucht und auf spezielle Art zusägen lassen, damit die Bretter möglichst lange halten. Die alten Bretter, die jetzt ausgetauscht werden, sind 42 Jahre alt. Eine ähnliche Lebensdauer sollten auch die neuen Bretter haben. In 40 Jahren erlischt die Betriebsgenehmigung für das untere Wehr. Dann wird man vermutlich eine ganz andere, neue Wehranlage bauen, nimmt der Technische Leiter der Stadtwerke Dieter Pfeffer an.

Das untere Wehr wurde übrigens nicht in erster Linie gebaut, um damit Strom zu gewinnen, sondern um der Erosion durch den Neckar Einhalt zu gebieten. Wenn das Wehr nicht da wäre, würde der Fluss sozusagen ungebremst durch die Stadt rauschen und sich auf seinem Weg ein immer tieferes Bett graben, Erde, Sand und Geröll mit sich reißen. Dadurch würde der Grundwasserspiegel in der Stadt absinken, und die Häuser würden Setzungs-Risse bekommen.

20 bis 25 Prozent Strom aus Wasserkraft

Dass man mit dem Wehr Strom gewinnen kann, ist für Dieter Pfeffer und die Stadtwerke ein erfreulicher Nebenaspekt. Rund zwei Millionen Euro kostet die Wehrsanierung, Geld, das die Stadtwerke bei der Bank ausleihen müssen. Da ist es selbstverständlich beruhigend, zu wissen, dass mit den Turbinen des Kraftwerks in der Tübinger Straße im Jahr für rund 400 000 Euro Strom gewonnen werden kann. Und das auch noch auf relativ umweltfreundliche Art und Weise. 20 bis 25 Prozent des in der Kernstadt verbrauchten Stromes erzeugen die Stadtwerke mit ihren beiden Wasserkraftwerken (das Kraftwerk in Kiebingen gehört der EnBW).

Größtes Dachwehr Europas

Die Verantwortlichen bei den Stadtwerken weisen immer darauf hin, dass das Wehr in der Tübinger Straße „das größte Dachwehr Europas“ ist. Das stimmt zwar, ist aber nur die halbe Wahrheit: Erstens gibt es ein halbes Dutzend verschiedene Wehr-Formen und -Techniken, so dass dieser Superlativ nicht allzu viel aussagt. Zwei Kilometer flussabwärts zum Beispiel, in Kiebingen, kann man „das größte Schlauchwehr Europas“ bestaunen. Zweitens müssen neue Dachwehre mindestens zwei, besser sogar drei Felder haben (falls bei einem Hochwasser eines mal klemmt) – und die sind selbstverständlich kleiner als bei einem einfeldrigen Wehr.

Trotzdem ist so ein Wehr selbstverständlich ein beeindruckendes technisches Bauwerk. Auf der Zeichnung oben sieht man, wie es funktioniert: Es gibt eine Unter- und eine Oberklappe, in der sich ein Schwimmkörper befindet. Wenn das Wasser steigt, richtet sich das Wehr auf. Wie hoch, hängt davon ab, wie viel Wasser durch Steuerklappen am Rand des Wehres hindurch gelassen wird.

Größtes Dachwehr Europas wird saniert
Funktionsprinzip eines Dachwehres (Längsschnitt): Man erkennt darauf die Unterklappe, die jetzt flach auf dem Boden liegt. An ihrem oberen Ende ist ein Schwimmkörper angebracht, der das Wehr aufrichtet – je nachdem, wie viel Wasser durch die Steuerklappen ins Wehr ein- und wieder hinausgelassen wird, mal mehr, mal weniger. Zeichnung: Stadtwerke

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01.08.2009, 12:00 Uhr
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