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Größer, fülliger, vielfältiger
Die Deutschen nehmen zu - Die Bekleidungsbranche stellt sich darauf ein

Größer, fülliger, vielfältiger

Vier Zentimeter mehr an der Taille, die Hüfte wird zwei Zentimeter breiter: Die Deutschen werden fülliger. Für die Bekleidungsindustrie ist es eine Herausforderung, die passenden Größen anzubieten.

12.02.2016
  • BIANCA FRIESS

Bönnigheim. Der Vorhang schließt sich. Dann surrt es und ein roter Strahl fährt durch die Kabine. Nach zwölf Sekunden ist alles erledigt - die Versuchsperson darf sich bewegen. Jetzt beginnt die Arbeit für den Computer. Es dauert einige Sekunden, bis auf dem Bildschirm ein Fenster erscheint. Es zeigt ein dreidimensionales Modell der Frau im Bodyscanner.

Auf diese Weise haben die Forscher des Textilforschungszentrums Hohenstein zwischen 2007 und 2009 mehr als 13 000 Menschen abgebildet und vermessen. Seit mehr als 60 Jahren führen die Institute regelmäßig Reihenmessungen durch, berichtet die wissenschaftliche Mitarbeiterin Simone Morlock. Früher arbeiteten die Forscher per Hand mit dem Maßband.

Das Ergebnis: Die Deutschen werden immer größer - und immer dicker. Im Vergleich zur letzten Messung im Jahr 1994 nahm die durchschnittliche Frau an der Taille ganze 4,1 Zentimeter zu, der Brustumfang wuchs um 2,3 Zentimeter. Bei den Männern fand die letzte Messung schon 1980 statt, umso größer sind auch die Unterschiede: Die Männerbrust wurde um ganze 7,3 Zentimeter breiter, in der Körperhöhe wuchs er um 3,2 Zentimeter. Insgesamt nimmt der Anteil der großen Größen immer weiter zu. Über die Gründe kann Morlock nur spekulieren: "Das untersuchen wir nicht", sagt sie. Es habe aber sicherlich mit dem steigenden Wohlstand zu tun.

An veränderte Größen muss sich auch die Bekleidungsbranche anpassen. Dabei sollen Maßtabellen helfen, die die Hohensteiner Institute aus den Zahlen ableiten. In ihnen sind jeweils 44 Maße für einzelne Konfektionsgrößen festgelegt. Als Basis für alle Größen dient der Brustumfang - und der bleibt immer gleich. Die Frauengröße 38 entspricht zum Beispiel immer einem Brustumfang von 88 Zentimetern. Ansonsten wurde die 38 in den letzten Jahren aber ein wenig breiter, sagt Morlock.

Das gilt zumindest für die Hohensteiner Maßtabellen. In der Realität sieht es ein wenig anders aus. Obwohl fast alle großen Hersteller die Tabellen zur Orientierung nutzen und ihre Modelle langsam anpassen, hat jede Bekleidungsmarke hinsichtlich der Größen ihre Eigenheiten.

Morlock sagt, weshalb das wichtig ist. Sie malt drei Formen auf ein Blatt Papier: Einen Kreis, ein breites Oval und ein Ei. Das alles können Hüftformen sein, erklärt sie. In der Tabelle steht nur der Umfang - wie er verteilt ist, kann bei jedem Menschen anders aussehen. "Es ist unmöglich, mit einer Passform alle Menschen zu bekleiden", sagt Morlock. Zur Veranschaulichung zeigt sie die 3D-Modelle von Männern, die alle Größe 60 tragen. Einige von ihnen wirken muskulös und sportlich, während andere wohl gerne das ein oder andere Schnitzel zu viel genießen.

Je größer die Größe, desto variationsreicher wird es: Das Fett kann sich dann ganz unterschiedlich verteilen. Für den Kunden wird es auch schwieriger, passende Kleidung zu finden.

Aus diesem Grund ist es durchaus von Vorteil, dass jede Marke unterschiedliche Formen bietet und die Größen unterschiedlich ausfallen - auch wenn mancher Kunde sich über die Variationen ärgern mag. "Unterschiedliche Marken decken eben unterschiedliche Zielgruppen ab", meint Morlock. Nur der Versandhandel habe ein großes Interesse an einheitlichen Größen, erklärt sie. Die unterschiedlich ausfallenden Größen sorgen nämlich für viele Retouren.

Variationen gibt es auch auf internationaler Ebene. Wer als Frau in Deutschland Größe 38 trägt, braucht in Italien eher Größe 44. Das liegt nicht an Pizza und Pasta, der Grund dafür ist ganz einfach: In Italien gab es zum Beispiel lange keine Standardtabellen, erklärt Morlock. Jeder Hersteller hat das selbst festgelegt, die Größen haben sich in vielen Ländern frei - und damit auch unterschiedlich - entwickelt. "Das wird sich auch nicht vereinheitlichen lassen", meint die Wissenschaftlerin. Die Hersteller könnten ja nicht auf einmal alle ihre gewohnten Schnitte umwerfen.

Wann die nächsten Versuchspersonen in die Scanner-Kabine steigen, ist noch offen. Normalerweise wird die Messung ungefähr alle zehn Jahre durchgeführt. Momentan steht die Abbildung von Köpfen und Händen auf der Tagesordnung - auch hier gibt es unzählige Formen zu vermessen. Davon profitieren zum Beispiel Helm- und Handschuhträger.

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12.02.2016, 08:30 Uhr
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