Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Stuttgart

GroKo-Pläne befeuern Diskussion über Ganztagsschule

Für Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist das von Union und SPD beschlossene Ausbauprogramm für Ganztagsbetrieb für Grundschüler mit etlichen Fragezeichen versehen.

12.02.2018
  • dpa/lsw

Stuttgart. «Der Bund muss vor allem erklären, wie der Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Ganztagsschule umgesetzt werden soll», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Viele konkrete Fragen seien noch unbeantwortet. «Ich bekenne mich zu einer gehörigen Portion Skepsis.» Auch der Gemeindetag bemängelt eine unklare Finanzierung. Die mögliche GroKo will zwei Milliarden Euro bereit stellen.

Die SPD-Fraktion warf Eisenmann vor, die Ganztagsschulen zu bekämpfen. Dabei seien diese ein wesentlicher Schlüssel, Bildungserfolg und soziale Herkunft zu entkoppeln. Die FDP im Landtag zeigte sich verwundert: «Man sollte nicht meinen, dass Frau Eisenmann Mitglied der stärksten GroKo-Partei ist.»

Die Ministerin sagte, den Rechtsanspruch für alle Grundschüler bis 2025 anzuvisieren, sei ambitioniert. «Das in der gebotenen Qualität gewährleisten zu können, ist eine riesengroße organisatorische und finanzielle Herausforderung.» Und der Weg dahin sei noch unklar. Das beginne schon mit dem Begriff Ganztagsschule: Dieser umfasse sowohl die gebundene Form mit über den Tag verteilten Phasen der An- und Entspannung als auch die auf die individuellen Wünsche der Eltern zugeschnittene Betreuung am Nachmittag. Je nachdem seien Fragen nach möglicher Mitfinanzierung von Ländern und Kommunen und nach zusätzlichen Lehrkräften und Erziehern zu beantworten.

Der Gemeindetag glaubt nicht, dass das angekündigte Geld ausreicht. «Deutschlandweit rechnet man mit 18 Milliarden Euro, die uns das kosten würde», sagte einen Verbandssprecherin. Auch das notwendige Personal müsse erst gewonnen werden. «Wir haben ja nicht einmal genug Personal für die Kitas und Kindergärten.»

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch nannte es einen großen Fortschritt, wenn der Bund sich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf annehme und Land und Kommunen beim Ausbau von Ganztagsschulen und Betreuungsangeboten unterstütze. «Kultusministerin Eisenmann kommt mir vor wie Don Quichotte, die gemeinsam mit ihrer CDU aufgrund ihres längst überholten Familienbildes immer noch gegen die «Windmühle» Ganztagsschule ankämpft.»

Eisenmann erläuterte, im Südwesten werde der Ganztag so ausgebaut, wie er von den Schulgemeinschaften beantragt werde. «Wir bremsen den Ausbau nicht.» Baden-Württemberg hat nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung eine Quote von 23,7 Prozent der Schüler (Schuljahr 2015/16) im gebundenen Ganztag und liegt damit bundesweit auf dem vorletzten Platz. Die Christdemokratin sieht die Erhebung kritisch und betonte, der Bedarf an dieser Form des Ganztages sei im ländlich strukturierten Baden-Württemberg nicht sehr stark ausgeprägt. Ein bedarfsgerechter und qualitativ hochwertiger Ausbau der Ganztagsschulen sei aber ein zentrales Ziel. Die Wahrnehmung, das Land hinke beim Ausbau im Bundesvergleich hinterher, sei falsch. Es gebe kaum einen Schulstandort im Südwesten, der nicht flexible Angebote bereitstelle.

Auch die Landtags-FDP pocht auf freie Wahl der Eltern, welche Art von Bildung und Betreung sie wünschen. Eisenmann sei ein konkretes Ganztagskonzept schuldig, betonte Schulexperte Timm Kern.

Auch der Städtetag vermisst konkrete Hinweise für die Ausgestaltung des Ganztags. Geschäftsführerin Gudrun Heute-Bluhm plädiert für Pro-Kopf-Pauschalen für die Schüler. So könnten die Kommunen als Schulträger die außerunterrichtlichen Angebote mit freien Trägern organisieren. Die anvisierte Konstruktion des Rechtsanspruchs über das Sozialgesetzbuch VIII lasse alle Alarmglocken bei den Kommunen läuten. Denn es könne passieren, dass Eltern sich - analog zum Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz - eine luxuriöses Betreuungsangebot auf Kosten der Kommunen einklagen könnten.

Ähnlich wie beim Ganztag sieht Ministerin Eisenmann auch den geplanten, mit fünf Milliarden Euro ausgestatteten Digitalpakt Schule der GroKo auf tönernen Füßen stehen. Es stelle sich die Frage nach Umfang der Versorgung der Schüler mit Laptops und dem damit verbundenen Konzept. Unklar sei auch, wer die Kosten im Fall einer Ersatzanschaffung trage.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.02.2018, 09:22 Uhr | geändert: 12.02.2018, 16:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular