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Seuchenschutz

Ein Grenzzaun für Wildschweine

Dänemark baut am Übergang zu Deutschland einen Zaun zur Abwehr der Schweinepest. Naturschützer wehren sich.

15.05.2019

Von BIRGITTA VON GYLDENFELDT UND STEFFEN TRUMPF

Ein Schild mit der dänischen Aufschrift „Der Mensch ist das größte Risiko“ hängt am Wildschweinzaun. Foto: Carsten Rehder/dpa

Arne Rüstemeier steht am Kollunder Wald auf dänischer Seite an der Flensburger Förde. Neben ihm markieren rote und gelbe Fähnchen den möglichen Verlauf jenes Zaunes, der Dänemark vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) schützen soll. Rüstemeier, Fraktionschef der CDU im Flensburger Rat, ist gegen den Zaun. Wie so viele in der Region.

Der 1,50 Meter hohe Zaun soll Wildschweine an der deutsch-dänischen Grenze hindern, von Deutschland aus ins Nachbarland zu gelangen. Dänemark sorgt sich wegen der Krankheit um seine Schweinezucht. Der Bau des Zauns wird unter anderem damit begründet, dass die starke Bejagung in Deutschland zu einer Abwanderung von Wildschweinen nach Dänemark führen könnte.

Das Projekt ist unter Fachleuten umstritten. Kritiker führen unter anderem an, dass sich das ASP-Virus vor allem durch Tiertransporte, Jagdreisen und infizierte Lebensmittel ausbreite. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam in einem Gutachten zu dem Schluss, dass für eine Prävention weitläufige Zaunanlagen einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren.

Kommunalpolitiker Rüstemeier sagt, er könne die Sorgen der Dänen um die Schweineproduktion nachvollziehen. Aber er glaube nicht, dass der Zaun die geeignete Maßnahme sei, um Dänemark frei von der Seuche zu halten. Dafür könnte er aber andere Auswirkungen haben. „Ich glaube, die Sichtbarkeit macht schon etwas mit den Menschen“, sagt er und spricht damit aus, was viele in der Region denken. Es entspreche auch nicht dem europäischen Gedanken, als Staat zu sagen, man baue eine sichtbare Grenze. „Wir müssen eigentlich als Europäer gemeinsam dafür sorgen, dass sich die Schweinepest nicht ausbreitet beziehungsweise ordentlich bekämpft wird.“

Die Seuche befällt Haus- und Wildschweine. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Von der Tierseuche betroffen sind in Europa bislang vor allem osteuropäische Staaten, das Baltikum und Belgien, wo der Erreger bei Wildschweinen nur etwa 40 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt nachgewiesen wurde. Dies geht aus dem Radar Bulletin hervor, das unter anderem vom Friedrich-Loeffler-Institut erstellt wird.

Seit Januar wird gebaut; bislang stehen etwa zehn Kilometer des Wildschweinzauns entlang der knapp 70 Kilometer langen Grenze. Nicht an einem Stück, sondern an verschiedenen Orten. Man sei im Plan, damit das Vorhaben wie angedacht bis November fertig sei, sagt Bent Rasmussen, der den Bau des Zauns bei der dänischen Naturverwaltung beaufsichtigt.

Rund zehn Kilometer vom Kollunder Wald und der Flensburger Förde entfernt wurde im Januar unter großem Medienrummel bei Ellund das erste Teilstück des Zauns errichtet. Einige hundert Meter Zaun stehen hier bereits. Eine Pforte ist ebenfalls eingebaut, auch wenn man noch problemlos um den Zaun herumgehen könnte, und die Pforte eh nur von einem Acker auf den nächsten führt. In einiger Entfernung setzen Bauarbeiter weitere Pfosten für den Zaun.

Häkelblumen und Girlanden

Viele Menschen sind hier derzeit nicht zu sehen. Doch sie haben den Zaun nicht vergessen, im Gegenteil. Das zuerst gebaute Teilstück ist geschmückt mit bunten Häkelblumen und Girlanden. Auf Zetteln stehen Botschaften wie „Grenzwertig“ oder auch „Menneske er den største risiko“ („Der Mensch ist das größte Risiko“). Es ist das Werk einer Gruppe von Aktivisten beiderseits der Grenze. Auf Instagram posten sie unter „Wildschweinzaun_der_Liebe“ Bilder der Blumen und Texte und rufen auf, „für grenzenlose Nachbarschaft“ mitzumachen.

Den Weg über die EU hat indes Bo Håkansson gesucht. Er hat im Namen des dänischen Naturschutzverbands eine Petition gegen den Bau des Zauns beim Petitionsausschuss des EU-Parlaments eingereicht: Eine solche Maßnahme sei unverhältnismäßig und könne einen Eintrag der ASP nach Dänemark nicht verhindern, heißt es darin. Zudem laufe sie dem EU-Ziel zuwider, die Landschaftszerschneidung in Europa zu reduzieren. dpa

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Erstellt:
15. Mai 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Mai 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 06:00 Uhr

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