Tübingen

Greift zu kurz

Der Tübinger Medizin-Ethiker Urban Wiesing sprach sich gegen offiziell autorisierte Homöopathie-Weiterbildungen für Ärzte aus.

16.08.2022

Von Ralph-Guido Günther, Tübingen

Es gibt viele Hinweise, dass das Placebo-Argument zu kurz greift: Ich habe selbst erlebt, dass verschwundene Symptome wieder auftreten, wenn ich die Einnahme eines homöopathischen Medikamentes vergessen hatte, und dass der „Placebo-Effekt“ (Heilung) eben nicht auftrat, wenn das passende Medikament oder die Potenz (!) noch nicht gefunden war. Erst nach Anpassung wirkte das Medikament!

Es kommt immer der Hinweis auf fehlende Nachweise in Doppelblind-Studien. Die passen aber nicht zum Forschungsgegenstand „Homöopathie“. Es ist, als würde man Wassertemperatur mit dem Meterstab messen wollen. Jeder weiß, dass man dafür ein anderes Messinstrument braucht. Die Wirkung eines individuell vom Arzt ermittelten Mittels auf einen konkreten Patienten, der eine bestimmte Symptomatik, Konstitution, Lebenslage und so weiter aufweist, kann nicht wiederholt werden, da es diesen Patienten genau so nicht nochmal gibt. Es handelt sich bei der Homöopathie um eine ganz andere Herangehensweise an Krankheit und Gesundheit als die mit „üblichen“ Medikamenten, weil der Mensch dabei nicht als Mechanismus betrachtet wird. Das sollten Skeptiker bedenken. Und dazu braucht es mehr Fortbildung und Forschung, nicht weniger!

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Erstellt:
16.08.2022, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 1min 33sec
zuletzt aktualisiert: 16.08.2022, 01:00 Uhr

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