Tübingen

Greenpeace-Aktivisten protestierten gegen Verbrenner bei VW

Am Samstagmorgen kamen Aktivistinnen und Aktivisten auf dem Parkplatz des VW-Autohauses in der Tübinger Schaffhausenstraße zusammen und protestierten für einen schnellen Verbrenner-Ausstieg bei Volkswagen. Sie beteiligten sich an einer bundesweiten Protestaktion in 35 Städten.

05.06.2021

Von ST

Greenpeace-Klimaschutzaktion beim BHG-Autohaus in Tübingen. Bild: Erich Sommer

Die Beteiligten von Greenpeace beklebten dort ausgestellte Diesel und Benziner mit Botschaften wie „Von Wegen: Klima-Vorreiter“ oder „Von wegen: just electric“. Die Aufkleber im Din-A-3-Format seien umweltverträglich und rückstandsfrei ablösbar, versichert Greenpeace in einer Pressemitteilung. Zudem wird VW-Chef Herbert Diess in einem offenen Brief aufgefordert, die Entwicklung einer nächsten Verbrenner-Generation zu stoppen (siehe Infobox).

Die Verkaufszahlen von VW „bringen die Scheinheiligkeit des Konzerns auf den Punkt“, sagt Ulrike Beck, Sprecherin von Greenpeace in Tübingen. „Ein paar Elektroautos können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Volkswagen rücksichtslos weiter Verbrenner entwickelt und noch Jahrzehnte verkaufen will.“

Demnach sei VW allein durch seine produzierten Autos für über ein Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Aktuell wolle der Konzern Milliarden in die Entwicklung einer neuen Plattform investieren, auf der noch millionenfach neue Diesel und Benziner bis mindestens 2040 verkauft werden sollen, kritisiert Greenpeace.

Die Aktivistinnen und Aktivisten führten gar Testgespräche vor einigen Monaten durch, die beweisen sollen, dass das VW-Verkaufspersonal mehrheitlich zum Kauf eines Verbrenners riet. Vor dem Erwerb eines des elektrischen ID.3 hätten manche Verkäufer gar gewarnt.

Rückenwind versprechen sich die Klimaschützer durch das jüngste Urteil des Karlsruher Bundesverfassungsgerichts, wodurch künftige Generationen ein Grundrecht auf wirksamen Klimaschutz haben. Und durch eine weitere Justiz-Entscheidung: Auch der Ölkonzern Shell wurde vergangene Woche von einem Gericht in Den Haag zu mehr Klimaschutz verpflichtet.

Die Argumentation des Gerichts betrifft nach Greenpeace-Auffassung auch andere fossile Unternehmen wie Volkswagen: Die von VW in einem einzigen Jahr produzierten Autos sollen über ihre Lebensdauer 582 Millionen Tonnen CO2 verursachen. Das übersteige die jährlichen Treibhausgas-Emissionen Australiens, so Greenpeace in der Mitteilung.

Offener Brief an VW-Chef Diess

„Damit VW vom Klimaproblem zu einem Teil der Lösung wird, dürfen Sie ab 2025 in Deutschland und ab 2028 in Europa keine weiteren Abgasautos verkaufen“, schreibt der geschäftsführende Vorsitzende von Greenpeace, Roland Hipp, in seinem offenen Brief an VW-Chef Herbert Diess. Zuvor argumentiert Hipp: „Mitten in dieser ökologischen Krise, ausgelöst und befeuert durch das Verbrennen von Öl, Kohle und Gas, wollen Sie eine weitere Generation Autos entwickeln, die noch mehr Öl verbrennt. Das ist als würde man ein sinkendes Schiff retten wollen, indem man Wasser hineinpumpt.“ Erwartungsvoll stehe er für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, schließt Hipp sein Schreiben.

Zum Artikel

Erstellt:
5. Juni 2021, 13:15 Uhr
Aktualisiert:
5. Juni 2021, 13:15 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juni 2021, 13:15 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App